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Thimm in Northeim strukturiert um und baut auf wachsenden Konsum

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Von: Axel Gödecke

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Die Thimm-Gruppe hat ihren Sitz in Northeim. Das Archivbild zeigt vorn rechts die Verwaltung und oben die Hallen für die Wellpappeproduktion des Standorts Northeim.
Die Thimm-Gruppe hat ihren Sitz in Northeim. Das Archivbild zeigt vorn rechts die Verwaltung und oben die Hallen für die Wellpappeproduktion des Standorts Northeim. © Hubert Jelinek

Die Thimm-Gruppe mit Sitz in Northeim stellt sich neu auf und investiert europaweit 400 Millionen Euro über fünf Jahre.

Northeim – Die Thimm-Gruppe mit Hauptsitz in Northeim hat das Geschäftsjahr 2021 trotz coronabedingter Herausforderungen sehr solide abgeschlossen, heißt es vom Unternehmen. Der Umsatz sei deutlich von 605 auf 698 Millionen Euro gestiegen. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen war jedoch mit 51,3 Millionen Euro leicht rückläufig (2020: 56,7 Millionen Euro). Die Anzahl der Mitarbeiter an den 21 Standorten der Gruppe in Deutschland, Frankreich, Polen, Rumänien und Tschechien habe sich auf 3626 erhöht, darunter 118 Auszubildende. Mathias Schliep, Vorsitzender der Geschäftsführung: „Durch vorausschauendes Handeln konnten wir in der gesamten Gruppe negative Auswirkungen der Pandemie auf den wirtschaftlichen Erfolg minimieren.“

Die Verpackungswerke des Geschäftsbereichs Thimm pack’n’display hätten auch 2021 aufgrund weiter hoher Konsumnachfrage während der Pandemie ein starkes Absatzwachstum verzeichnet, so Schliep. Insbesondere Versandverpackungen für den wachsenden Internethandel hätten dafür gesorgt.

Drastische Preiserhöhungen für Papier und stark gestiegenen Energie- und Logistikpreise hätten jedoch einen enormen Kostendruck erzeugt, der nur zum Teil an die Kunden weitergereicht werden konnte. Der Geschäftsbereich Christiansen Print habe seine Ergebnissituation 2021 deutlich verbessert.

Ausschlaggebend dafür seien der Digitaldruck und die Digitalisierungsstrategie. Aufgrund der Verdopplung des Absatzes habe man eine durchgehend dreischichtige Produktion eingeführt. Der Bereich Thimm Packaging Systems, der auf Multimaterial-Verpackungen für Industriegüter spezialisiert ist, habe die 2019 erworbenen Standorte Serba (Thüringen) und Viernheim (Hessen) vollständig integriert, die Reorganisation sei abgeschlossen, man habe die Produktpalette deutlich erweitert. Die Thimm-Gruppe stellt sich im Verlauf des Jahres 2022 in ihrer Struktur und personell neu auf, heißt es weiter. Vor dem Hintergrund der weiter hohen Nachfrage nach innovativen und nachhaltigen Verpackungslösungen richte sich das Unternehmen verstärkt auf die Konsumgüterindustrie aus.

Um der wachsenden Nachfrage nach Transport- und vor allem Verkaufsverpackungen gerecht zu werden, plane man ein beachtliches Investitionsprogramm. So sollen in den nächsten fünf Jahren 400 Millionen Euro in die Automatisierung, Modernisierung und den Ausbau aller Standorte investiert werden.

Außerdem treibe das Unternehmen die Digitalisierung weiter voran, um die Verfügbarkeit und Kapazität des Maschinenparks zu erhöhen und interne Prozesse zu optimieren. Zudem vernetze sich die Gruppe noch stärker über autonome Prozesse mit Kunden und Lieferanten. So könnten kürzeste Lieferzeiten und kleinstmögliche Bestellmengen realisiert werden. Schliep: „Bis 2030 wollen wir unseren Umsatz noch einmal verdoppeln. Dafür werden wir uns lokal und in Europa stärker engagieren.“

Führungswechsel bei Thimm: Die Geschäftsführung mit von links: Holger Dunker (CFO), Kornelius Thimm (neuer CEO) und Mathias Schliep (alter CEO).
Führungswechsel bei Thimm: Die Geschäftsführung mit von links: Holger Dunker (CFO), Kornelius Thimm (neuer CEO) und Mathias Schliep (alter CEO). © Thimm / nh

Aber auch im Industriegüterbereich wolle man sich neu aufstellen, insbesondere im weltweit agierenden Automobilsektor. Um hier weiter wachsen zu können, müsse dieser Bereich künftig unabhängig von den Aktivitäten in der Konsumgüterindustrie handeln. Deshalb werde Thimm den Industriegüterbereich separat weiterentwickeln und sich für Kooperationen öffnen.

Wechsel in Geschäftsführung

Mit dem neuen strategischen Fokus strukturiert Thimm auch die Führungsmannschaft neu. Mathias Schliep werde planmäßig mit Ablauf seines 60. Lebensjahres die Rolle des Hauptgeschäftsführers der Gruppe zum 1. Juli 2022 an Kornelius Thimm (45) weitergeben. In den 23 Jahren seiner Arbeit an der Spitze der Gruppe sei das Familienunternehmen stark gewachsen und habe sich zum führenden Lösungsanbieter für Verpackung in Europa entwickelt, heißt es vom Unternehmen selbst. Schliep werde der Thimm- Gruppe in seiner Funktion als Verwaltungsrat aber weiter begleiten. Kornelius Thimm war in den vergangenen fünf Jahren an der Seite von Schliep tätig und wird die Thimm-Gruppe als Geschäftsführer gemeinsam mit Holger Dunker (kaufmännischer Geschäftsführer) führen.

Erweiterung in Northeim weiter im Visier - wo steht noch nicht fest

Am Standort Northeim sind bei Thimm laut Sprecherin Valerie Hornig 562 Mitarbeiter beschäftigt, zwölf mehr als im Vorjahr. Darunter sind 40 Auszubildende (einige Ausbildungsstellen für August sind noch zu vergeben). Von dem 400-Millionen-Euro-Investitionspaket der Gruppe soll auch ein beträchtlicher Teil in den Standort Northeim fließen, allein vier Millionen Euro seien für 2022 unter anderem für neue Maschinen geplant. Weiter im Visier sei die Standorterweiterung zur Ausweitung von Produktion und Logistik in Northeim. Neben dem Gelände im Industriegebiet-West gebe es auch Pläne für andere Flächen. Man sei im Gespräch mit der Stadt.

Trotz drohender Kotensteigerungen optimistisch in Zukunft

Und der Ausblick? Die Herausforderungen seien groß, heißt es vom Unternehmen. Ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine würden die Kosten für Energie, Rohstoffe, Frachten und Logistik weiter erheblich steigen. Eine konkrete Prognose sei aber nicht möglich. „Aber unser Unternehmen ist gut aufgestellt“, sagt Kornelius Thimm. Wellpappeverpackungen blieben wichtig für die Aufrechterhaltung von Lieferketten, nicht nur für die Lebensmittelindustrie. (Axel Gödecke)

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