Weite Wege für den Corona-Piks

Northeimer Landrätin vom Start der Impfterminvergabe enttäuscht

Astgrid Klinkert-Kittel
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Astgrid Klinkert-Kittel

Zum Start der Terminvergabe für Corona-Impfungen gab es viel Kritik

Northeim – Bei der Art und Weise, wie Termine für die Corona-Impfung vergeben werden, wird der Landkreis Northeim vollkommen die Übersicht über die Impfquote der Einwohner verlieren. Diese ernüchternde Bilanz hat Landrätin Astrid Klinkert-Kittel gestern über den Start der Terminvergabe über das Impfportal des Landes Niedersachsen gezogen.

Von den 180 Terminen, die das Northeimer Impfzentrum zu vergeben hatte, seien nur 45 an Personen aus dem Landkreis gegangen, teilte die Kreisverwaltung mit. Demnach würden ab dem 8. Februar, in der Northeimer Stadthalle auch Impfberechtigte aus den Landkreisen Hildesheim, Göttingen, Hameln-Pyrmont, Holzminden, Goslar und Hannover geimpft. Dies hänge damit zusammen, dass die Interessenten bei der Terminvereinbarung je nach Verfügbarkeit wählen können, wo sie sich impfen lassen können. Insofern seien die 50 niedersächsischen Impfzentren als Netzwerk zu sehen, das den Impfwilligen zur Verfügung steht.

„Den sich daraus ergebenden Impftourismus sehe ich, gerade auch in Pandemie-Zeiten, äußerst kritisch“, so Klinkert-Kittel.

Der Landkreis Northeim bittet im Zusammenhang mit dem Start der Impfterminvergabe alle Impfwilligen, nicht das Impfzentrum in der Northeimer Stadthalle aufzusuchen, um dort einen Termin zu buchen oder sich direkt impfen zu lassen. Beides sei so nicht möglich, da die Vergabe von Terminen ausschließlich über das Land Niedersachsen möglich ist – und zwar unter Tel. 0800/99 88 665 oder per Internet auf der Seite impfportal-niedersachsen.de.

Aus Sicht von Dr. Immo Lawaczek, der bis zum Jahr 2000 in Northeim praktizierender Arzt für Sport- und Allgemeinmedizin war und sich bereit erklärt hat, die Impfkampagne im Northeimer Impfzentrum zu unterstützen, ist die Vorgehensweise des Landes Niedersachsen in Sachen Corona nicht nachvollziehbar.

Er selbst habe am Donnerstag von morgens um 8 Uhr bis nachmittags um 15 Uhr gebraucht, um bei der Hotline durchzukommen, berichtet der 82-Jährige. Dort habe er dann die Auskunft erhalten, dass das Impfzentrum Northeim überhaupt nicht auf der Liste stehe und er sich allenfalls bei den Zentren in Herzberg oder Göttingen auf die Warteliste setzen lassen könne.

„Die Politik hatte fast ein Jahr lang Zeit, das Impfen vorzubereiten“, gibt Lawaczek zu bedenken und macht seinem Ärger Luft: „Das ganze Chaos ist doch ein Fall für die Staatsanwaltschaft, schließlich geht es hier um Menschenleben.“

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