Tagung des Kirchensprengels

Ex-Bundestagspräsident Thierse: „Kirche ist Lobbyist für Ausgegrenzte“

Sprach vor 280 Pastoren in Northeim: Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse  (SPD). Foto: Gödecke

Northeim. „Angst, Macht und Mut“, so lautete das Thema des Generalkonvents des evangelischen Sprengels Göttingen-Hildesheim, zu dem sich am Mittwoch 280 Pastoren aus Südniedersachsen zum wiederholten Mal in Northeim trafen. Prominenter Referent war Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.

Der SPD-Politiker und überzeugte Katholik ging insbesondere auf den Machtbegriff ein. In Zeiten vor der friedlichen Demonstration in der DDR habe er Angst vor der Macht gehabt, gab er zu, doch das habe sich später mit seinem Eintritt in die Politik geändert.

Macht definierte Thierse als Befugnis, Entscheidungen zu treffen, die Folgen auch für andere haben. Und beim Treffen von Entscheidungen in der Politik, vor allem in die öffentliche Debatte davor, sollten sich Christen und die Kirchen einmischen. Thierse: „Die Kirche ist im wohlverstandenen Sinne Lobbyist für die Ausgegrenzten, Armen und Stimmenlosen.“

Nicht gefragt seien dabei Kompromissvorschläge. „Politiker wollen etwas haben, an dem sie sich abarbeiten können.“ Thierse nannte drei Themen, bei denen sich Kirche im demokratischen Entscheidungsprozess einmischen sollte: Wenn es um den inneren und äußeren Frieden geht, wenn es um die Verteidigung des Sozialstaates und wenn es um Fragen der menschlichen Würde geht.

Mehr dem Begriff Angst widmete sich der zweite Referent, Professor Dr. Werner Greve, Leiter des Instituts für Psychologie an der Uni Hildesheim. Er sprach unter anderem von kluger Angst, die Menschen und damit auch Politikern ein Kompass sein könne. Aus Angst heraus könne Mut erwachsen. Das habe sich in den Tagen im Vorfeld und während der friedlichen Revolution in der DDR gezeigt.

Landessuperintendent Eckhard Gorka und sein Pressereferent Karl-Otto Scholz hatten zu Beginn der Tagung, die mit einem Gottesdienst in der Sixti-Kirche begann, die Stadt Northeim und ihre Stadthalle gelobt. Die Bedingungen in Northeim seien einfach ideal. Scholz „Wir würden uns wünschen, dass die Stadthalle erhalten bleibt, dann kommen wir jedes Jahr wieder.“

In ihrer Tagung widmeten sich die Pastoren auch Personalfragen. So verdeutlichte die Personalchefin des Landeskirchenamts, Dr. Nicola Wendenburg, dass ein Pastorenmangel drohe. Von den 1820 Pastorinnen und Pastoren in der Landeskirche Hannover würden jährlich 100 in den Ruhestand gehen. Dem stehe ein Reservoir von nur 35 fertigen Theologiestudenten gegenüber. Insgesamt gebe es im Land nur 250 Studierende im Fach evangelische Theologie. Mehr Werbung für den Pastorenberuf sei nötig. „Wer Theologie studiert hat, für den gibt es eine Jobgarantie.“ (goe)

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