Kommunen bereiten sich auf Delta-Variante vor

Schulen des Landkreises Northeim sollen mit Lutfiltergeräten ausgestattet werden

Luftreinigungsfiltergeräte sollen in Klassenräumen von kreiseigenen Schulen zum Einsatz kommen.
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Luftreinigungsfiltergeräte sollen in Klassenräumen von kreiseigenen Schulen zum Einsatz kommen.

Die Northeimer Kreisverwaltung hat vor dem Hintergrund der Ausbreitung der Delta-Variante ihre Haltung zu Luftfiltergeräten in Schulen gändert.

Northeim - Mit der Anschaffung von mobilen Luftfiltern will sich der Landkreis Northeim darauf vorbereiten, falls aufgrund der Delta-Variante des Corona-Virus nach dem Ende der Sommerferien die Rückkehr zum normalen Schulunterricht noch nicht möglich sein sollte. Das teilte Landkreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer auf HNA-Anfrage mit. Damit vollzieht die Kreisverwaltung eine Kehrtwendung. Bisher hatte sie sich gegen Luftfiltersysteme in Klassenräumen ausgesprochen, unter anderem weil diese zu laut seien.

Bereits seit Beginn des Jahres habe man Möglichkeiten zur Reduzierung der Virenlast durch den Einsatz von Luftfiltergeräten untersucht, so Niemeyer. Aktuell zeichne sich der jetzt auch tatsächlich so ab. Bereits in der kommenden Sitzung solle nun der Kreistag Haushaltsmittel zur Verfügung stellen, um die Räume der kreiseigenen Schulen auszustatten, die von Schülern unter 12 Jahren, für die es noch keine zugelassenen Impfstoffe gebe, genutzt werden.

Wie bereits im Vorfeld der nächsten Sitzung des Kreisausschusses bekannt wurde, soll dem Kreistag vorgeschlagen werden, einen Teil der Unterrichtsräume mit den von der Stadt Göttingen als geeignet eingestuften Systemen (wir berichteten) auszustatten. Kosten: rund 255 000 Euro. Eine Ausstattung der fast vollständig auf Fensterlüftung ausgerichteten Unterrichtsräume mit raumlufttechnischen Anlagen ist aus Sicht der Kreisverwaltung aber ausgeschlossen, da dies nicht in dem erforderlichen Zeitrahmen umsetzbar wäre.

Diese Einschätzung teilt auch Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD). Die Stadt begrüße zwar das Kinder- und Jugendprogramm „Startklar in die Zukunft“ des Landes, das 20 Millionen Euro für die technischen Anlagen wie Fensterventilatoren oder automatisierte Lüftungen bereitstellt, so der Verwaltungs-Chef. Die kurzfristige Umsetzung des Förderprogramms werde aber kaum möglich sein, da es an Betrieben und Fachkräften fehle, die solche Anlagen schnell einbauen könnten. Daher seien die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen weiter streng zu beachten. An den sechs Grundschulen in Trägerschaft der Stadt Northeim soll auch nach den Sommerferien zumindest bis Ende September weiterhin die Testpflicht gelten. „Wir beobachten die Situation sehr aufmerksam und werden den zu Beginn der Pandemie gebildeten Corona-Stab fortsetzen, um die jeweils aktuelle Situation in den Bildungseinrichtungen zu bewerten und ohne Hektik agieren zu können“, so Hartmann.

Auch der Uslarer Bürgermeister Torsten Bauer sieht seine Stadt dafür gewappnet, dass es für die vier Grundschulen im Uslarer Land nach den Ferien coronabedingt nicht mit normalem Unterricht losgehen könnte. „Wir hoffen natürlich, dass dieser Fall nicht eintritt“, sagt Bauer, betonte aber, dass man aufgrund der Erfahrungen aus dem vorigen Lockdown wisse, wie man die Situation im Hinblick auf den digitalen Unterricht und die Betreuung der Schüler besser gestalten könne. Insbesondere im Bereich des Ausbaus der W-Lan-Strukturen gebe es noch Verbesserungsbedarf, aber diesbezüglich habe man sich im Uslarer Land für die Sommerferien viel vorgenommen. Verbessert habe sich vor allem die Personallage in den Schulen, weil inzwischen viele Lehrkräfte geimpft seien.

Der Flecken Nörten-Hardenberg hat aufgrund der möglichen raschen Ausbreitung der Delta-Variante vorsorglich bereits eine Machbarkeitsstudie zum Einbau von raumlufttechnischen Anlagen in ihre Schulen in Auftrag gegeben. Das teilte Bürgermeisterin Susanne Glombitza mit. Grundsätzlich stelle aber der eingeschränkte Regelbetrieb im Szenario A die Ausgangslage für das kommende Schuljahr dar, so die Verwaltungs-Chefin. „Der Wechsel zu Szenario B oder C beziehungsweise umgekehrt erfolgt regional auf Weisung des Landkreises Northeim, sodass die Schulträger keinen Einfluss auf diese Entscheidung haben.“ Das nach den Sommerferien beginnende Schuljahr werde zurzeit aber im Hinblick auf das aktuelle Infektionsgeschehen mit der Johann-Wolf-Schule intensiv geplant.

An der Grundschule Hardegsen wird nach Auskunft von Bürgermeister Michael Kaiser derzeit die Fortsetzung der wöchentlichen Testungen für den Schulstart nach den Ferien vorbereitet. „Der Betrieb der Schule lief in allen Szenarien bislang reibungslos“, sagt Kaiser und betont, dass man in einem regelmäßigen Austausch mit der Schulleitung stehe. Demnach sollen die sogenannten Kohorten nach Jahrgängen auch nach den Ferien weiterhin getrennt werden. Außerdem sollen im Schulgebäude mit Ausnahme der Klassenräume weiterhin Masken getragen werden. „Die Einschulung wird mit Hygienekonzept und nur über persönliche Anmeldung zu möglichen Nachverfolgung laufen“, so Kaiser weiter. „Hier helfen die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr.“ Hinsichtlich der Lüftungssituation bleibe weiterhin das vorgeschrieben Lüftungskonzept erste Wahl.

Laut Bürgermeister Uwe Ahrens wird auch die Gemeinde Katlenburg-Lindau für den Schulstart nach den Sommerferien auf „bewährte Maßnahmen“ zurückgreifen. Die Anschaffung von mobilen Luftfiltern sei derzeit nicht vorgesehen, und es gebe auch keine Planungen dafür, Lüftungssysteme in die Burgbergschule einzubauen. Trotz der bereitgestellten Förderprogramme ließe sich eine solche Maßnahme nicht kurzfristig umsetzen.

Die Moringer Bürgermeisterin Heike Müller-Otte hofft, dass sich in den kommenden Wochen möglichst viele Menschen impfen lassen, sodass eine weitere Welle nicht stattfindet. Wie auch immer die Situation am Ende der Sommerferien sei, werde man das mit den bekannten Regeln in den Griff bekommen. Langfristig setze die Stadt Moringen auf dezentrale Lüftungsmöglichkeiten für die Löwenzahnschule. Derzeit sei man dabei, die Beantragung entsprechender Fördergelder vorzubereiten.

Die Gemeinde Kalefeld wird sich laut Bürgermeister Jens Meyer auf die Umsetzung der Maßnahmen konzentrieren, für die die Gemeinde als Schulträger verantwortlich ist, wie zum Beispiel die Trennung von Ein- und Ausgängen. Auf Landesebene gebe es zwar Überlegungen, wie man einer Ausbreitung der Delta-Variante begegnen könne, definitiv sei da jedoch noch nichts bekannt. „Im Übrigen obliegen Regelungen, was Maßnahmen und Unterrichtsformen betrifft, der Landesschulbehörde beziehungsweise dem Kultusministerium“, so Meyer.

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