Stadthalle soll Impfzentrum werden

Frust bei den Kulturmachern in Northeim

Die Northeimer Stadthalle soll ab dem 15. Dezember ein Jahr lang nicht für Kulturveranstaltungen und als Tagungsraum zur Verfügung stehen.
+
Die Northeimer Stadthalle soll ab dem 15. Dezember ein Jahr lang nicht für Kulturveranstaltungen und als Tagungsraum zur Verfügung stehen.

Eine andere geeignete Immobilie für das Corona-Impfzentrum als die Northeimer Stadthalle gibt es nicht.

Northeim – Das hat Landrätin Astrid Klinkert-Kittel nach Kritik an der Entscheidung, die Stadthalle ein Jahr als Impfzentrum zu blockieren, bekräftigt.

Das DRK, das den Betrieb des Impfzentrums übernimmt, habe einen Standort in Northeim gewollt, wo es selbst seinen Dienstsitz hat, nannte die Landrätin ein Auswahlkriterium.

Sporthallen sollten nicht genutzt werden, da die Hallenkapazitäten bereits schon jetzt nicht ausreichen, die Nachfrage der Vereine zu decken.  Auch sollten die Schulbereiche vom Verkehr der 30 bis 40 Personen, die stündlich ins Impfzentrum kommen sollen, freigehalten werden.

Außerdem fehlt es laut Klinkert-Kittel in den Sporthallen an der erforderlichen Infrastruktur, wie der zwingend erforderlichen leistungsstarken Internetanbindung oder ausreichenden Sanitäranlagen. Lager- und Pausenräume müssten in den Sporthallen erst geschaffen werden.

 Der leer stehende Supermarkt am Eschenschlag sei eine Option gewesen. Er wird aber laut Kreisverwaltung nicht als Impfzentrum an den Landkreis vermietet.

Anforderungen an Impfzentrum

Die Stadthalle hat mit Veranstaltungssaal, Foyer, ehemaligem Restaurantbereich und den Tagungsräumen eine Fläche von 950 Quadratmetern und ist damit groß genug für ein Impfzentrum. Sie sei barrierefreie erreichbar und habe die notwendige Infrastruktur: schnelle Internetanbindung, Möglichkeiten zur sicheren Lagerung der Impfstoffe, Sanitärräume für das eingesetzte Personal, aber auch für die Personen, die geimpft werden, sowie Pausenräume und separate Räume für Beratungen. Ferner ist sie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Offen ist noch, wo künftig der Kreistag tagen wird. Ausgehend vom Flächenbedarf für eine den Coronaregeln entsprechende Sitzung sei man noch dabei, mögliche Sitzungsorte zu prüfen, sagte Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer.

Die Stadt wird für die Sitzungen des Rates und seiner Ausschüsse auf Dorfgemeinschaftshäuser und Mehrzweckhalle sowie auf die Sitzungsräume im Rathaus zurückgreifen, sagte Bürgermeister Simon Hartmann auf Anfrage. Außerdem soll es mit dem Landkreis Gespräche darüber geben, ob für Gremiensitzungen auch Schulgebäude wie die Mensen des Gymnasiums Corvinianum oder der Northeimer Oberschule genutzt werden können. Für die in der Stadthalle geplanten Kulturveranstaltungen, die dort nun im kommenden Jahr nicht stattfinden können, werde individuell nach Ersatzveranstaltungsorten gesucht, sofern sie gemäß der dann geltenden Coronaverordnungen überhaupt möglich sind, sagte Hartmann.

So habe es bereits am Montag eine Besichtigung der Sporthalle der BBS I des Landkreises Northeim mit dem Konzertring Northeim gegeben.

Kulturschaffende sind enttäuscht

Doch der Frust ist groß bei den Kulturschaffenden und den Veranstaltern in der Region. Die Nachricht, dass im kommenden Jahr die Northeimer Stadthalle zum Impfzentrum werden soll, hat sie schwer getroffen. Angezweifelt wird nicht die Notwendigkeit eines solchen Zentrums, aber die Auswahl des Standortes.

Es gibt keine richtige Alternative für Veranstaltungen

Denn mit dieser Entscheidung sei klar, dass viele Veranstaltungen nicht stattfinden können. Einen alternativen Veranstaltungsraum zu finden, sei im Landkreis nicht machbar. Da fehle es an Logistik, Technik und an Kapazitäten, sind sich die bisherigen Nutzer der Stadthalle einig.

Sie fragen auch, ob seitens des Landkreises wirklich alle Alternativen für einen anderen Impfstandort geprüft wurden. Andere Orte wie Göttingen würden es vormachen und Sporthallen zum Impfzentrum umwandeln, und auch das Land hätte Konzepte für eine Einrichtung in Sporthallen vorgeschlagen, so Volker Behling vom Förderverein Stadthalle.

Es sei nach seinen Worten schwierig, aus bereits geschlossenen Verträgen mit Künstlern herauszukommen. Jetzt müsse man dafür Lösungen finden, eventuell könnten dafür Fördermittel eingesetzt werden. Behling gibt zu bedenken, dass die Schauspieler, die oft von niedrigen Gagen leben müssten, die Leidtragenden seien.

Auch Kerstin Baufeldt vom Katlenburger Tanzstudio ist enttäuscht. Schon in diesem Jahr musste sie ihre Tanzshows coronabedingt absagen. Für 2021 hatte sie drei Shows in der Northeimer Stadthalle geplant.

Sätze wie „die Kultur kann 2022 wieder richtig durchstarten“, hätten sie sehr getroffen, denn schon seit Monaten könne sie nicht richtig arbeiten. Wenn jetzt noch für ein Jahr die Perspektive fehle, sei dies ein weiterer Schlag. „Das Licht am Ende des Tunnels wurde damit zunichtegemacht“. Die Musikfreunde Edesheim-Hohnstedt-Northeim brauchen bei Konzerten Platz für 500 Besucher. Sie denken nun über Open-Air-Veranstaltungen nach, „aber auch das steht und fällt mit den behördlichen Auflagen“, so Sprecher Patrick Walther. (Olaf Weiss/Rosemarie Gerhardy)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.