Bauforscher Frank Högg unterwegs

Kartierung aller Fachwerkhäuser in Northeimer Innenstadt beginnt

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Unterwegs in Northeim: Bauhistoriker Frank Högg kartiert und erfasst alle 325 Fachwerkhäuser in der Northeimer Innenstadt. Drei Monate werden die Arbeiten im Auftrag des Fachwerk-Fünfecks dauern. 

Northeim. Bauforscher Frank Högg erfasst für das Fachwerk-Fünfeck alle Fachwerkhäuser in der Northeimer Innenstadt.

Wenn er von Gebälk, Ornamenten und Eichenständern spricht, kommt er ins Schwärmen, so wie andere bei Autos oder vielleicht auch Frauen, denn Fachwerkforschung ist für Frank Högg nicht nur ein Beruf, sondern auch Berufung. Seit dieser Woche ist der gelernte Dachdecker und studierte Bauhistoriker Högg in Northeim unterwegs, um alle Fachwerkhäuser in der Innenstadt zu kartieren.

Auftraggeberin ist das Projekt Fachwerk-Fünfeck. Drei Monate lang wird der 52-Jährige durch die Straßen innerhalb des Northeimer Mauerrings ziehen, um die Fachwerkbauten systematisch zu erfassen und auf Merkmale in Bauweise, Konstruktion, Schmuck- und Schnitzform sowie Inschriften zu untersuchen. Dabei nutzt der Bauingenieur auch die Kamera, um die Besonderheiten jedes Gebäudes im Detail festzuhalten.

Baualtersplan

Ziel ist die Erstellung eines Baualtersplans für die gesamte Innenstadt. Dieser soll als Grundlage für das weitere Vorgehen des Projekts dienen, das es sich zum Fernziel gesetzt hat, alle fünf beteiligten Städte in Südniedersachsen mit ihren Fachwerkschätzen in der Gesamtheit zum Weltkulturerbe erklären zu lassen und so Touristen zu locken. Grundlage soll die Kartierung aber auch für das weitere Vorgehen in der Stadtsanierung sein.

„Ich möchte mit meiner Arbeit Interesse wecken, die Häuser zu erhalten. Die Bürger sollen stolz auf die eigene Stadt sein. Das bringt regionale Identität“, sagt Högg.

Auf Kamera-Pirsch: Bauingenieur Frank Högg hält Details der Häuser auch in vielen Fotos fest.

Viel Gotik und Eiche

Der Bauhistoriker ist dabei tief beeindruckt von den vielen Fachwerkbauten mit Balken aus Eichenholz und den überproportional vielen Häusern aus der ältesten Fachwerkphase, der Gotik von 1418 bis 1535. „Das ist eine Besonderheit Northeims.“

Högg als Schwärmer fürs Fachwerk ist fest überzeugt davon, dass die Bauschätze für die Zukunft erhalten werden müssen, auch, um sie touristisch zu vermarkten. „Es müssten nicht nur 500 000 Euro fürs Fachwerk-Fünfeck locker gemacht werden, sondern 50 Millionen“, sagt historische Bauforscher, der seit 1997 freiberuflich unterwegs ist.

Neben den Fachwerkbauten in Northeim wird der Experte innerhalb der nächsten drei Monate auch die Gebäude in Osterode kartieren. Dass die Städte Northeim, Einbeck, Duderstadt, Osterode und Hann. Münden im Fachwerk-Fünfeck an einem Strang ziehen, findet er eine „ganz tolle Initiative“.

Bewohner aufklären

„Man kann Touristen die Besonderheiten des Fachwerks doch nur vermitteln, wenn die Bewohner selbst wissen, welche Schätze sie hier haben“, ergänzt die Pressesprecherin des Fachwerk-Fünfeck-Projekts Juliane Hoffmann zur Intention, die hinter der Auftragsvergabe für die Kartierung steht.

15 Minuten pro Haus

Frank Högg hat sich vorgenommen, pro Fachwerkhaus eine Viertelstunde für die Bestandsaufnahme und Alters-einschätzung zu investieren. Entstehen werden für jedes der 325 Gebäude nicht nur jede Menge Fotos, sondern auch Angaben zur Bauepoche, zur Bauweise, zu überstehenden Geschossen – den sogenannten Vorkragungen – zu Inschriften, zur Ornamentik und auch zu Verkleidungen und möglichem Handlungsbedarf.

Bauteil-Markierung hilft

Das Baualter stellt Högg mit geschultem Blick zum Beispiel auf die jahrhundertealten Markierungen fest, die die Zimmerleute seinerzeit am Gebälk als Bauteil-Kennzeichnung hinterlassen haben, zuerst als Symbole, später als Nummern. „Auf gut Glück hat auch schon damals keiner einfach ein so Haus hingestellt. Das war alles durchgeplant.“

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