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Viele Fragen zur Hütte im Wald

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Von: Olaf Weiss

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Die Jagdhütte, die in den vergangenen Jahren mindestens um Vordächer erweitert worden ist, stammt noch aus der Zeit, als die Bundeswehr das Gelände genutzt hat.
Die Jagdhütte, die in den vergangenen Jahren mindestens um Vordächer erweitert worden ist, stammt noch aus der Zeit, als die Bundeswehr das Gelände genutzt hat. Rechts ist die Latrine zu erkennen, die eine Wasserspülung erhalten hat. Der Wasserbehälter dafür befindet sich unter der schwarzen Plane links neben dem verschlossenen Toilettenhäuschen. Inzwischen soll der Rückbau der Hütte abgeschlossen sein. © Olaf Weiss

Wie wird aus einem vagen Hinweis eigentlich ein Artikel? Der Werkstattbericht einer nicht ganz alltäglichen Recherche – und was dabei herausgekommen ist.

Northeim – „Wissen Sie eigentlich, dass die Stadt im Wald am Sultmer seit Jahrzehnten eine ohne Baugenehmigung errichtete Hütte duldet? Und das im Landschaftsschutzgebiet.“ Im Gespräch über Gott und die Welt stellte mir ein Lokalpolitiker nebenbei diese Frage. Ich hatte davon keine Ahnung, fand das Thema aber interessant. Im weiteren Gespräch erzählte mein Gegenüber, dass die Northeimer Stadtverwaltung, nachdem sie auf die offensichtlich verdrängte Existenz der Hütte hingewiesen wurde, nun auf deren Beseitigung dringen werde. Die einst von der Bundeswehr errichtete Hütte sei von den Jagdpächtern allmählich ausgebaut worden.

Ein paar Tage später ergänzte und korrigierte mein Informant seine Schilderungen: Zu der Hütte gehöre auch eine Toilette mit Wasserspülung, bei der die Fäkalien ungeklärt wie in einem Plumpsklo in einer Grube landen – nicht nur in einem Landschaftsschutzgebiet illegal. Außerdem würden dort regelmäßig Feiern stattfinden. Allerdings wolle die Stadt die Existenz der Hütte doch noch weiter dulden.

Die Recherche

Daraufhin bekamen sowohl die Stadtverwaltung als auch die Kreisverwaltung von mir per E-Mail Fragen. Umfangreiche Sachverhalte sind mit Behörden kaum noch mündlich zu klären. Sie wünschen sich schriftliche Fragen und antworten meist auch nur schriftlich – häufig erst nach mehreren Tagen.

Von der Stadt wollte ich unter anderem wissen, ob meine Informationen stimmen sowie ob und wieso die Stadt die Existenz der Hütte weiter dulden will.   Die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde sollte mir beantworten, ob es für den Ursprungsbau aus Bundeswehrzeit eine Art Bestandsschutz gibt. Immerhin ist die Hütte in der Karte des Landschaftsschutzgebietes eingezeichnet. Ich fragte auch, wie das zum Wasserklosett ausgebaute Plumpsklo umweltrechtlich zu beurteilen ist, ob dort Feiern zulässig sind und warum die Behörde bisher nicht gegen den Bau vorgegangen ist.

Am nächsten Morgen machte ich einen Spaziergang zu der Hütte, die, wenn man weiß wo sie ist, auch auf der Satelliten-Ansicht bei Google Maps im Wald auszumachen ist, und mache ein paar Fotos. Offensichtlich ist die Hütte auch heizbar. Sie hat einen Schornstein. An einer Wand ist Brennholz aufgestapelt.

Die Resultate

Die Antworten der Stadtverwaltung: Einen Tag nach meiner E-Mail ans Rathaus bekam ich einen Anruf von Jörg Dodenhöft, nach Bürgermeister Simon Hartmann zweiter Mann im der Stadtverwaltung. Überraschender weise also keine schriftliche Antwort, sondern ein Gespräch über meine Frage.

Dodenhöft betonte, dass die Grundhütte tatsächlich bereits aus der Bundeswehrzeit stamme. Auch die Latrine habe es schon gegeben, als die bis vor 30 Jahren in Northeim stationierten Truppen noch den Sultmer für Geländeübungen nutzten. Nach dem Bundeswehr-Abzug sei die Hütte an die Stadt gefallen, die sie den Jagdpächtern überlassen habe.

Wenn die Verwaltung von dem wohl erst in den vergangenen Jahren gewachsenen Bau am Sultmer schon früher Kenntnis gehabt hätte, wäre sie schon früher eingeschritten, betonte Dodenhöft. Doch habe man die Hütte nicht im Blick gehabt. Im Wald gelte das Interesse der städtischen Mitarbeiter vor allem den Bäumen. Schließlich habe die Stadt eine Verkehrssicherungspflicht.

Die Stadt dulde den Bau nach den Worten von Dodenhöft in der gegenwärtigen Form nicht und habe den Jagdpächter aufgefordert, den Bau wieder in den Zustand zu bringen, wie er bei Abzug der Bundeswehr bestand. Die Latrine, so Dodenhöft, müsse er verschließen. Dem Jagdpächter sei eine Frist bis zum Monatsende eingeräumt worden. Ist der Rückbau dann nicht abgeschlossen, „werde bauordnungsrechtlich eingegriffen“.

Gestern meldet sich der Bürgermeister und teilt mit, dass der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung Jagdhütte und Latrine begutachten hat und zum Ergebnis gekommen ist, dass die Grube der Latrine nicht ausgehoben werden müsse. Es rieche nicht einmal nach Fäkalien. Auch sei der Rückbau der Hütte inzwischen erfolgt.

Die Antworten der Kreisverwaltung: Nur wenige Stunden vor dem Anruf des Bürgermeisters hatte sich die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde gemeldet. Nach einer Woche kommt auf meine Frage die Antwort, sie sei nicht zuständig, kündigt aber an, dass sie als sogenannte Untere Wasserbehörde „die Entwässerungssituation der Hütte“ prüfen werde. Ob der Bau dort stehen dürfe, hänge davon ab, ob er zum Zeitpunkt, als der Sultmer Landschaftsschutzgebiet wurde (2000), von der Stadt genehmigt worden war. Auch sei es Sache der Stadt, zu prüfen, wie die Hütte heute genutzt wird.

Fazit

Die Hütte steht dort nicht illegal. Die Übernahme von der Bundeswehr kann wohl als Genehmigung gewertet werden. Dass ihre Nutzer sie nach und nach haben wachsen lassen, war aber nur möglich, weil von der Stadt niemand hingesehen hat – oder hinsehen wollte? (Olaf Weiss)

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