Landwirte beklagen fehlende Chancengleichheit in Europa 

Die Zuckerrübe ist im Landkreis Northeim in Gefahr

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Sauerstoff- und Zuckerlieferant: Dirk Wollenweber und Hartmut Ropeter zeigen eine Zuckerrübe.

Die Zukunft der Zuckerrübe in der Region ist fraglich. Wenn sich die finanziellen Bedingungen des Anbaus nicht verbessern, könnte sich der Anbau bald nicht mehr lohnen.

Das haben Dirk Wollenweber, Geschäftsführer des Zuckerrübenanbauerverbandes Südniedersachsen, und Rübenanbauer Hartmut Ropeter aus Gladebeck im Gespräch mit der HNA betont.

Den Preis von rund 30 Euro pro Tonne Zuckerrüben kann Abnehmer Nordzucker nur zahlen, weil das Unternehmen aus seinen Rücklagen Geld zuschießt. Gemessen am Weltmarkt sei ein solcher Preis nicht möglich. Auf diese Art Verlust zu machen, kann sich Nordzucker aber nach ihren Worten nur noch maximal fünf Jahre leisten.

Bei sinkenden Preisen sei der Zuckerrübenanbau für die Landwirte dann nicht mehr lohnend. Die Folge wäre, dass die Rüben, die derzeit auf 15 Prozent der Ackerflächen angebaut werden, verschwinden.

Forderung an die Politik

Wollenweber und Ropeter hoffen zwar, dass sich in den nächsten Jahren das Überangebot an Zucker, das nach dem Wegfall der Kontingentierung in der EU entstanden sei, wieder abnehme und sich damit auch die Preise für Nordzucker etwas erholen. Gleichwohl appellieren sie an die Politik in Berlin, darauf zu drängen, dass Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU beseitigt werden. Landwirte in anderen EU-Länder könnten deutlich günstiger produzieren, da dort in Deutschland längst verbotene Pflanzenschutzmittel durch Sonderzulassungen nach wie vor verwendet werden dürfen.

Auch förderten andere Länder den Zuckerrübenanbau mit bis zu 500 Euro pro Hektar, obwohl es innerhalb der EU solche Zahlungen nicht mehr geben sollte.

„Wir wollen gar nicht von unseren Standards runter“, betont Wollenweber. „Aber wir fordern die Politik auf, endlich konsequent für einheitliche Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Zuckermarkt zu sorgen“, ergänzt Ropeter. „Die Rübe ist hier zu Hause.“

Südniedersachsen sei eine der ertragreichsten Regionen im Einzugsgebiet von Nordzucker. Sollte sie hierzulande nicht mehr angebaut werden, würde das auch Auswirkungen auf andere angebaute Kulturen haben. Von Zuckerrüben in der Fruchtfolge profitierten nämlich die nach ihr angebauten Pflanzen. Die auf dem Acker verbleibenden Blätter der Rübe bildeten Humus und ihre tiefen Wurzeln lockerten den Boden auf.

Die Zuckerrübe ist ein wichtiger Sauerstofflieferant

Zuckerrüben sind ein wichtiger Sauerstofflieferant, erklärt Dirk Wollenweber. „Die Zuckerrübe produziert im Jahr mehr als dreimal so viel Sauerstoff wie die gleiche Fläche Wald“, erklärt Rübenanbauer Hartmut Ropeter. „Uns ist es wichtig, der Bevölkerung die Bedeutung der heimischen Zuckerrübe bewusst zu machen“, sagt er. 

Die Rübe binde Kohlendioxid aus der Luft und wandelt es mithilfe der Sonnenenergie in Zucker um und setze Sauerstoff frei. Obwohl sie kaum mehr als ein halbes Jahr auf dem Acker wachsen, liefern die Rüben auf einer Fläche von einem Hektar so viel Sauerstoff, wie 100 Menschen für ein ganzes Jahr zum Atmen brauchen. 

Jetzt im August, während ihrer höchsten Wachstumsphase, liefert jeder Hektar bis zu 150 000 Liter Sauerstoff am Tag, Obwohl nach den Worten von Ropeter und Wollenweber die Rübe im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen den geringsten Wasserbedarf hat und dank ihrer bis zu zwei Meter tiefen Wurzeln auch noch an Wasserreserven komme, die für andere Pflanzen nicht erreichbar sind, werde es wohl in diesem Jahr nur eine unterdurchschnittliche Ernte geben. 

„Die Erträge werden in diesem Jahr nicht an den Schnitt der vergangenen Jahre heranreichen“, sagt Wollenweber voraus. Denn nach zwei trockenen Sommern seien die Wasserreserven im Boden weitgehend erschöpft. Die Zuckerrübe wird laut Wollenweber vor allem für die Zuckerherstellung gebraucht. Die Verwendung in Biogasanlagen und zur Bio-Kraftstoffherstellung werden Nischen bleiben.

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