Ergebnis der Stadtratssitzung

Umbenennung abgelehnt: Hindenburgstraße bleibt

Die Hindenburgstraße in Northeim: Sie trägt den Namen des Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg (1847-1934), der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.
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Die Hindenburgstraße in Northeim: Sie trägt den Namen des Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Paul von Hindenburg (1847-1934), der am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.

Die Hindenburgstraße heißt auch künftig Hindenburgstraße. So hat der Northeimer Stadtrat bei der Ratssitzung am Donnerstagabend entschieden. Ein Zusatzschild soll aber kommen.

Northeim – Der gemeinsame Antrag von SPD und Grünen zur Umbenennung der Hindenburgstraße abgelehnt. 19 der 34 anwesenden Ratsmitglieder stimmten gegen ein Umbenennungsverfahren und somit auch gegen eine Einwohnerbefragung.

Hans Harer von den Grünen bestärkte in einer emotionalen Rede in der Sitzung den Antrag: Hindenburg sei keine Identifikationsfigur für eine freiheitliche Demokratie. Das entscheidende Problem für Harer sei das Datum der Straßenbenennung 1933 – zur Feier des Geburtstags von Adolf Hitlers am 20. April.

Harer äußerte außerdem seine Enttäuschung über die CDU-Fraktion, die laut ihm nur der CDU in Hannover nacheifern würde, da die CDU dort auch vehement gegen eine Namensänderung der Hindenburgstraße vorgehe.

Keine Entscheidung gegen eine Sophie-Scholl-Straße

Der Antrag von SPD und Grünen sah eine Änderung der Hindenburgstraße in Sophie-Scholl-Straße vor. Hildegard Pavel von der SPD-Fraktion sagte dazu, dass sich Sophie Scholl allein schon deshalb besser als Straßenname eigne, weil sie im Gegensatz zu Hindenburg die Gefahr der Nazis geahnt habe. Eine Befragung der Anwohner sei jedoch wichtig. „Die Stadtverwaltung muss klären, wie man den Anwohner im Falle der Umbenennung helfen kann.“

Maik Schmitz (AfD) sprach sich gegen eine Umbenennung der Hindenburgstraße aus: Straßen, Plätze und Gebäude seien mehr als nur Orientierung im öffentlichen Raum. „Sie schaffen und vermitteln Bewusstsein für die eigene Geschichte und Kultur“, so Schmitz. Dies sei aber keine Entscheidung gegen eine künftige Sophie-Scholl-Straße in Northeim. Doch die Bewohner würden mit den Straßennamen eines Ortes Erinnerungen verbinden.

Diesen Aussagen warf Rolf Pflugmacher von den Linken „völkischen Charakter“ vor, wenn man solche Dinge aus Tradition erhalten wolle. Auch den immer wieder am Rande genannten Finanzaspekt einer Umbenennung nannte Pflugmacher „lächerlich“.

Anwohner will Stele mit Hinweisen spenden

Malte Schober (CDU) betonte wie auch schon im Ausschuss für Schule, Bildung und Kultur, dass die CDU zunächst die Einwohner befragen wollte (wir berichteten). Den Antrag darauf zog die CDU-Fraktion nach der Abstimmung gegen die Umbenennung jedoch zurück.

In der Rats-Debatte wurden wiederholt Zusatzschilder zu Paul von Hindenburg gefordert. Die Anbringung solle ähnlich reibungslos verlaufen wie bei den Schildern an Annastraße und Ottilienstraße in Northeim im vorigen Oktober. Dafür sei keine Ratsentscheidung nötig. Malte Schober (CDU) kündigte außerdem an, dass ein Anwohner bis zu 6000 Euro für eine Informations-Stele spenden wolle. Diese Stele könnte an der Ecke Raustraße/Hindenburgstraße aufgestellt werden. (William Abu El-Qumssan)

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