Liebe zum Rebensaft

Bernd Hahnes Vinothek in Northeim besteht seit 20 Jahren: Ein Leben für den Wein

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Weinkenner: Bernd Hahne mit einem Glas Rotwein in seiner Vinothek.

Northeim. Das nennt man wohl Leidenschaft: Vor 20 Jahren wurde aus dem Sparkassen-Kaufmann Bernd Hahne der Weinhändler. Damit gab er das sichere Dasein eines leitenden Angestellten für die schwierige Existenz eines Selbstständigen auf. 

Es rückte für ihn in den Mittelpunkt, was ihm seit seiner Zeit als Oberstufenschüler allmählich immer wichtiger geworden war: die Welt des Genusses im Allgemeinen, Wein im Besonderen. Am 5. September 1998 eröffnete der 54-Jährige seine Vinothek (Mühlenstraße 24).

Euphorisch und blauäugig sei er damals gestartet, erinnert er sich. Auf die Frage eines Kunden „Können Sie mir das als Geschenk einpacken“ sei er beispielsweise nicht vorbereitet gewesen. „Dann habe ich erkannt: Geschenk hat ein unheimliches Potenzial.“ Also lernte er, Wein günstig hübsch zu verpacken. Feingebäck, Cräcker und Schokoladen kamen als Ergänzung ins Sortiment. Heute gehören auch Feinkost-Artikel und Spirituosen dazu.

„Es sind heute immer noch die gleichen Weine gefragt, wenn auch von anderen Kunden“, lässt Hahne die vergangenen 20 Jahren Revue passieren. „Die Nachfrage ist europalastig.“ Als Herkunftsländer liegen nach seinen Worten Italien und Deutschland vorn, dicht gefolgt von Spanien und Frankreich. Anbaugebiete in Übersee seien in Northeim weniger gefragt.

In der warmen Jahreszeit gehe eher Weißwein, jetzt ziehe allmählich wieder die Nachfrage nach Rotwein an. Dabei widerspricht Hahne dem Vorurteil, dass gute Weine trocken sein müssen. Auch Tropfen mit Restsüße hätten Qualität.

„Hier steht nichts, was ich nicht selbst probiert habe“, sagt er. Er könne seinen Kunden beschreiben, was den einzeln Wein ausmache, aber: „Das, was ihnen schmeckt, ist der richtige Wein.“

Zum Wein war Hahne nach eigenen Worten über einen Freund seines Vaters gekommen. Fasziniert von einem italienischen Rotwein, einem Barolo Riserva, den dieser ihm als 18-Jährigem anbot, sah er sich in jugendlichem Überschwang anschließend bereits als Weinkenner. Seine folgenden Weinkäufe belehrten ihn eines Besseren: „Da bin ich richtig auf die Fresse gefallen.“

Aber die Suche nach dem Geschmack trieb ihn weiter an. Dabei steckte er auch Freunde an. Seine Clique veranstaltete regelmäßig Weinabende mit einer besonderen Wette. Jeder gab fünf D-Mark in den Pott. Wer den Wein mitgebracht hatte, der den meisten am besten geschmeckt hatte, gewann. Dabei wurden allmählich die Kriterien immer schwieriger. Ging es zunächst nur um Rotwein, wurden für einzelne Abende dann Herkunftsländer oder sogar Anbaugebiete vorgegeben.

Nach dem Abitur am Corvinianum machte Hahne eine Banklehre bei der Kreis-Sparkasse Northeim (KSN). Es folgte ein BWL-Studium in Göttingen. Dabei arbeitete er in den Semesterferien weiter bei der KSN. In der Nachwendezeit war er dabei zusammen mit anderen nach Genthin (Sachsen-Anhalt) abgeordnet, um den Aufbau der dortigen Sparkasse zu unterstützen. Nach dem Studium nahm er das Angebot an, die Controlling-Abteilung der KSN zu leiten. Seine Hauptaufgabe war dabei, ein datenbankgestütztes Berichtssystem aufzubauen.

„Aber da keimte etwas in mir“, erzählt der Weinhändler. Eine Krankheit gab ihm Zeit zum Nachdenken. Bei einem Kurztrip ins Piemont fiel die Entscheidung, die Bankkarriere an den Nagel zu hängen und Weinhändler zu werden. Seit 2006 ist seine Vinothek nun in der Mühlenstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geschäft für Haushaltswaren und Wohnaccessoires seines Lebenspartners Axel Francke ansässig.

Weil beide erkannten, dass sie von ihren Kunden auch als Ratgeber gesehen werden, veranstalten sie zusammen seit zwölf Jahren auch regelmäßig Kochkurse mit Küchenmeister Klaus Abraham.

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