Appell an den Kreistag

Turnkreis Northeim-Einbeck kämpft ums Heim in Silberborn

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Das Jugendfreizeitheim in Silberborn wird seit Langem regelmäßig vom Turnkreis Northeim-Einbeck genutzt

Northeim. Der Turnkreis Northeim-Einbeck hat sich nachdrücklich für den Erhalt des Jugendfreizeitheims Silberborn ausgesprochen. In seiner Sitzung am Freitag, 8. Juni, soll der Kreistag über die Schließung entscheiden.

Der Finanzausschuss hat sich bereits für die Schließung ausgesprochen.

Der Turnkreis, der das Jugendfreizeitheim regelmäßig für die Ausbildung von Jugendlichen zu Übungsleiterhelfern und für Erlebnisfreizeiten für Kinder zwischen sechs und elf Jahren nutzt, führt in einer Pressemitteilung folgende Argumente für den Erhalt der seit 1961 bestehenden Einrichtung im Landkreis Holzminden an:

  • Die Lage im Solling sei ideal, um Kinder ein vielfältiges Bewegungsangebot zu ermöglichen und ihnen die Vielfalt der Natur nahe zu bringen.
  • Der Rückgang der Übernachtungszahlen in den Jahren 2013 bis 2015 sei das Ergebnis einer verfehlten Schulpolitik des Landes Niedersachsen. Seit 2016 stiegen die Zahlen wieder.
  • Angesichts der Steuerlast, die bei der Schließung des Heims durch die Übertragung der EAM-Aktien, deren Dividende bisher den Großteil der Kosten des Heims gedeckt haben, sowie durch den Verkauf des Heims entsteht, lassen die Schließung unwirtschaftlich erscheinen. Der Turnkreis kalkuliert, dass der Fiskus rund 700.000 Euro daran verdienen würde.
  • Hinzu komme, dass der Landkreis das jährliche Defizit des Heims selbst heraufbeschworen habe, indem er 2009 das Aktienpaket (damals noch von Eon-Mitte) des Heims spürbar verringert und damit dessen Einnahmen spürbar geschwächt habe.
  • Dass 80 Prozent der Gäste nicht aus dem Landkreis Northeim kommen, ließe sich auch als Argument für den Erhalt interpretieren. Die auswärtigen Nutzer (die für die Übernachtung auch höhere Preise zahlen müssten) brächten schließlich Kaufkraft in die Region und stärkten damit deren Wirtschaftskraft.

Der Turnkreis-Vorsitzende, Heinz-Willi Elter, fordert von den Kreistagsmitgliedern und der Verwaltung, die Argumente für die Schließung noch einmal zu überdenken. Dabei führt er ein Zitat des Schweizer Pädagogen Johann-Heinrich Pestalozzi (1746 - 1827) an: „Wer es fertig bringt, durch körperliche Bewegung Kinderaugen zum Leuchten zu bringen, der vollbringt auf dem Gebiet der Pädagogik Großartiges.“ Das Jugendfreizeitheim habe durch seine vorbildlichen sportlichen Anlagen in naturnaher Umgebung viele tausend Kinderaugen zum Leuchten gebracht. 

Hintergrund

Nach Angaben der Kreisverwaltung macht das Jugendfreizeitheim im Jahr einen Verlust von 200.000 Euro. Ab 2022 müsste dieses Defizit aus dem Kreishaushalt finanziert werden, da dann noch bestehende Rücklagen aufgebraucht seien. Außerdem seien Investitionen von zwei Millionen Euro notwendig, um das Heim im Hochsolling barrierefrei zu machen und attraktiv zu gestalten. Eine deutliche Steigerung der Übernachtungszahlen erwartet die Kreisverwaltung auch nach einer Modernisierung nicht. Die finanzielle Schieflage des Freizeitheims begann, nachdem der Landkreis einen Teil der Eon-Aktien (heute EAM-Aktien), die an den kreiseigenen Betrieb Jugendfreizeitheim übetragen waren, 2009 dort herausgelöst hatte. Seitdem fließen laut Beschlussvorlage jährlich noch rund 126 000 Euro Erträge aus den EAM-Aktien ins Jugendfreizeitheim. Konnten bis 2009 dank der Dividende Überschüsse erzielt und Rücklagen gebildet werden, gab es seitdem jährliche Defizite. Nach Mitteilung der Kreisverwaltung nutzten im Jahr 1996 6311 Personen (17.845 Übernachtungen) das Heim. 2012 waren es 5407 Gäste (15.500 Übernachtungen) und 2017 4624 (13.430 Übernachtungen).

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