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Zugunglück in Northeim vor 30 Jahren: „Es war eine schreckliche Erfahrung“

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Von: Olaf Weiss

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Die Lokomotive des Schnellzuges von München nach Kopenhagen war am 15. November 1992 um 1.30Uhr mit dem querstehenden Waggon eines entgegenkommenden Güterzugs kollidiert.
Die Lokomotive des Schnellzuges von München nach Kopenhagen war am 15. November 1992 um 1.30Uhr mit dem querstehenden Waggon eines entgegenkommenden Güterzugs kollidiert. Dieser war mit 14 anderen entgleist, weil von einem anderen Waggon des Güterzugs ein Puffer abgefallen war. © Wolfgang Rink

Jörgen Andersson aus Schweden erinnert sich an das Northeimer Zugunglück vor 30 Jahren

Northeim – „Es hat 5 Jahre gedauert, bis ich wieder in einen Nachtzug gestiegen bin, ich habe mich nicht getraut.“ Jörgen Andersson hat lange gebraucht, bis er das Zugunglück vom 15. November 1992 in Northeim verdaut hatte. Er denke noch oft über die schreckliche Nacht nach, scheibt der in Malmö lebende Schwede in einer E-Mail an die HNA-Redaktion.

Er war Fahrgast des verunglückten Nachtzuges und hatte anlässlich des Jahrestages im Internet nach Berichten über das Zugunglück gesucht, bei dem elf Menschen ums Leben gekommen sind. Dabei war er auf die Artikel auf der Internetseite der Northeimer HNA-Redaktion gestoßen.

„Ich hoffe, die Übersetzung aus dem Schwedischen ins Deutsche war gut“, schreibt er. Den Text seiner E-Mail hat er mithilfe des Google-Translate im Internet übersetzt.

Zugunglück: Zeitungsausriss des Artikels vom 16. November 1992 mit Jörgen Andersson.
Zugunglück: Zeitungsausriss des Artikels vom 16. November 1992 mit Jörgen Andersson. © Andersson

„Es war eine schreckliche Erfahrung, in einem Schlafabteil gefangen zu sein und nicht zu wissen, wie es enden würde“, schreibt er weiter. Das Unglück sei nichts, „was man einfach abschüttelt“ und dann weitermacht.

Der Schwede war einer der Insassen des Schlafwagens, der von der Brücke hinab auf die B 241 gestürzt war. Er gehörte zu den Fahrgästen, die wie durch ein Wunder unverletzt geblieben waren.

Andersson ist nach seinen Worten 2005 in Northeim gewesen und hat den Gedenkstein für die Opfer des Unglücks gesehen. „Als ich da stand und dachte, dass ich – einen Meter hier oder da – einer der Elf sein könnte, die gestorben sind, dann habe ich geweint“, schreibt er.

Schon vor 30 Jahren berichtete die HNA über den Schweden, der zusammen mit einem kroatischen Zuginsassen in der Nacht vom Northeimer Frank Jünemann mitgenommen wurde und ein Frühstück bekam. Auch bei anschließenden Formalitäten hilft der Northeimer den beiden kaum Deutsch sprechenden Fahrgästen des Unglückszuges. Andersson hat ein Foto des vor 30 Jahren erschienenen HNA-Artikels seiner E-Mail beigefügt.

„Wir müssen unter einem glücklichen Stern geboren sein“, hatte er damals dem Reporter gesagt, nachdem er bei Tageslicht zu der Unglücksstelle zurückgekehrt war und das Bild der Zerstörung gesehen hatte. „Ich weiß es wirklich nicht“, war damals die Antwort des Schweden, der häufig per Zug unterwegs in Europa war, auf die Frage, ob er wieder in den Nachtzug nach Kopenhagen steigen würde. (ows)

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