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Münsterplatz in Northeim: Unter den Bäumen soll es blühen

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Von: Olaf Weiss

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Überarbeiteter Planungsentwurf: Pflanzinseln unter den geplanten Baumgruppen sollen die Klimabilanz der Münsterplatzumgestaltung verbessern.
Überarbeiteter Planungsentwurf: Pflanzinseln unter den geplanten Baumgruppen sollen die Klimabilanz der Münsterplatzumgestaltung verbessern. © Grafik: TGP

An den Grundsätzen der Umgestaltung des Münsterplatzes ändert sich nichts. Allerdings werden Zugeständnisse an den Klimaschutz gemacht. Das haben Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) und Landschaftsarchitekt Tonio Trüper vom Planungsbüro TPL (Lübeck) am Freitag bei einer Pressekonferenz bekräftigt.

Northeim – Hartmann erinnert daran, dass der Planungsentwurf, mit dem sich TPL beim Planungswettbewerb durchgesetzt hat, auf Basis des Integrierten Entwicklungskonzeptes für die Innenstadt aus dem Jahr 2017 und einer zusammen mit der Standortgemeinschaft 2019 erstellten Struktur- und Potenzialanalyse entstanden sei. Letztere habe ergeben, dass der Platz deutliche Schwächen aufweise und er vor allem als Standort für Gastronomie keine Zukunft habe. Dafür biete er laut Trüper mehr „Aufenthaltsqualität“.

So soll der Münsterplatz in der Northeimer Innenstadt nach dem Siegerentwurf des Lübecker Planungsbüros einmal aussehen. Jetzt soll die Detailplanung folgen. Animationsgrafik: Büro TGP Lübeck
Der Ursprungsentwurf: Unter den Bäumen war keine Bepflanzung vorgesehen. Die nicht gepflasterten Bereiche unter den Bäumen waren kleiner geplant als die nun vorgesehenen Pflanzinseln. © Büro TGP Lübeck

Außerdem erinnerte der Bürgermeister daran, dass die wesentlichen Fragen, wie das verwendete Material für die Pflasterung, bereits durch einen Ratsbeschluss politisch entschieden seien.

„Ohne den Münsterplatz ist es schwierig, die Sanierungsziele zu erreichen“, betonte Hartmann. Insoweit sei die Umgestaltung eine Investition in die Zukunft der Innenstadt.

Nach den Worten von Andreas Krause-Hedenus, im Bauamt für die Stadtsanierung zuständig, ist bei einem Verzicht auf die Münsterplatz-Umgestaltung die gesamte Städtebauförderung gefährdet. Denn wenn das erste Ziel der Stadtsanierung – als das die Umgestaltung des Münsterplatzes definiert worden ist – wegfalle, drohe die Stadt die gesamte Förderung für die Stadtsanierung zu verlieren. Die Fördermittel für den Münsterplatz seien zweckgebunden und könnten nicht einfach für andere Projekte in der Stadt verwendet werden

So soll es aussehen, wenn die neu gepflanzten Bäume mehr als 15 Jahre Zeit hatten, zu wachsen. Links ist außerdem zu erkennen, wie das Oberflächenwasser von der Straße am Münster zu den Pflanzinseln geleitet werden soll.
So soll es aussehen, wenn die neu gepflanzten Bäume mehr als 15 Jahre Zeit hatten, zu wachsen. Links ist außerdem zu erkennen, wie das Oberflächenwasser von der Straße am Münster zu den Pflanzinseln geleitet werden soll. © Grafik: TGP

Die Kosten für die Umgestaltung werden derzeit mit sieben Millionen Euro veranschlagt, von denen die Stadt nur 21,4 Prozent( 1,5 Millionen Euro) tragen müsste. Dazu kommen drei Millionen Euro für die Kanalsanierung, die der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung trägt. Darin eingeschlossen sind die Kosten für die Aufbereitung von infolge des undichten Kanals verseuchtem Boden, der anschließend dort wieder eingebaut werden soll.

Außerdem wollen die Stadtwerke Northeim gleichzeitig Gas- und Wasserleitungen im Bereich zwischen Kurzer Straße und Göttinger Straße erneuern.

Planer Trüper verteidigte nachdrücklich die Planung für den Münsterplatz. Ziel sei, die Fläche zu öffnen, um die Trennung von Straßen und Platz zu beseitigen. Damit werde er besser erleb- und nutzbar. Der bisher den Platz dominierende Schotterrasen sei von geringem ökologischen Wert. Um die Fläche besser nutzbar zu machen, sei eine Pflasterung unerlässlich.

In Bezug auf Klimaschutz, dessen Berücksichtigung nach Bürgermeister Hartmanns Worten einerseits eine Forderung des Landes als Fördermittelgeber, aber auch von der Öffentlichkeit gefordert werde, ist der Plan in einigen Punkten überarbeitet worden:

- Pflanzinseln: Statt einfacher, nicht gepflasterter Bereiche, auf denen Bäume stehen, sind diese nun als Pflanzinseln geplant. Ihre Gesamtfläche wächst von 485 Quadratmeter (qm) um rund das Doppelte auf 1060 qm. Sie sollen mit Gräsern und Sträuchern bepflanzt werden. Dadurch steige die Menge des Wassers, die diese Flächen aufnehmen können. Auch das Oberflächenwasser von der Straße soll unterirdisch dorthin abgeleitet werden, sodass 60 bis 70 Prozent des Regenwassers dort versickern werde.

- Bäume: Die Baumreihen entlang der Straße und des Zugangs zum City-Center werden aufgelöst. Von derzeit 23 Bäumen (Linden) sollen (inklusive der Rosskastanie in der Platzmitte) 13 stehen bleiben (bisher 12). Statt 7 sollen nun 15 Bäume neu gepflanzt werden. Damit würden künftig 28 Bäume auf dem Platz stehen. Außerdem prüft die Stadtverwaltung noch, ob kleinere Linden, die rund um den Platz nachgepflanzt worden sind, an anderen Stellen in der Stadt umgesetzt werdenkönnen, statt sie zu fällen.

Zwar können die neuen Bäume zunächst nicht so viel Kohlendioxid speichern wie die Bäume, die gefällt werden sollen, räumt Planer Trüper ein. Aber in der Abwägung zu der Verbesserung, die durch die Umgestaltung erreicht werde, sei das hinnehmbar – zumal durch die neu geplante Bepflanzung unter den Bäumen ein gewisser Ausgleich geschaffen werde.

- Wasserspiel: Auch am Wasserspiel halten die Planer fest. Es sei zum einen „ein Anziehungs- und Spielepunkt“, sorge zum anderen aber auch für ein angenehmes Kleinklima auf dem Platz, weil der neben den Fontänen geplante Nebel infolge der Verdunstung einen kühlenden Effekt habe. Die jährlichen Betriebskosten schätzt Trüper auf 5000 Euro.

- Pflasterung: Es soll beim Natursteinpflaster aus Granit bleiben, das aus Portugal stammt. Der relativ helle Stein (Granit aus anderen europäischen Regionen sei dunkler), passe gut zur Platzgestaltung, so der städtische Planer Andreas Krause-Hedenus. Trotz des relativ weiten Transportweges sei nach seinen Worten die Klimabilanz nicht so schlecht, denn der Stein sei langlebig. Selbst wenn er in einigen Jahrzehnten auf dem Münsterplatz nicht mehr gewünscht sei, könne er andernorts noch einmal verwendet werden. Das sei mit einem Betonstein, der in der Herstellung sehr energieintensiv sei, nicht möglich. Den vom FDP-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Eckhard Ilsemann, in die Diskussion gebrachte Sollingsandstein ist laut Planer Trüper keine Alternative für einen Platz, der auch mit schweren Fahrzeugen der Feuerwehr oder für Veranstaltungen befahren werden soll, da er nicht widerstandsfähig genug ist. Bei diesem „Weichgestein“ werde es ziemlich bald Abplatzungen geben. (Olaf Weiss)

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