Theologie-Professor: Kirche verkauft Reformations-Jubiläum langweilig

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Gastgeber und der Kritiker: Beim Generalkonvent in Northeim begrüßten Landessuperintendent Eckhard Gorka (links) und Bischof Ralf Meister (rechts) Theologieprofessor Thomas Kaufmann. 

Northeim. Der Göttinger Theologieprofessor Thomas Kaufmann hat die Vorbereitungen zum anstehenden 500-jährigen Reformationsjubiläum kritisiert. Die Vermittlung von einem wissenschaftlichem Reformationsbild für die allgemeine Öffentlichkeit sei gescheitert.

Das sagte der evangelische Theologe am Mittwoch beim Generalkonvent des Sprengels Hildesheim-Göttingen in Northeim. Die Evangelische Kirche in Deutschland sei weder willens noch imstande, eine differenzierte und „nicht langweilige Perspektive“ auf die Reformation zu werfen, so der Professor.

Von vornherein hätten die Initiatoren zwischen drei Aspekten unterscheiden müssen, betonte Kaufmann: Die Reformation zu erforschen, ihrer zu gedenken und sie schließlich zu feiern.

Laien-Aspekt kaum gewürdigt

In einem öffentlichen Gedenken hätte etwa die Idee des allgemeinen Priestertums der Gläubigen und die erstmalige Beteiligung von Laien in der Kirche Interesse für die Reformation wecken können, betonte Kaufmann. Diese Bewegung habe viele andere Reforminitiativen für Laien begründet. „In Gestalt bestimmter Wahlrechte in Kirchenversammlungen, durch Mitbeteiligung an der Verteilung der Gelder nahmen Laien schon im konfessionellen Zeitalter (Zeitalter der Glaubensspaltung etwa von 1540 bis zum Westfälischen Frieden 1648, Anm d. Red.) aktiver an Aufgaben der kirchlichen Verwaltung teil, als dies in der Regel vor der Reformation möglich gewesen war.“

Die Bibelübersetzung Martin Luthers habe zudem eine gewaltige Zahl an nationalsprachlichen europäischen Bibelübersetzungen angeregt, die als Folge der Reformation erschienen seien. Die kulturelle Vielfalt Europas wurzele in Entwicklungen, die mit der Reformation zusammenhingen.

Spaltung nicht verursacht

Die Reformation habe die Spaltung Europas nicht verursacht, wie zuletzt katholische Historiker und Theologen behaupteten, sondern diese Entwicklung eher beschleunigt, betonte Kaufmann. „Die Einheit des sogenannten christlichen Abendlandes war schon um 1500 ein ideologisches Konstrukt.“

Die evangelische Kirche erinnert im kommenden Jahr an die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther (1483-1546). Sein Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 in Wittenberg gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation.

Zum Generalkonvent waren 320 Pastorinnen und Pastoren gekommen. Der Sprengel Hildesheim-Göttingen erstreckt sich von Hann. Münden bis nach Peine und vom Harz bis an die Weser. Er umfasst neun Kirchenkreise mit rund 500 000 Mitgliedern in etwa 390 Gemeinden. (epd)

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