Kein geeignetes Mittel gegen Streuner

Tierschützer: Steuer für Katzen wäre ungerecht

Katzensteuer? Für die Tierschützer kein umsetzbarer Vorschlag. Archiv-Foto: nh

Northeim. Die Einführung einer Katzensteuer ist aus Sicht des Tierschutzvereins Northeim nicht geeignet, um etwas gegen die streunenden Hauskatzen zu unternehmen.

„Die meisten Katzen, die bei uns landen, sind weder gechipt noch tätowiert“, sagt Vorsitzende Sabine Wiedersatz. „Wie will man da die Tiere ihren Besitzern zuordnen?“, fragt sie und verweist auf eine aktuelle Pressemitteilung des niedersächsischen Landesverbandes zu diesem Thema.

Darin betont Pressesprecher Rolf Scherer, dass eine gerechte Besteuerung aufgrund der Lebensgewohnheiten der Tiere nicht zu gewährleisten sei. Insbesondere die sogenannten Freigänger-Katzen ließen sich nicht mit einem vertretbaren Verwaltungsaufwand erfassen. Außerdem gebe es viele Katzen, die ausnahmslos in Wohnungen gehalten werden.

Ob Deutschland eine Katzensteuer braucht - diese Debatte ausgelöst hatte eine Äußerung des Bundessprechers der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, der auf Anfrage der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Steuer nicht ablehnte, sondern sagte, man brauche dafür erst mal mehr Informationen.

„Da sich Hauskatzen bei ihren Streifzügen leider nicht an Gemeinde- und Landesgrenzen halten, käme man um eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht nicht herum“, schreibt Landesverbandssprecher Scherer und fügt hinzu, dass bundesweit etwa 12,9 Millionen Katzen in Haushalten leben.

Umgerechnet auf die Einwohnerzahl könne man also von 1,3 Millionen Hauskatzen in Niedersachsen ausgehen - mit steigender Tendenz.

In Niedersachsen seien lediglich 379 000 Tiere in den Haustierregistern registriert, davon 71 000 als nicht kastriert. Allein dieses Verhältnis mache deutlich, dass mangelndes Verantwortungsbewusstsein bei vielen Katzenbesitzern die eigentliche Ursache für die steigende Zahl streunender Katzen sei.

Die von der Jägerschaft in diesem Zusammenhang geforderte Kastrationspflicht für freilaufende Katzen sei daher zu begrüßen. Den Abschuss von streunenden Katzen lehnt Scherer allerdings entschieden ab.

Nicht die Hauskatze sei eine Bedrohung der Artenvielfalt, sagt Scherer, sondern das Fehlen von Bäumen, Sträuchern und Hecken sowie der Einsatz von Pestiziden und das Anlegen von Monokulturen.

Nach Einschätzung des Northeimer Kreisjägermeisters Dietmar Grüning wäre eine Katzensteuer ein „Papiertiger“, der in Bezug auf die Reduzierung der Katzenbestände nichts bringen würde. Die sind nach seiner Überzeugung sehr wohl eine Bedrohung für die Natur. „Das Einfangen und Kastrieren sowie eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen ist hier die beste Lösung“, meint Grüning.

In der Nörtener Gemeindeverwaltung hat man sich mit der Katzensteuer bislang noch nicht beschäftigt. Nach Einschätzung von Bürgermeisterin Susanne Glombitza wäre die vermutlich mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. „Ich glaube nicht, dass eine solche Steuer praktikabel wäre, weil Katzen ihren Besitzern nicht so einfach zugeordnet werden können wie Hunde.“

Für Michael Kaiser, Bürgermeister der Stadt Hardegsen, ist die Katzensteuer kein Thema. Er befürchtet einen nicht zu rechtfertigenden Verwaltungsaufwand. „Wir müssten ja dann herausfinden, welche freilaufende Katze wem gehört“, sagt er. Außerdem sieht er keine Möglichkeit, wie man diese Steuer gegenüber den Katzenhaltern begründen könnte.

Im Uslarer Rathaus hat man sich bislang ebenfalls noch keine Gedanken die Katzensteuer gemacht. "Weil überhaupt nicht sicher ist, dass sie eingeführt wird", so Kämmerer Sven Borchert. (nik)

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