Heimlich an den Spenden für die Bedürftige bedient?

Vorwürfe gegen Mitarbeiter: Northeimer Tafel wehrt sich dagegen

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Tafel-Mitarbeiter: (von links) Valentina Schulz, Bettina Radtke, Andrea Zachert, Manuel Ebeling, die stellvertretende Betriebsleiterin Faour Ahlam und Tatjana Springer.

Northeim. In sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte über die Northeimer Tafel. Die Vorwürfe wiegen schwer. Auch zwei ehemalige Mitarbeiter haben sich bei der HNA gemeldet, die von fragwürdigen Praktiken berichten.

Die Northeimer Tafel ist im Gespräch – negativ: Vorwürfe, dass Mitarbeiter sich aus den Spenden selbst bedienen, statt sie an die Tafelkunden herauszugeben, und dass Betriebsleiter Karsten Kaune mit Kunden, die nicht gut Deutsch sprechen, einen diskriminierenden Umgang pflegt, geistern durch die sozialen Netzwerke. Und auch bei der HNA haben sich zwei ehemalige Mitarbeiter gemeldet, die ausführlich von fragwürdigen Praktiken bei der Tafel berichten.

„Mitarbeiter stecken Spenden in die eigene Tasche“, berichtete eine Frau, die ungenannt bleiben möchte. Waren, die keine Lebensmittel sind, gingen nur an die Mitarbeiter, nicht an die Kunden, sagt auch Joshua Richter, der ebenfalls ehrenamtlich bei der Tafel gearbeitet hat.

„Die Ehrenamtlichen, die abholberechtigt sind, werden genauso behandelt wie alle anderen“, hält Wolfgang Bauer, der Vorsitzende des Tafelvereins entgegen. Natürlich gebe es bei den Tafeln wie in jedem Betrieb auch Diebstähle, mehr aber auch nicht. „Wir versuchen, das einzudämmen.“ Eine Kontrolle finde unter anderem dadurch statt, dass sich niemand selbst bedienen dürfe, betonte Bauer. Auch Mitarbeiter müssten sich am Tresen anstellen, um Waren zu bekommen.

Wolfgang Bauer

„Es herrscht hier ein derber Ton“, räumt Bauer ein. Das liegt am Klientel, das wir hier bedienen.“ Dass, wie auch Richter der HNA geschildert hat, der Betriebsleiter jemanden nur allein deswegen weggeschickt habe, weil er sich auf Deutsch nur schwer verständlich machen konnte, weist der Vereinsvorsitzende zurück. „Die Leute würden hier nicht herkommen, wenn hier Rassismus vorherrschen würde“, sagt er über die ehrenamtlich tätigen Bezugsberechtigten, von denen viele selbst Migranten seien.

Die Mitarbeiter hätten sich hinter den Betriebsleiter gestellt. „Wir kommen gut aus mit Karsten Kaue“, betonte dementsprechend auch seine Stellvertreterin, Faout Ahlam. 

Weggeschickt, so erklärt Bauer, würden nur Personen, wenn diese nach mehrmaliger Aufforderung ihre Bedürftigkeit nicht nachweisen können. Als Nachweis gilt beispielsweise ein Hartz-IV-Bescheid. 

Einen Vorwurf räumt Tafel-Vorsitzender Wolfgang Bauer ein: Dass ein geringer Teil der Waren-Spenden quasi gegen eine Geldspende verkauft wurden, hätte nicht passieren dürfen. Mit der Mitarbeiterin, die das zu verantworten habe, sei gesprochen worden. Das werde sich nicht wiederholen. Konkret geht es nach Bauers Worten um ganze Serrano-Schinken, die die Kunden in kleine Stücke zerteilt nicht haben wollten, und ein Gesichtspeeling. 

Tafel-Betriebsleiter Karsten Kaune hat wegen eines weiteren Vorwurfs gegen ihn persönlich Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Dabei geht es um ihm zugeschriebene Posts mit fragwürdigem politischen Inhalt im sozialem Netzwerk Facebook. Jemand habe eine Kopie seines Facebook-Accounts und diese Dinge verbreitet, sagte Kaune der HNA. Die eigene Facebookseite, auf der er auch Verschwörungstheorien über Kondensstreifen von Düsenflugzeugen verbreitet hat, habe Kaune kürzlich gelöscht, betonte Bauer.

Die Northeimer Tafel

Die Northeimer Tafel hat nach eigenen Angaben rund 100 Vereinsmitglieder. Rund 35 ehrenamtliche Mitarbeiter helfen bei der Ausgabe der gespendeten Waren, darunter sind auch Bezugsberechtigte, also Personen, die selbst in der Tafel einkaufen können. Bei jedem Einkauf zahlen die Kunden einen Pauschalbetrag: eine alleinstehende Person 1,50 Euro, sogenannte Bedarfsgemeinschaften 2,50 Euro für ein Paar und drei Euro ab drei Personen. 

Beim Einkauf müssen die Kunden ihren Tafelausweis vorlegen, der mit einem Barcode versehen ist. So wird registriert und verbucht, wer seinen Obolus entrichtet hat, damit der Kassenstand nachvollziehbar ist.

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