Firmen lernen von Forschern

Technologieberatung: Snic bietet kostenloses Angebot für kleine Betriebe in Northeim

Zwei Männer in Anzügen betrachten in einem kleinen Saal kleine Holzblöcke, im Hintergrund sind verteilt weitere Menschen.
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Popcornplatten als Schalldämm-Material: Die Idee dazu hatte Prof. Dr. Alireza Kharazipour (links) von der Uni Göttingen, der hier sein Produkt (rechts) bei einem Praxis-Forum interessierten Unternehmern vorstellte.

Eine Erfolgsgeschichte wird fortgesetzt: Die kostenlose Technologieberatung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) durch den Südniedersachsen Innovations Campus (Snic) ist jetzt dank der Fortsetzung der EU-Förderung in eine neue zweijährige Förderperiode gestartet.

Northeim – Seit Beginn der Beratung im Oktober 2016 wurden in Unternehmen in den Kreisen Northeim und Göttingen bereits 320 Kooperationsansätze für neue Produkte oder Dienstleistungen identifiziert, betont Florian Renneberg, Leiter der in Göttingen beheimateten Snic-Geschäftsstelle. Davon befinden sich 96 im Kreis Northeim. 85 Fälle, und davon 24 im Kreis Northeim, befänden sich in Umsetzung oder seien bereits abgeschlossen.

Die Technologieberatung sei ein großer Gewinn für die Region und bilde eine optimale Ergänzung zu den Angeboten der Wirtschaftsförderungen, ergänzt Karin Friese, Prokuristin der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG), die mit den Wirtschaftsförderungsstelle des Landkreises Northeim und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen den Antrag auf Weiterförderung bei der N-Bank gestellt hatte.

Den Kern der Technologieberatung stellen die beiden Technologieberater für die beiden Landkreise Northeim und Göttingen. Sie gehen gezielt auf Unternehmen zu und fragen zum Beispiel, ob sie Ideen umsetzen wollen. Ziel ist es dann, Kontakte zu Partnerhochschulen des Südniedersachsen Innovations Campus, zu Forschungseinrichtungen und anderen Unternehmen zu vermitteln. Dabei geht es darum, neues Wissen aus der Forschung zu den Unternehmen zu bringen. Zudem unterstützen die Berater Unternehmen, wenn es darum geht, an Fördergeld für die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen heranzukommen.

„Auch im Kreis Northeim hat sich die Technologieberatung bei der Ideenfindung und Umsetzung innovativer Technologien zu einem unverzichtbaren Partner für die Unternehmen entwickelt,“ betont Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Profitiert davon hat beispielsweise auch schon die Düderoder Firma Opitz-Maschinentechnik.

Legale Spione an den Hochschulen

Zu den Erfolgsfaktoren des Technologie-Beratungskonzepts, das der Südniedersachsen Innovation Campus (Snic) seit 2016 anbietet, zählt nach den Worten seines Geschäftsführers, Florian Renneberg, auch das Zusammenspiel mit den Snic-Innovationsscouts an den südniedersächsischen Hochschulen.

Davon gebe es zwei an der Uni Göttingen und je einen an der Technischen Universität Clausthal sowie an der Hochschule für anerkannte und an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Die Scouts, sind an den jeweiligen Hochschulen angestellt, werden aber von der Technologieberatung des SNIC mit finanziert. Sie suchen in ihren jeweiligen Einrichtungen und darüber hinaus nach Forschungsergebnissen, die sich für den Transfer in die regionale Wirtschaft eignen und vielleicht irgendwann einmal in den Produktionslinien der Unternehmen umgesetzt werden können. Sie sind damit quasi legale Spione zum Wohl der Forscher und der Unternehmen.

Als eines der jüngsten Beispiele für eine solche Kooperation nennt Renneberg ein Projekt des Hattorfer Büroausstatters „ergopanel“ und der Universität Göttingen. Darin erforschen die Partner, inwieweit Popcorn als Schallisolationsmaterial für Trennwände oder schallmindernde Wand- beziehungsweise Decken-Paneele in Büros dienen kann.

Florian Renneberg, Snic-Geschäftsführer

Die Idee stamme von Prof. Dr. Alireza Kharazipour von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie. Nutznießer der Idee in der Umsetzung in produktionsreife Produkte könnte die Firma „ergopanel“ sein, die seit 2011 in Hattorf Elemente zur Raumgliederung und Akkustikdämmung hauptsächlich für Büros produziert. Deren Vorstandsvorsitzender Thomas Weilandt: „Wir hatten von der Idee an der Göttinger Uni gehört und wir sind immer auf der Suche nach nachhaltigen Rohstoffen für den Einsatz in der Produktion.“ Der Kontakt zur Uni sei über die Wirtschaftsförderung des Landkreises entstanden. Und so kam auch die Technologieberatung des Snic ins Spiel. „Derzeit testen wir gemeinsam mit der TU Clausthal und der Uni in Göttingen, wie sich das neue Material einsetzen lässt und vor allem, welche Güteklasse es beim Einsatz hat. Das heißt, wir müssen herausfinden, wie hoch die Schall-Absorption ist.“ Bislang produziert das Unternehmen seine Elemente hauptsächlich aus Schaumstoff-Material.

Erfolgreich von der Technologieberatung des Snic betreut worden ist laut Rennberg auch schon die Firma Opitz-Maschinentechnik in Düderode, die ebenfalls mit der TU Clausthal und der Uni Göttingen in der erfolgreichen Produktentwicklung kooperiert hat. Sie produziert mit 35 Mitarbeitern für ihre Kunden in aller Welt maßgeschneiderte Verpackungsmaschinen und wurde auch bereits mit einem südniedersächsischen Innovationspreis ausgezeichnet.

Was ist der Snic?

Snic steht für Südniedersachsen Innovations Campus. Der 2015 unter dem Dach der Südniedersachsenstiftung gegründete Verbund, in dem die Kreise (Northeim, Göttingen, Goslar, Holzminden), die vier Hochschulen der Region (Uni und PFH Göttingen, TU Clausthal, HAWK), Handwerk und IHK vertreten sind, hat das Ziel, Wissenschaft und Wirtschaft zu vernetzen, Innovationen und Firmengründungen zu unterstützen und die Attraktivität der Region für Fachkräfte zu erhöhen. (Axel Gödecke)

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