Armin Töpperwien (FuL) und Eckhard Ilsemann (FDP) werfen Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) Versäumnisse vor

Widerstand gegen Windpläne

Hier sind die Windkraftanlagen geplant: An der A7 (im Vordergrund) zwischen Freizeitsee und Höckelheim (rechts im Hintergrund).
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Hier sind die Windkraftanlagen geplant: An der A7 (im Vordergrund) zwischen Freizeitsee und Höckelheim (rechts im Hintergrund). Im Hintergrund Northeim und der Wieter.

Der FuL-Ratsherr Armin Töpperwien (Höckelheim), hat in der jüngsten Hybrid-Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt eine neue Diskussion um den Bau von Windenergieanlagen (WEA) losgetreten.

Northeim – „Die Planungen sind ein Horrorszenario für Höckelheim, Hollenstedt, Stöckheim und große Teile der Northeimer Kernstadt“, sagte er. Für den Bau von WEA hat der Landkreis Northeim einen Entwurf vorgelegt, wo Vorranggebiete ausgewiesen werden sollen (wir berichteten).

FuL-Ratsherr Armin Töpperwien

Unterstützt wurde Töpperwien insbesondere von Eckhard Ilsemann (FDP, Kernstadt), der der Stadtverwaltung massive Versäumnisse vorwarf. Er befürchtet sogar, dass noch mehr Flächen mit Anlagen bebaut werden könnten, als im Entwurf des Regionalen Raumordnungsplanes (RROP) des Landkreises vorgesehen sind. Seinen Worten zufolge, liefen „überall“ Investoren herum und würden Landeigentümer auf in Frage kommende Grundstücke ansprechen.

Armin Töpperwien forderte vorrangig, dass die ausgewiesenen WEA-Flächen im RROP-Entwurf auf „ein notwendiges Maß deutlich reduziert“ werden. „Das Ziel des Landkreises, einzelne Gebiete nicht zu überlasten, ist völlig verfehlt.“ Er begründete diese Einschätzung damit, dass von den 1600 Hektar ausgewiesenen Potenzialflächen im Landkreis mit 548 Hektar allein 34 Prozent im Gebiet der Stadt Northeim lägen und davon wiederum 383 Hektar im Bereich von Höckelheim, Hollenstedt und Stöckheim.

Seinen Berechnungen zufolge könnten auf diesen Arealen rund 50 Anlagen mit einer Höhe von 250 Metern an der Rotorblattspitze entstehen. Das entspräche der vierfachen Höhe der St. Sixti-Kirche.

Töpperwien forderte darüber hinaus, die Ausweisung der Flächen östlich der Autobahn A7 – im Bereich der Ortschaft Höckelheim – müsse aus dem RROP herausgenommen werden: „Dort liegt das einzige Naherholungsgebiet des Ortes. Auch die Weiterentwicklung von Höckelheim kann nur Richtung Westen erfolgen.“

Um dieses „Horrorszenario“ zu verhindern und die Anzahl der WEA auf ein erträgliches Maß zu verringern, waren Töpperwien und llsemann sich einig, dass dies nur gelingen könne, wenn die Stadt umgehend ein avifaunistisches (vogelkundliches) Gutachten in Auftrag gäbe. Töpperwien: „Das ist vom Rat schon lange beschlossen.“ Ilsemann: „Das ist die einzige Möglichkeit.“

FDP-Ratsherr Eckhard Ilsemann

Diese Erkenntnis hätten andere Kommunen schon gehabt, so Ilsemann – und ironisch an die Adresse der Stadt gerichtet: „Schlafen ist doch wunderbar.“ Mit der Unterschrift unter dem Kooperationsvertrag mit dem Landkreis über die Ausweisung von Vorranggebieten habe „die Stadt die Sache aus der Hand gegeben – für ein paar, die richtig abkassieren in einem windschwachen Gebiet.“

Bürgermeister Simon Hartmann (SPD)

Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) versuchte, Druck aus dem Kessel zu nehmen. Er verwies darauf, dass das Beteiligungsprogramm für das RROP, das vor dessen endgültigem Inkrafttreten noch durchlaufen werden muss, noch gar nicht gestartet sei. Die Stadt begleite den Prozess „sehr aufmerksam“.

Ausschussvorsitzender Dietmar Kahler (SPD) sagte auf den Vorstoß von Töpperwien, eine Sondersitzung zu diesem Thema anzuberaumen, sei in seiner Fraktion noch nicht gesprochen worden.

Verfolgt wurde die Sitzung aufmerksam von Martin Siemann vom Investor Windwärts aus Hannover. Weil er als Zuhörer kein Rederecht in der Sitzung hat, bot er über das Chatprogramm der Hybridsitzung an, im Nachgang zu Gesprächen zur Verfügung zu stehen. (Hans-Peter Niesen)

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