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Tankstellen-Räuber im Raum Northeim geschockt über geringe Beute

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Von: Heidi Niemann

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Das Bild zeigt die Tankstelle in Hammenstedt bei Northeim
Wurde mehrfach überfallen: Die Tankstelle in Hammenstedt bei Northeim. © Axel Gödecke

Ein 34-jähriger Mann aus dem Südharz muss sich seit Mittwoch wegen mehrerer Tankstellenüberfälle vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Göttingen / Northeim – Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, zwischen November 2018 und November 2020 fünf Überfälle auf Tankstellen im Raum Northeim begangen zu haben. Dabei habe er insgesamt knapp 3200 Euro erbeutet.

Ein weiterer Überfall auf eine Tankstelle im Bad Lauterberger Ortsteil Barbis blieb laut Anklage im Versuchsstadium stecken.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass alle Taten von ein und demselben Täter begangen wurden. Der Ablauf war stets ähnlich: Der Täter betrat den Kassenraum der Tankstelle, bedrohte die allein anwesende Mitarbeiterin mit einer ungeladenen Schreckschusspistole, forderte Bargeld, verstaute es in einem schwarzen Adidas-Beutel und flüchtete.

Beim ersten Überfall im November 2018 war die Tankstelle in Hammenstedt betroffen, hier erbeutete der Täter rund 1000 Euro. Drei Wochen später überfiel ein Räuber die Tankstelle in Katlenburg – Beute knapp 700 Euro. Im März 2019 traf es erneut die Tankstelle in Hammenstedt – Beute rund 500 Euro. Sechs Tage später wurde die Tankstelle in Höckelheim überfallen, auch hier erbeutete der Täter rund 500 Euro. Im April 2019 der versuchte Raubüberfall auf die Tankstelle in Barbis und rund eineinhalb Jahre später kam es im November 2020 zu einem weiteren Überfall auf die Tankstelle in Katlenburg – Beute 480 Euro.

Zu Beginn der Verhandlung gab der Verteidiger für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Demnach räumt der 34-Jährige diesen letzten Überfall ein, zu den übrigen Anklagevorwürfen macht er keine Angaben. Er habe niemandem etwas Böses antun wollen und nur Geld im Sinn gehabt. Nach der Tat sei er geschockt gewesen, wie gering die Beute war. Er habe sich vorher keine Gedanken darüber gemacht, welche Folgen seine Tat für die Kassiererin haben könnte: „Es tut mir unendlich leid.“

Die Tankstellenmitarbeiterin hatte nach dem ersten Überfall nach eigenen Angaben ihre Stelle verloren, weil sie ständig Panikausbrüche bekam. Sie habe dann einige Monate woanders gearbeitet und sei anschließend wieder an ihren früheren Arbeitsplatz in der Tankstelle zurückgekehrt. Rund ein Jahr später musste sie dann den zweiten Überfall durchleben.

Laut der Kassiererin hatte sie bei dem zweiten Überfall den Täter sofort erkannt, weil dieser ein regelmäßiger Kunde sei. „Ich wusste, wer‘s ist, kannte aber seinen Namen nicht.“ Sie habe dann auf Instagram ein Foto von ihm gefunden, das sie auch der Polizei gezeigt habe. Ob der Mann auch den ersten Überfall begangen hat, könne sie nicht sagen. Der damalige Täter habe ruhiger und professioneller gewirkt.

Nach dem zweiten Überfall waren die psychischen Folgen so gravierend, dass sie endgültig ihre Arbeit aufgeben musste. Sie habe bei jedem männlichen Kunden Herzrasen bekommen, sagte sie. Außerdem habe sie seitdem Angst im Dunkeln: „Selbst wenn ich abends den Müll rausbringe, habe ich Angst.“ Der Prozess wird sich wohl bis in den Januar erstrecken.  (Heidi Niemann/pid)

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