Niedersächsischer Weg

Landesforsten weisen Wildnisgebiet im Solling als Urwald von morgen aus

Über das neue Wildnisgebiet im Herzen des Sollings informierten sich(vorn, von links), Forstministerin Barbara Otte-Kinast, Umweltminister Olaf Lies und der Chef des Niedersächsischen Landvolks, Holger Hennies.
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Über das neue Wildnisgebiet im Herzen des Sollings informierten sich(vorn, von links), Forstministerin Barbara Otte-Kinast, Umweltminister Olaf Lies und der Chef des Niedersächsischen Landvolks, Holger Hennies.

Mitten im Solling entsteht in den kommenden Jahren ein Wildnisgebiet in einer Größe von 1020 Hektar.

Uslar - Das neue Wildnisgebiet soll sich nahezu völlig selbst überlassen werden und als „Urwald von morgen“ dienen. Vor Ort bewerteten die niedersächsische Forstministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und ihr Kollege aus dem Umweltressort, Olaf Lies (SPD), die Ausweisung als „einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Biodiversität“.

Die Landesforsten setzen damit die Vereinbarung über den „Niedersächsischen Weg“ um. Hinter dem Maßnahmenpaket in dem bundesweit einmaligen Vertrag für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz stehen neben der Landesregierung unter anderen das Landvolk, der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz in Niedersachsen. Mit den 1020 Hektar bleiben die Landesforsten knapp über der Mindestgröße von 1000 Hektar für ein Wildnisgebiet, die das Bundesamt für Naturschutz definiert hat. Es soll ein von Menschen möglichst unbeeinflusster Ablauf aller natürlichen Prozesse dauerhaft gewährleistet sein.

Dies bedeutet, so der Chef der Landesforsten, Dr. Klaus Merker, dass in diesem Bereich, der grob gesagt nordöstlich von Uslar zwischen dem Forsthaus Grimmerfeld im Osten und Donnershagen im Westen liegt, kein Holz mehr geerntet wird sowie Wege und jagdliche Einrichtungen zurückgebaut werden. Auch bei Borkenkäferbefall wollen sich die Landesforsten zurückhalten.

In dem Gebiet herrschen ausgedehnte Buchenwälder vor, die auf Teilflächen von Eichen- und Fichtenwäldern unterbrochen sind. Die Umwandlung der 160 Hektar Fichtenflächen im Alter von 30 bis 40 Jahren soll mithilfe von unterstützenden Maßnahmen in Mischwald erfolgen, so Merker. Nach den Worten des Dasseler Forstamtsleiters Dr. Johannes Wobs wird bereits seit dem Vorjahr auf den Holzeinschlag verzichtet. Für den wirtschaftlichen Nutzungsausfall erhalten die Landesforsten eine Entschädigung. Der stellvertretende Vorsitzende des BUND Niedersachsen, Axel Ebeler, nannte sie einen „gesellschaftlichen Beitrag“ für die Artenvielfalt. Er bezeichnete das Wildnisgebiets als Kernstück des „Niedersächsischen Wegs“.

Begleitet wird die Umwandlung von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Laut Waldnaturschutzleiter Dr. Peter Meier werden unter anderem Audiogeräte eingesetzt, um Daten über Vogel- und Fledermausarten zu erhalten.

Zehn Prozent werden zu Urwäldern

Das neue Wildnisgebiet im Solling gehört mit 1020 Hektar neben dem Nationalpark Harz und dem Hohenstein im Forstamt Oldendorf zu den größten zusammenhängenden Waldflächen der Landesforsten, die zu Urwäldern umgewandelt werden sollen. Insgesamt sind es 34 000 Hektar, etwas mehr als zehn Prozent der von den Landesforsten bewirtschafteten Flächen. Die Zentrale der Landesforsten sitzt in Braunschweig. Von dort aus werden rund 335 000 Hektar Wald betreut. (Hans-Peter Niesen)

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