Strafe für Notarzt nach Einsatzfahrt stößt auf Unverständnis

Rasante Fahrt: Nach Verkehrsunfällen, bei Herzinfarkten oder auch Schlaganfällen zählt oft jede Minute. Das Foto zeigt einen Rettungswagen im Einsatz, daneben gibt es aber auch spezielle Einsatzfahrzeuge für Notärzte mit Martinshorn und Blaulicht . Foto: dpa

Northeim. Ein Strafbefehl für einen bayrischen Notarzt, der bei einer Einsatzfahrt einen anderen Autofahrer, behindert haben soll, empört Einsatzkräfte auch im Kreis Northeim.

Weil er bei einer Einsatzfahrt zur Rettung eines Kleinkindes einen Autofahrer zum Ausweichen gezwungen haben soll, sollte ein bayrischer Notarzt 4500 Euro zahlen und den Führerschein sechs Monate abgeben. Der Strafbefehl, der nach Protesten jetzt wieder zurückgenommen wurde, hat auch bei Rettungskräften im Kreis Northeim zu Unverständnis geführt.

„So etwas ist für mich unvorstellbar“, sagt der Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Landkreis Northeim, Dr. Bodo Lenkewitz auf HNA-Nachfrage. Damit meint er insbesondere, dass der Autofahrer Anzeige wegen Straßenverkehrsgefährdung gestellt hatte.

Auch Kreisbrandmeister Bernd Kühle kann die Anzeige nicht nachvollziehen. Wenn so etwas Schule mache, könne sich bald jede Rettungsdienst- oder Feuerwehrkraft nach entsprechendem Strafbefehl vor dem Kadi wiederfinden.

Zwar sei es in Niedersachsen, anders als in Bayern, unzulässig, dass ein Notarzt selbst im Einsatz fahre – hierzulande steuert ein Rettungssanitäter das Auto, damit sich der Arzt auf den Einsatz konzentrieren kann –, doch zu brenzligen Situationen bei jährlich 4200 Notarzt- und 14.000 Rettungswagen-Einsätzen komme es auch im Kreis Northeim immer wieder, so Lenkewitz. Er erinnert an einen schweren Unfall während der Einsatzfahrt eines Krankenwagens vor drei Jahren bei Hammenstedt mit fünf Verletzten.

Die Reaktionen der anderen Autofahrer, wenn sie Martinshorn hören, seien oft unberechenbar, sagt Lenkewitz. Und das Einsatzteam stehe unter Stress. Lenkewitz: „Und das war bei dem Einsatz in Bayern im besonderen Maße der Fall, denn es ging um das Leben eines Kindes, dass Sekundenkleber verschluckt hatte.“

Sowohl Lenkewitz als auch Kühle sind froh über die Rücknahme des Strafbefehls. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, und eine Petition im Internet für einen Freispruch des Mediziners hatte bis zur Rücknahme 200.000 Unterstützer gefunden. (goe)

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