Projekt von Kriegsgräberfürsorge und Verein für Friedhofs- und Erinnerungskultur

Gedenkstätte am Weinberg erhält historische Erläuterungen

Die Gedenkstätte am Weinbergsweg.
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Die Gedenkstätte am Weinbergsweg: Vorn die als Kapelle gestaltete sogenannte Ehrenhalle, im Hintergrund die Steinmauer mit den Blöcken für niedersächsische und schlesische Einheiten sowie das Steinkreuz.

An der Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt am Weinberg in Northeim wird eine Tafel aufgestellt, die unter anderem den historischen Gesamtzusammenhang des Zweiten Weltkriegs sowie des Holocaust dargestellt.

Northeim – Wie der Vorsitzende des Vereins für Friedhofs- und Erinnerungskultur, Hans Harer, sagte, ist die Tafel ein gemeinsames Projekt des Vereins mit dem Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Die Tafel soll am Dienstag, 22. Juni, 11 Uhr enthüllt werden. Abends findet außerdem ab 19 Uhr in der Jugendherberge ein Vortrag von Prof. Rolf Wernstedt, ehemaliger Landtagspräsident und Landesvorsitzender des Volksbunds mit dem Thema „Die Gegenwart der Vergangenheit. Der 22. Juni 1941 in Deutschland und Russland“ statt. An diesem Tag begann der deutsche Angriff auf die Sowjetunion.

Wer an den Veranstaltungen teilnehmen will, kann sich beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge per Telefon unter 0531/ 49 93 0 oder E-Mail an braunschweig@volksbund.de anmelden. Teilnehmer brauchen einen aktuellen Schnelltest oder den Nachweis vollständiger Impfung.

Die Anlage am Weinberg, so heißt es in der Projektskizze, ist aus ihrer Entstehungszeit im Jahre 1954 zu verstehen. Heutige Besucher könnten ihre Formensprache nicht ohne Weiteres entschlüsseln. So verweise die festungsähnliche Gestaltung auf den Krieg und den Kampf der Soldaten hin, vermittele dabei aber einen defensiven Eindruck, der den aggressiven Charakter des deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges umdeute. Die neue Geschichts- und Erinnerungstafel werde deshalb auch die Umstände der Entstehung der Anlage am Weinberg schildern.

1954 wurden an der Innenseite der Umfassungsmauer zunächst 16 Blöcke mit den Bezeichnungen und Truppen-Emblemen von schlesischen und niedersächsischen Einheiten angebracht. In den Jahren 1966, 1968 und 1985 wurden vier weitere Blöcke zugefügt. Im Rahmen der Erweiterung 1985 bekam die Anlage als zusätzliche Widmung „Niedersachsen – Schlesien, Schicksalsverbunden aus schwerer Zeit“.

Eine zusätzliche Neuwidmung beschloss der Verwaltungsausschuss der Stadt Northeim zum 50. Jahrestag des Überfalls auf Polen, am 1. September 1989: Auf einer Bronzetafel steht seitdem „Gedenkstätte der Stadt Northeim für die Opfer von Krieg und Gewalt“.

„An die unzähligen (vor allem in den Ländern Osteuropas) gefallenen deutschen Soldaten und zivilen (deutschen) Opfer zu erinnern, ist die eine Seite“, heißt es in der Projektskizze. „Die Tausende Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion, die nach Northeim zur Zwangsarbeit deportiert wurden, und die vertriebenen und ermordeten Northeimer Juden die andere Seite dieses verheerenden Krieges, dessen entscheidende Phase vor 80 Jahren mit dem Überfall auf die Sowjetunion begann.“ Die Gedenkstätte müsse beides sichtbar machen. Daher sollen auf einer Landkarte Todesorte Northeimer Soldaten, ermordeter jüdischer Northeimer Bürger, Todesorte der Northeimer Opfer von Krankenmorden im Jahr 1941 und Geburtsorte von hier verstorbenen osteuropäischen Zwangsarbeitern zu sehen sein. (Olaf Weiss)

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