"Tankstellen-Räuber" muss Entzug machen

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Northeim. Weil er eine Tankstelle in Katlenburg-Lindau ausrauben wollte, wurde am Donnerstag ein 43-Jähriger vor dem Amtsgericht Northeim zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Am Neujahrstag 2014 bedrohte der Angeklagte, der zu diesem Zeitpunkt über drei Promille Alkohol im Blut hatte, die damals 30-jährige Kassiererin an der Tankstelle mit erhobener Faust. Dabei forderte er mehrfach Geld.

Vor dem Schöffengericht betonte der 43-Jährige, dass er nahezu keine Erinnerung an die Ereignisse in der Tankstelle habe. Ein Kollege habe ihn am Neujahrstag besucht und drei Flaschen klaren Schnaps mitgebracht. „Davon habe ich das Meiste getrunken“, sagte der Angeklagte, der bereits 30 Mal wegen gefährlicher Körperverletzung, Betruges und Diebstahls verurteilt worden war. Auf Nachfrage von Richter Arno Cardinal bestätigte er, dass er alkoholabhängig sei. „Bier reicht mir mittlerweile nicht mehr.“ Zwei 0,7-Liter Flaschen Wodka trinke er momentan täglich. Erst kürzlich habe sich seine Lebensgefährtin von ihm getrennt.

Laut der Verkäuferin kam der Hartz-IV-Empfänger in die Tankstelle und torkelte leicht. „Er hat ein Glas mit Bier in der Hand gehabt und hat es auf dem Tresen abgestellt.“ Dann forderte er Geld von der Verkäuferin und hob dabei die Faust. „Mir ist richtig schlecht geworden. Ich habe gedacht, dass vielleicht noch etwas Schlimmeres passieren könnte.“ Auch heute, ein Jahr nach der Tat, müsse die 31-Jährige, die jetzt in einer Bäckerei arbeitet, regelmäßig an den Tag denken - „immer, wenn ich abends die Kasse abschlage.“

Weil die Kassiererin seine Forderung mehrfach ablehnte, forderte er anstatt des Geldes Zigaretten. Zu Kunden in der Tankstelle rief er mehrfach, dass er die Tankstelle ausrauben will. Als die Verkäuferin schließlich zum Telefon greift und die Polizei ruft, griff der Angeklagte zwei Tüten Kartoffelchips und verließ die Tankstelle.

Ein 51-jähriger Rentner, der sich zu der Zeit ebenfalls in der Tankstelle befand, erinnerte sich: „Er ist rausgegangen und hat dabei rumgeschrien.“

Richter Cardinal folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteile den Angeklagten zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen versuchter Erpressung. Die Verteidigung forderte eine viermonatige Strafe. Zudem musste der 43-Jährige noch am Donnerstag mit einer stationären Alkohol-Entgiftungskur beginnen. Anschließend muss er sich einer Langzeittherapie unterziehen und eine Selbsthilfegruppe besuchen. Laut dem Richter lag eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund des Alkoholeinflusses vor. Bei der Bemessung der Strafe müsse man die vielen Vorstrafen beachten und auch die Tatsache, dass die Tankstellenverkäuferin schwere psychische Folgen durch die Tat erlitten hat.

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