Vier Jahre Haft für 22-Jährigen Ebay-Betrüger

Northeim. Wegen Unterschlagung, Betrug, Diebstahl und Urkundenfälschung wurde am Dienstag ein 22-Jähriger aus Bodenfelde vor dem Northeimer Amtsgericht zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Über drei Jahre hatte der Angeklagte diverse Betrügereien begangen. Der Bodenfelder legte für alle Taten ein Geständnis ab.

Wegen zahlreicher Betrugsfälle war er bereits in den vergangenen zwei Jahren zweimal zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. In der Bewährungszeit beging er seit Januar bis Dezember vergangenen Jahres weitere 44 Taten, führte der Staatsanwalt aus. Der 22-Jährige stellte immer wieder Inserate auf der Internetplattform Ebay-Kleinanzeigen ein. Bei seinen Angeboten handelte es sich überwiegend um Autozubehör. Jedoch habe er „nie vorgehabt, die Waren an den Käufer zu versenden“, so der Staatsanwalt.

Der 22-Jährige kassierte das Geld, von der Ware sahen die Kunden allerdings nichts. Damit er vor den Käufern nicht namentlich in Erscheinung treten musste, belog der Angeklagte auch Familie und Freunde. Mehrfach bat er Bekannte um die Nutzung ihres Bankkontos, da er mit seinem Konto angeblich Probleme habe. Die Ebay-Kunden ließ er auf die Konten seiner Bekannten überweisen, die ihm schließlich das Geld auszahlten. Telefongespräche führte er ebenfalls in fremden Namen. Auch das Konto seiner Großmutter nutzte der Angeklagte für diese Betrugsmaschen.

Unter anderem hatte der Bodenfelder auch während eines Praktikums in einer Tankstelle Geld unterschlagen und aus dem Tresor gestohlen. Insgesamt erbeutete er rund 24.000 Euro mit seinen Betrügereien.

Der 22-Jährige beteuerte, die Taten zu bereuen. Doch weder Richter Sönke Andresen noch die Staatsanwaltschaft ließen sich davon beeindrucken. Denn bereits in den Verhandlungen zuvor habe er das Gericht immer wieder „verarscht“, so der Staatsanwalt. „Ich kann Ihnen kein Wort glauben“, sagte Richter Andresen und verurteilte ihn, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, zu vier Jahren Jugendstrafe mit sofortigem Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Die Verteidigung hatte dreieinhalb Jahre Vollzug gefordert.

„Mit viel Wohlwollen“ könne man noch nach dem Jugendrecht verurteilen, sagte Andresen. Denn betrachte man die dreijährige Betrugsserie beging er die meisten Taten als Heranwachsender.

Richter Andresen stellte heraus, dass der Angeklagte weder Schulabschluss noch Ausbildung habe. „Wenn Sie es nicht schaffen, das in der JVA nachzuholen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie auch nach dem Vollzug weiter Straftaten begehen.“ Die Staatsanwaltschaft betonte dass der Angeklagte ein „Betrüger-Gen“ habe, das verschwinden müsse, um die Kurve zu kriegen.

Von Carolin Hartung

Rubriklistenbild: © dpa

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