Tierwohl wird nicht honoriert

Landvolk zieht ernüchternde Bilanz für Schweinehalter im Landkreis Northeim

Zwei Schweine am Stallgitter
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Die Haltung von Schweinen rechnen sich immer weniger für die Bauern.

Bei der Produktion von Schweinefleisch zahlen Bauern derzeit drauf.

Northeim – Nachdem bereits die Getreideernte in Teilen hinter den Erwartungen der Landwirte zurückgeblieben ist (HNA berichtete), wird die Entwicklung der Preise für Ferkel und Schlachtschweine zunehmend für die Betriebe im Landkreis Northeim zum Problem, weil die Erlöse der Betriebe nicht mehr kostendeckend sind.

Dass die heimischen Mastbetriebe kaum Abnehmer finden, während gleichzeitig große Mengen Schweinefleisch aus dem Ausland importiert werden, mache die betroffenen Betriebe zunehmend ratlos, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Landvolks Northeim-Osterode.

„Im Moment geht es darum, wer am längsten die Luft anhalten kann“, beschreibt Landvolk-Vorstandsmitglied Henning Meyer, der auf seinem Hof in Katlenburg Schweinemast betreibt, die aktuelle Situation. „Das ist aber weder für die Betriebe gesund, noch für die bestehenden Lieferketten. Es geht hier derzeit unglaublich viel Geld verloren.“

Neben dem Rückgang der Nachfrage nach Schweinefleisch seien gestiegene Futterkosten und Energiepreise weitere Gründe für die derzeitige brisante Lage der Schweinehalter.

Nach Angaben des Landvolks gilt dies auch für die Betriebe, die ihre Schweine unter gehobenen Tierwohlbedingungen aufziehen. Umfragen belegten zwar angeblich, dass es in großen Teilen der Bevölkerung eine enorme Bereitschaft gebe, für Schweinefleisch aus Tierwohlproduktionen deutlich höhere Preise zu zahlen, aber in der Praxis sehe das ganz anders aus. Gerade dieses Fleisch lasse sich momentan besonders schwer vermarkten.

Insgesamt zeichnet das Landvolk ein eher düsteres Zukunftsbild für Schweinehalter und begründet das mit zusätzlichen Unsicherheiten, wie zum Beispiel der Schweinepest oder Exportbeschränkungen. Diese Krise sei existenziell und werde dafür sorgen, dass „viele Betriebe die Segel streichen“ müssen.

Claus Hartmann aus Kalefeld, Vorsitzender des Landvolks, hat für seinen Betrieb bereits die Konsequenzen gezogen und wird demnächst seine Ferkelaufzucht und damit die gesamte Schweinehaltung aufgeben. Dieser Entschluss sei das Ergebnis eines schwierigen und schmerzhaften Entscheidungsprozesses“, sagt er. Denn immerhin ende damit nach 50 Jahren und drei Generationen die Schweinehaltung auf seinem Hof. Aber es gehe leider nicht anders, da er bei jedem Ferkel, das er verkaufe, fünf bis sechs Euro dazulege. „Und bei Kollegen, die Ferkel erzeugen oder Schweine mästen, ist der Verlust pro Tier noch deutlich höher“, so Hartmann.

Mit den Preisen für Rindfleisch und Milch können die Erzeuger laut Landvolk trotz gestiegener Futter- und Energiekosten hingegen zufrieden sein. Derzeit sei davon auszugehen, dass sich die positive Entwicklung sowohl für Rindermast- als auch Milchviehbetriebe fortsetzen werde. Angesichts der zunehmenden Auflagen für die Haltung von Milchkühen würden aber trotzdem wirtschaftlich gut aufgestellte Betriebe derzeit ihre Milchviehhaltung einstellen.

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