Prozess um Körperverletzung vor der Amtsgericht

Tätlicher Angriff nach AfD-Kundgebung in Northeim: Fragen um Schlag ins Gesicht

Der Prozess läuft: Eine junge Frau soll 2017 bei einer AfD-Veranstaltung in Northeim geschlagen und getreten worden sein.
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Der Prozess läuft: Eine junge Frau soll 2017 bei einer AfD-Veranstaltung in Northeim geschlagen und getreten worden sein.

Bei einem Prozess gegen eine 24-jährige Göttingerin und einen 22-jährigen Mann aus Peine, der unter Sicherheitsvorkehrungen am Montag vor dem Amtsgericht Northeim begonnen hat, geht es um Körperverletzung bei einer AfD-Veranstaltung.

Die beiden, die der linken Szene angehören sollen, sind angeklagt wegen Körperverletzung. 

Frau auf AfD-Veranstaltung geschlagen und getreten?

Die 24-jährige Frau soll eine heute 18-Jährige aus Alfeld nach einer AfD-Wahlkampfveranstaltung im September 2017 in Northeim ins Gesicht geschlagen haben. Der Mann soll sie in den Rücken getreten haben. Die Frau muss sich ferner wegen Beleidigung verantworten. Die beiden Angeklagten machten keine Angaben zur Sache.

Die Alfelderin schilderte, sie sei nach Ende der Kundgebung, die auf dem Münsterplatz stattgefunden hat, in Richtung Bahnhof gegangen. An einer Ampel-Kreuzung (wohl Bahnhofstraße/Güterbahnhofstraße), wo sie wegen Rotlicht warten musste, sei sie von einer etwa zehnköpfigen Gruppe eingeholt worden. Man habe sie mehrfach bespuckt und als Nazi-Schlampe beleidigt. Dann sei sie von einer Frau mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen worden. Ein Mann habe ihr in den Rücken getreten. Anschließend sei sie auf die Fahrbahn geschubst worden.

Der Polizei, die kurz darauf am Ort des Geschehens war, zeigte die 18-Jährige die beiden Personen, von denen sie ihrer Meinung nach geschlagen und getreten worden war. Im Gerichtssaal betonte sie mehrfach, die beiden Angeklagten als die Angreifer zu erkennen. Wer sie geschubst haben soll, blieb offen.

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Opfer hatte Kontakte in rechtsextreme Szene

Die 18-Jährige, die sich zunächst als einfach politisch interessiert beschrieb, musste in der Befragung durch die Verteidigung zahlreiche Kontakte ins rechtsextreme Milieu und die Teilnahme an rechtsextremistischen Veranstaltungen einräumen.

Eine vom Gericht vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage lehnte die Staatsanwaltschaft ab. Im Prozess, für den noch zwei Verhandlungstage anberaumt wurden, wird es um die Frage gehen, wie glaubwürdig die Identifizierung der beiden Angeklagten vor Ort durch die Alfelderin war.

Vonseiten der Verteidigung besteht der Verdacht, in der Zeit, in der die Polizei die Personalien der Gruppe feststellte, hätte sie sich in Ruhe zwei Personen „aussuchen“ und ihre Erscheinung einprägen können, um sie dann zu beschuldigen.

Deshalb sollen neben einer Polizistin, die bereits am Montag aussagte, noch weitere Beamte über den Hergang der Befragung und der Personalienfeststellung aussagen. Auch der damalige, der rechtsextremistischen Szene im Nordharz angehörende Freund der Alfelderin und dessen Schwester, zu denen die 18-Jährige nach dem Vorfall mit der Bahn gefahren ist, sollen auf Antrag der Verteidigung aussagen.

Das Ausmaß der Verletzungen der 18-Jährigen muss ebenfalls noch geklärt werden. Sie hat bisher keine Atteste beigebracht, die ihre Aussage, sie habe unter anderem ein leichtes Schädel-Hirntrauma erlitten und zwei Tage im Krankenhaus zugebracht, belegen.

Die Verhandlung begann mit fünf Minuten Verspätung, weil die rund 20 Zuhörer, die offensichtlich fast alle Freunde der Angeklagten waren, sich einer Überprüfung mit Metalldetektorschleuse wie am Flughafen unterziehen mussten.

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