Rast in Northeim

Therapeut aus Northeim bringt per Rad Protestbriefe nach Berlin

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Rast in Northeim: Der radelnde Protest-Briefbote und Physiotherapeut Heiko Schneider mit seinem beiden Kollegen Volker Brünger (links) und Jens Ulhorn. Ganz rechts CDU-Bundestagsabgeordneter Roy Kühne, der die Aktion unterstützt. Foto: Gödecke

Northeim. Unter dem Motto "Therapie am Limit" ist Phyiotherapeut Heiko Schneider  mit dem Fahrrad auf Protest-Tour quer durch Deutschland.

250 Kilometer auf dem Rad hat er nach dem Start in Frankfurt schon hinter sich. 270 weitere sollen nach einem Ruhetag in Northeim in fünf Etappen noch folgen, dann hat Physiotherapeut Heiko Schneider sein Ziel Berlin erreicht. Im Gepäck hat er über 800 Protestbriefe, auch von Therapeuten aus ganz Deutschland. Und die möchte er den Politikern in der Hauptstadt medienwirksam überbringen.

Alle, die dem Frankfurter geschrieben haben, haben Angst um ihre Existenz, weil ihr Verdienst vorn und hinten nicht fürs Überleben reicht. Und weil es deswegen auch kaum noch Nachwuchs im Beruf gibt.

25.000 Therapeuten fehlen

„Bereits jetzt fehlen bundesweit 25 000 Therapeuten, und es werden mehr“, beklagt der radelnde Physio-Mann, der für seine Aktion immer mehr Unterstützung erhält.

Viele Einzelpersonen, aber auch Firmen haben er und seine Unterstützer, darunter die Physiotherapeuten Volker Brünger aus Porta Westfalica und Jens Uhlhorn aus Bremen, die Schneider etappenweise begleiten, als Tour-Sponsoren bereits mit im Boot.

Auch das eigens für die Tour angeschaffte Rennrad wurde über einen Sponsor finanziert. „Das könnte ich mir sonst nicht leisten“, fährt Schneider fort, denn er selbst sei mit seiner Physio-Praxis in Frankfurt insolvenzgefährdet. „Früher hatte ich sieben Mitarbeiter, heute bin ich Einzelkämpfer.“

Angefangen hatte alles mit einem Brandbrief, den Heiko Schneider am 23. März 2018 an die Politik und Krankenkassen geschrieben und auch übers Netz verbreitet hat. In dem hatte er die zum Teil verheerenden Bedingungen der Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten beschrieben.

Schlechte Vergütung

Grund seien vor allem die schlechten Vergütungen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Junge Therapeuten werfen deshalb frühzeitig das Handtuch. Neue kommen kaum nach, weil auch das Schulgeld, das die Azubis selbst für ihre Ausbildung zahlen müssten, trotz Versprechungen der Bundesregierung immer noch nicht abgeschafft sei.

Von der mit den Krankenkassen vereinbarten Vergütungsanhebung um jeweils zehn Prozent über drei Jahre komme kaum etwas bei den Therapeuten an, weil bei den Behandlungszahlen gekürzt werde.

Bei seiner Rast mit Übernachtung in Northeim wurde der radelnde Protest-Briefbote Schneider vom Northeimer CDU-Bundestagsabgeordneten Roy Kühne betreut, der sich seit Jahren für eine bessere Bezahlung der Therapeuten einsetzt.

„Ein Physiotherapeut, der Menschen repariert, verdient im Monat durchschnittlich 2078 Euro, ein KFZ-Mechatroniker mit 3700 Euro fast das Doppelte. Das zeigt das ganze Ausmaß der Ungerechtigkeit“, sagt Kühne.

Auf Schneiders letzter Etappe am 5. Juni von Potsdam nach Berlin will der Northeimer CDU-Politiker selbst mitradeln. 

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