"Euphorie ist schnell Ernüchterung gewichen"

Stadthalle Northeim: Sniadowski zieht Angebot zurück

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Northeim. Die Stadt Northeim muss weiter nach einem Betreiber für die Stadthalle suchen.

Der Northeimer Musiker, Produzent und Inhaber einer Veranstaltungsagentur, Tomas Sniadowski, hat sein Angebot, die Stadthalle zu übernehmen, zurückgezogen. Das bestätigte er am Montag auf Anfrage der HNA.

Als Begründung nennt der 37-Jährige gleich mehrere Aspekte: Zum einen sei die Euphorie, mit der er das Projekt angehen wollte, schnell Ernüchterung gewichen. „Der Gegenwind und die schlechte Stimmung, die mir aus Teilen der Politik und des Fördervereins der Stadthalle entgegengeschlagen sind, haben mich echt erschrocken“, sagt Sniadowski. Kritiker hätten sein Interesse sogar als Wahlkampf für den damaligen Bürgermeister-Kandidaten Jörg Dodenhöft hingestellt. Sniadowski: „Absoluter Schwachsinn!“ Zum Teil habe er sich daher auch persönlich angegriffen gefühlt.

Sein Ziel mit der geplanten Übernahme der Stadthalle sei vielmehr gewesen, etwas für Northeim zu tun. „Ich hatte echt richtig Lust, hier etwas Tolles auf die Beine zu stellen“, sagt Sniadowski.

Zusammen mit befreundeten Veranstaltern habe er bekannte Künstler nach Northeim holen wollen, hätte selbst weiter seine erfolgreichen Veranstaltungen in der Stadthalle gemacht, dazu Messen, Tagungen und vieles mehr.

„Und natürlich hätte dort auch der Stadthallen-Förderverein weiterhin seinen Platz gehabt. Nur habe ich von Anfang an klar gemacht, dass Non-Profit-Veranstaltungen für mich als Unternehmer nicht in Frage kommen“.

Einen weiteren Grund für den Rückzug sieht Tomas Sniadowski in seinem Privatleben: „Meine Frau hat mich gefragt, ob unsere Kinder in der Stadthalle groß werden sollen“.  

Aktuell absolviere er so viele Auftritte mit seiner Band „Vintage Vegas“ in ganz Deutschland, organisiere bundesweit Events für Großunternehmen und hat vor einigen Monaten eine weitere Firma in Northeim gegründet, die auf Haus- und Wohnungssanierungen spezialisiert ist, erzählt Tomas Sniadowski. Ebenfalls nicht zu kurz komme auch seine große Leidenschaft, das Komponieren: Für den neuen Til Schweiger-Film, der in dieser Woche anläuft, hat Sniadowski einen Teil der Filmmusik beigetragen. „Es ist ja nun nicht so, dass ich zu Hause sitze, und mich langweile“, sagt er mit einer gewissen Ironie. Doch seit Februar, als er anbot, die Stadthalle zu übernehmen, seien inzwischen ein paar Monate ins Land gezogen. 

So sei auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in den ersten Monaten sehr träge gewesen. „Ich habe zum Teil wochenlang auf einen Gesprächstermin oder einen Rückruf gewartet“. Richtig geärgert habe er sich zudem über die Aussage eines Ratsherrn der SPD, der, nachdem Sniadowski sein Konzept für die Stadthalle der Northeimer Politik vorgestellt hatte, geäußert hat, dass er das Konzept auch selbst hätte erarbeiten können. „Da frage ich mich natürlich, warum er es nicht schon lange gemacht hat. Dann würde die Stadthalle schon lange super laufen und die Stadt müsste nicht jedes Jahr die Verluste, die die Halle einfährt, mit 280 000 Euro ausgleichen“, sagt Sniadowski. Das alles habe ihn nun zu dem Schritt bewogen, sein Vorhaben zu den Akten zu legen. Der Stadthalle Northeim wünscht er für die Zukunft natürlich alles Gute.  

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