Kein Platz in Praxen

„Blinder Aktionismus“: Tierärzte sehen Beteiligung an Corona-Impfungen kritisch

Impfen gegen das Corona-Virus: Ab sofort sind mehr mobile Teams im Einsatz.
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Impfen gegen das Corona-Virus: Ab sofort sind mehr mobile Teams im Einsatz. (Symbolbild)

Der Möglichkeit, künftig Corona-Impfungen anzubieten, stehen die Tierärzte im Landkreis Northeim kritisch gegenüber.

Northeim – Der Möglichkeit, künftig auch Schutzimpfungen gegen Covid-19-Infektionen in den eigenen Praxen anbieten zu können, stehen die Tierärzte der Region skeptisch gegenüber. „Die dafür notwendigen räumlichen Möglichkeiten sind in den meisten Tierarztpraxen nicht gegeben“, sagt Dr. Alexandra Diekgerdes, Kreisstellenvorsitzende der Tierärzteschaft Northeim auf HNA-Anfrage.

Wie die meisten ihrer Kollegen sieht sie insbesondere in der Tatsache ein Problem, dass ausreichende Abstände und die Beobachtungszeit von 15 bis 20 Minuten nach der Impfung gewährleistet werden müssten. „Außerdem bräuchten wir in den Tierarztpraxen geschultes Personal und müssten uns eine entsprechende Software anschaffen, um die entsprechenden Daten zu speichern, weiterzuleiten und eine Abrechnung zu gestalten.“ Darüber hinaus spielten die zeitlichen Kapazitäten eine große Rolle, betont Diekgerdes und gibt zu bedenken, dass die Tierarztpraxen seit Beginn der Pandemie weitaus mehr ausgelastet seien als vorher.

Corona-Impfung beim Tierarzt: Haftung unklar

„Hintergrund ist, dass sich viele Menschen während Lockdown und Homeoffice ein Tier angeschafft haben, und dass viele Praxen keine Neukunden mehr annehmen können, weil sie keine Behandlungstermine mehr haben“, beschreibt sie die aktuelle Situation.

Ungeklärt sei darüber hinaus auch die Frage der Haftung. „Was passiert denn, wenn ein Geimpfter einen anaphylaktischen Schock erleidet? Sind Tierärzte und auch Apotheker in so einem Moment nicht überfordert?“, fragt Diekgerdes. Dieses Risiko sei auf jeden Fall nicht zu unterschätzen.

Dr. Alexandra Diekgerdes

Corona-Impfung: Tierärzte könnten in Impfzentren einspringen

Eine Möglichkeit sei vielleicht, dass Tierärzte, die zeitliche Kapazitäten haben, in Impfzentren oder in Arztpraxen mit entsprechender Vergütung impfen.

Insgesamt bewertet Diekgerdes die Thematik, dass jetzt auch Tierärzte und auch Apotheker impfen sollen, als „blinden Aktionismus“ der Politik. „Wenn wirklich alle Hausärzte impfen würden, hätten wir mit Sicherheit eine ausreichende Impfauslastung“, ist sie überzeugt. (Niko Mönkemeyer)

Derweil haben die Kinderärzte und Hausärzte im Landkreis Northeim mit den Corona-Impfungen von Kindern im Alter zwischen 5 und 11 Jahren begonnen.

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