Welle der Hilfsbereitschaft

Wochenende nach der Grenzöffnung 1989: Invasion der Trabbis in Northeim

Voller Bahnsteig: Am Sonntag, 12. November traf der erste Zug aus Nordhausen am Northeimer Bahnhof ein. Rund 350 Menschen nutzten die wieder eröffnete Schienenverbindung am ersten Tag. Die Strecke konnte so schnell reaktiviert werden, weil die Gleise an der Grenze zwischen Walkenried und Ellrich nicht gekappt worden waren. Güterzüge, vor allem Kali-Transporte, waren dort aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen.

Northeim. Eine Flut von Besuchern aus der DDR bescherte die Grenzöffnung vor 25 Jahren der Stadt Northeim. Die Landsleute aus dem anderen deutschen Staat füllten am Wochenende 11./12. November 1989 die Innenstadt.

Neben dem Begrüßungsgeld von 100 D-Mark pro Person, dem verlockenden Warenangebot des Westens wartete auf die Menschen, die vornehmlich aus dem Raum Nordhausen und dem Obereichsfeld kamen, eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Eine ganze Reihe von Hilfsorganisationen gaben am Bahnhof und in der Innenstadt kostenlos Obst und heiße Suppe, aber auch Winterkleidung aus. Einige Northeimer luden DDR-Bürger auch zu sich nach Hause zu Kaffee und Kuchen ein.

Andrang: Überall gab es besondere Angebote für die Besucher, so auch bei Wilvorst. Das Unternehmen verschenkte Anzüge, Sakkos und Hosen

An den Ausgabenstellen für das Begrüßungsgeld, dem Rathaus am Zwinger und der Hauptpost, bildeten sich bis zu 50 Meter lange Schlangen. Das Geld blieb aber zumeist in der Stadt. Viele setzten es schnell in Waren um. Vor allem Unterhaltungselektronik, aber auch Kleidung und Obst standen hoch im Kurs.

Der Ansturm hielt die nächsten Tage und Wochen an. So zählten die Begrüßungsgeldausgabestellen am zweiten Wochenende nach der Grenzöffnung, 18./19. November, in Northeim 2457 Personen, die sich ihre 100 D-Mark auszahlen ließen.

Angetan waren die Gäste aber nicht nur vom begehrten Westgeld und dem üppigen Warenangebot. Viele lobten auch das schöne, saubere Northeimer Stadtbild sowie die Freundlichkeit der Menschen.

Von Olaf Weiss

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