Feuerwehren protestieren still gegen Sparpläne des Landkreises

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Vollbesetzt: 200 Feuerwehrleute hatten sich in der Fahrzeughalle der Northeimer Wehr eingefunden.

Northeim. Über 200 aktive Feuerwehrleute haben am Donnerstag mit einem stillen Protest verdeutlicht, dass sie sich von den Sparplänen des Landkreises Northeim vor den Kopf gestoßen fühlen.

Kreisbrandmeister Bernd Kühle vermied das Wort Protest zwar geflissentlich und sprach lieber von einer Info-Veranstaltung, doch die Absicht war nicht zu übersehen: Die massive Verärgerung in der Feuerwehr über die Sparvorschläge sollte deutlich gemacht werden.

Wie berichtet, gibt es eine Vorlage für den Kreistag, nachdem der Landkreis keine Großfahrzeuge mehr für die Kreisfeuerwehr beschaffen will und darüber nachdenkt, die kreiseigene Feuerwehr abzuschaffen, weil sie dafür nach der Rechtsprechung „weder berechtigt noch verpflichtet“ sei. Der Landkreis müsse nur die Feuerwehrtechnischen Zentralen unterhalten und die Kreisfeuerwehrbereitschaften koordinieren.

Darüber soll am Montag, 2. November, im Finanzausschuss des Kreises und am Freitag, 6. November. im Kreistag debattiert werden. Getragen wird der Vorschlag von SPD, Grünen, FDP und „Gemeinsam für Einbeck“.

Kühle hatte auch die Bürgermeister aller Kommunen aus dem Landkreis eingeladen. Von den Amtsträgern erschienen allerdings nur die Bürgermeister Jens Meyer (Kalefeld), Uwe Ahrens (Katlenburg-Lindau) und Dr. Sabine Michalek (Einbeck). Die anderen ließen sich von führenden Verwaltungsmitarbeitern vertreten. Von der Kreisspitze kam niemand.

Kühle warnte vor den massiven Streichungen, weil sie die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr und die Motivation der ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden stark gefährden würden. Der Landkreis habe mit den Bahnstrecken und der Bundesautobahn Verkehrswege mit einem hohen Gefahrenpotential abzudecken.

Besonders erbost ist er darüber, dass die Streichungspläne über die Köpfe der Feuerwehr hinweg aufgestellt wurden. „Man redet nicht mit, sondern über uns.“ Vernünftigen Sparvorschlägen würde sich die Feuerwehr nicht verweigern.

Katlenburg-Lindaus Bürgermeister Uwe Ahrens nannte das Vorgehen „kontraproduktiv“. Man sollte lieber Sparziele definieren und dann mit der Feuerwehr reden. Sein Kalefelder Amtskollege Jens Meyer, der der SPD-Kreistagsfraktion als beratendes Mitglied angehört, sagte, man täte gut daran, erst einmal die rechtlichen Fragen zu klären. „Danach müssen sich alle Beteiligten unterhalten.“ Seiner Meinung nach sollte die Feuerwehr bei der Spardebatte im Kreistag draußen gelassen werden.

Der Vorsitzende des Kreisbrandschutzausschusses, Karl-Heinz Hagerodt (CDU), warnte davor, zum „Totengräber der Kreisfeuerwehr“ zu werden, einer Organisation, die sich seit 40 Jahren bewährt habe. Der Kreistagsabgeordnete der Grünen, Jens Hampe, bezeichnete die Kürzungspläne als Vorschläge der Verwaltung. Es sei nichts entschieden. (zhp)

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