Hundegestützte Pädagogik

Tierische Hilfe: Nala und Teddy sind Schulhunde an der Northeimer Erich-Kästner-Schule

Schulhund Nala und Lehrerin Sandra Schöttler
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Nicht nur zum Kuscheln gut: Schulhündin Nala unterstützt ihr Frauchen, die Lehrerin Sandra Schöttler, beim Unterricht an der Erich-Kästner-Schule in Northeim.

Mittwoch ist für die Schüler der Klassen 2SR und 7b der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Northeim das Highlight der Woche, denn Nala und Teddy kommen wieder in die Schule.

Northeim – Nala ist die ein Jahr alte Bernersennen-Bordercollie-Mischlingshündin von Lehrerin Sandra Schöttler, die seit Dezember vergangenen Jahres ausgebildeter Schulhund ist. Die neugierige, verspielte Hündin ist zwar manchmal noch etwas ungestüm, geht aber offen auf Menschen zu und schließt sie direkt in ihr Herz – vor allem Kinder haben es ihr angetan.

„Durch ihr offenes Wesen ist sie perfekt als Schulhund geeignet“, sagt Sandra Schöttler. In der Sprachförderklasse unterstützt Nala die Schüler beim Lesen, Schreiben und Rechnen, indem sie zum Beispiel das Glücksrad dreht, auf dem verschiedene Aufgaben stehen, oder würfelt – die Kinder sollen dann Wörter mit der gewürfelten Zahl an Silben finden.

„Die Motivation ist ganz anders, wenn Nala da ist“, sagt die 43-Jährige. Am liebsten wollen alle gleichzeitig mit ihr Kommandos üben und sie streicheln.

Regeln für den Umgang mit den Hunden

Damit das nicht passiert und die junge Hündin nicht überfordert wird, hat die Klasse gemeinsame Regeln festgelegt: „Der Hund wird immer nur von einem Kind gestreichelt“ und „Ich renne dem Hund nicht hinterher, sondern warte, bis er zu mir kommt“ zum Beispiel. Wenn es Nala zu viel wird, legt sie sich auf ihren Platz. Die Kinder wissen dann, dass das Tier in Ruhe gelassen werden möchte.

Schulhund und Teddy unterstützt sein Frauchen, die Lehrerin Jana Torazza, beim Unterricht an der Erich-Kästner-Schule in Northeim.

Seit den Osterferien gibt es an der Förderschule noch einen zweiten Schulhund: den Labrador-Bordercollie-Mischling Teddy. Der fast ein Jahr alte Rüde von Lehrerin Jana Torazza ist genauso verspielt und aufgeweckt wie seine tierische Kollegin, macht für Futter fast alles und ist sehr neugierig, manchmal aber noch etwas zurückhaltend. Teddy ist noch in der Ausbildung, begleitet sein Frauchen in die Klasse 7b und hilft dort unter anderem beim Englischlernen.

Vielseitig einsetzbar

„Hundegestützte Pädagogik“ nennt sich das Konzept, das auf der Homepage der EKS nachgelesen werden kann. Studien zufolge soll die Anwesenheit eines Schulhundes einen positiven Effekt auf verschiedene Faktoren und Entwicklungsbereiche haben. Zum Beispiel werde durch die bedingungslose Annahme und die Unvoreingenommenheit des Hundes gegenüber den Schülern ihr Selbstwertgefühl gesteigert. Außerdem entwickelten sie durch das Versorgen der Hunde und das Einhalten der Regeln Verantwortungsbewusstsein.

„Die Hunde sind vielseitig einsetzbar“, sagt Jana Torazza. Sie habe schon Schüler mit sprachlichen Problemen erlebt, die sich sehr schwergetan hätten, mit Lehrern und Mitschülern zu reden. Die Kommunikation mit Teddy sei ihnen hingegen deutlich leichter gefallen.

Individuelle Wirkung

Auch das Gemüt der Hunde wirke sich auf die Kinder aus: Ist der Hund entspannt, sind es auch die Kinder, so die Lehrerinnen, die mit dem Schwerpunkt Sprache und Lernen unterrichten. Zudem haben sie beobachtet, dass die Schüler in den Pausen weniger am Handy sind, wenn die Hunde da sind – sie beschäftigen sich dann mit ihnen und auch miteinander.

Die Wirkung sei individuell: „Nicht jedes Kind lässt sich auf den Hund ein. Es ist ein Angebot, bei dem die Schüler selbst die Intensität des Kontaktes bestimmen“, sagt Sandra Schöttler.

Die Ausbildung haben beide Lehrerinnen selbst in die Wege geleitet und bezahlt. Zwischen 1500 und 2000 Euro hat Sandra Schöttler für den Kurs bezahlt und einige ihrer freien Wochenenden geopfert. Es war ihr jedoch eine Herzensangelegenheit. Sie habe schon immer gesagt:

Der Charakter ist entscheidend

„Wenn ich mir einen Hund anschaffe, dann möchte ich ihn auch mit in die Schule nehmen.“ Bei Schulleiterin Gudula Grüger, die selbst Hundebesitzerin ist, ist sie damit auf offene Ohren gestoßen. Um Schulhund werden zu können, komme es weniger auf die Rasse als vielmehr auf den Charakter an. „Vom Chihuahua bis zur Deutschen Dogge war alles dabei“, sagt Sandra Schöttler.

Momentan kommen beide Hunde einmal in der Woche für vier Stunden in die Schule. Ihr Besuch beschränkt sich noch auf die Klassen 2SR und 7b. Für die Zukunft überlegen die beiden 43-Jährigen aber, zum Beispiel eine AG anzubieten, an der auch Kinder anderer Klassen teilnehmen können. (Lea-Sophie Mollus)

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