Kriminalstatistik 2019 vorgestellt

Weniger Einbrüche aber mehr Straftaten im Online-Handel im Landkreis Northeim 

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Übers Internet gehandelte Plagiate: Polizeidirektor Michael Weiner (links) und erster Kriminalhauptkommissar Jens Risting zeigen gefakte Smartphones, die eine Bande aus dem Raum Gandersheim heraus übers Internet verkauft hatte, Schadenssumme dabei: 1,7 Millionen Euro. 

Ein deutlicher Rückgang von 20 Prozent an Wohnungseinbrüchen, aber auch eine Zunahme von rund zehn Prozent an Internet-Betrügereien, das ist das Fazit der Kriminalstatistik 2019 für den Landkreis Northeim.

Die Statistik wurde jetzt der Öffentlichkeit vorrgestellt. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten im Kreisgebiet im vorigen Jahr leicht und auch bedingt durch die Internet-Fälle um 1,5 Prozent auf 6749 angestiegen.

Im Zehnjahresvergleich bleibe die Kriminalitätsrate innerhalb der Polizeiinspektion Northeim allerdings weiterhin auf einem niedrigen Niveau, bilanzierte der neue Inspektionschef, Michael Weiner. Besonders hervor hob der Polizeidirektor hohe die Aufklärungsquote für den Landkreis Northeim. Weiner: „Sie liegt bei 68,9 Prozent und war insgesamt noch nie so hoch wie im 2019.“ Zum Vergleich: Die Aufklärungsquote landesweit liegt nur bei 63,4 Prozent.

Als erfreulich bezeichneten Weiner und und der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, Jens Risting, den Rückgang der Wohnungseinbruchs-Diebstähle. Deren Zahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 31 Fälle auf 82. Damit liege der Landkreis Northeim im Bundestrend.

Unabhängig davon habe man die Aufklärungsquote in diesem Bereich mit 40,2 Prozent mehr als verdoppelt können. Dieser Erfolg sei insbesondere durch die Aufklärung von Serieneinbrüchen möglich gewesen. So habe man zum Beispiel Anfang 2019 eine Tätergruppe festgesetzt, denen zehn Einbrüche im Bereich Höckelheim, Northeim, Nörten und Sudheim zugeordnet werden konnte. Im Oktober habe es nach einer Verfolgung im Raum Hettensen mit einer Festnahme gegeben, den Tätern konnten vier Taten im Raum Hardegsen-Hettensen sowie weitere im Kreis Göttingen zugeordnet werden. In beiden Fällen handelte es sich um albanische Banden. Im ersten Fall seien zwei Haupttäter zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Zum Thema machte die Führungsspitze der Northeimer Polizeiinspektion Betrugsstraftaten übers Internet. Inzwischen würden rund ein Drittel (355 Fälle) aller Betrugsstraftaten mit dem Tatmittel Internet begangen, sagte Risting. Insgesamt habe es einen Anstieg in diesem Bereich von zehn Prozent auf insgesamt 1031 Fälle gegeben. Aber auch die Aufklärungsrate habe man steigern können. Sie lag immerhin bei 81 Prozent, darunter ein spektakulärer Fall einer Tätergruppe aus Bad Gandersheim mit einer Schadensumme von 1,7 Millionen Euro..

Bei den Gewalttaten im Landkreis gab es kaum Veränderungen zum Vorjahr. Insgesamt habe es laut Jens Risting 831 Fälle von Körperverletzung gegeben, 267 davon seien schwerer Art gewesen. Es habe aber keinen Todesfall gegeben.

Enkeltrick und falsche Polizisten

Ein besonderes Augenmerk lege die Inspektion auf die Prävention im Hinblick auf das immer größer werdende Feld der Betrugsmaschen wie „Enkeltrick“ oder „falsche Polizeibeamte“, denen vorrangig ältere Menschen zum Opfer fielen.

In einem Fall hätten Betrüger einen über 80-jährigen Einwohner des Landkreises telefonisch dazu gebracht, zum Schutz vor reisenden Einbrecherbanden sein Bargeld der Polizei zu übergeben. Er deponierte einen niedrigen fünfstelligen Betrag in einem Umschlag vor der Haustür. Die Betrüger holten es unerkannt ab. Erst als er am nächsten Tag nochmal 30 000 Euro hinterlegen sollte, wandte er sich der Rentner an einen Nachbarn, der die Polizei einschaltete.

Wichtig bei der Bekämpfung dieser perfiden Betrugsmasche sei der Polizeiinspektion Northeim die Aufklärung. Dies beinhalte eine intensive Zusammenarbeit mit örtlichen Banken, Präventionsvorträge bei den Zielgruppen und auch persönliche Ansprache der Bürger zum Beispiel auf Wochenmärkten, sagte Jens Risting.

Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte nimmt zu

Die Anzahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte ist im vorigen Jahr um zehn Prozent auf 53 Taten gestiegen. Auch das steht in der Kriminalstatistik 2019 für den Landkreis. Verletzt wurde dabei allerdings niemand. Auch Rettungskräfte aus der Feuerwehr oder dem Rettungswesen würden zunehmend angegriffen. Im vorigen Jahr gab es acht Fälle.

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