Schwund von fast 800 Aktiven in zehn Jahren

Immer weniger Chöre in Südniedersachsen

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Hat schon vor vier Jahren aufgegeben: Der Kirchenchor in Elvershausen, hier bei seinem letzten Konzert 2011.

Northeim. Die Chorlandschaft in der Region dünnt aus: In den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben sich landesweit deutlich mehr als 200 Chöre aufgelöst.

Das geht aus Zahlen des größten Chorverbands im Land, des Chorverbands Niedersachsen-Bremen, hervor, die Verbands-Ehrenmitglied Ernst Volz der HNA nannte. Auch im Kreis Northeim stellen Chöre den Betrieb ein, die noch bestehenden schrumpfen.

Der Kreischorverband Südniedersachsen beispielsweise vermeldet aktuell im Raum Northeim-Göttingen laut Vorstandsmitglied Hans-Joachim Strüder (Lindau) 35 Chöre mit etwa 850 Sängern. In den vergangenen zehn Jahren hätten mindestens fünf Chöre das öffentliche Singen eingestellt. Andere hätten sich zu Singgemeinschaften zusammengeschlossen wie zum Beispiel die Chöre Elverhausen, Lagershausen und Denkershausen.

„Unser Problem ist der fehlende Mittelbau“, sagt Strüder. Es gebe zwar immer wieder junge Leute, die mit dem Chorgesang anfingen, doch nach der Schule verließen sie die Heimat fürs Studium oder die Ausbildung. Beliebt bei jungen Leuten seien hingegen Projektchöre ohne Vereinsbindung.

Auch im Solling ist der Sängerschwund deutlich zu spüren. Nach Angaben des Geschäftsführers des Sollinger Sängerbunds, Wulf Behr, haben seit 2000 sieben Chöre aufgegeben, darunter Ensembles in Hettensen, Sievershausen und Schlarpe. Der Bestand der Aktiven sei von 1100 auf 600 geschrumpft. Ein Problem sei die Versorgung mit Chorleitern. „Früher hat es den Dorflehrer gegeben, der den Chor geführt hat. Das ist Vergangenheit.“

Einen konstanten Bestand von 14 Chören weist der Niedersäschsische Chorverband, im Raum Northeim-Göttingen auf. Laut Vorstandsmitglied Eckhardt Kuttig werden jedoch die Aktiven deutlich weniger, so dass es Zusammenschlüsse gebe. Kuttig empfiehlt den Chören, mehr Rock- und Pop-Stücke zu singen und dafür Workshops zu belegen.

Auch die Kirchenchöre, insbesondere die auf dem Dorf, haben es schwer, Nachwuchs zu finden. Der Kirchenchor in Kalefeld, der zuletzt nur noch aus Frauen bestand, zog Anfang Juli dieses Jahres die Konsequenz und gab sein letztes Konzert. Schon vor drei Jahren gab auch der Elvershäuser Kirchenchor auf.

Auch Kirchenchöre betroffen

„Unsere Chorlandschaft hat sich auch verändert. Singkreise und vor allem Gospelchöre haben Zulauf, die Kirchenchöre in kleineren Gemeinden hingegen haben zu kämpfen“, sagt Sigrun Dehnert, Geschäftstellenleiterin des Evangelischen Chorverbands Niedersachsen in Hildesheim. Die ambitionierten Sängerinnen und Sänger wichen dann aus auf Spitzenchöre mit hauptamtlicher Leitung.

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