Investition ist umstritten

Zwei Wildbrücken über A7 entstehen - Projekt kostet 10 Millionen Euro

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Wildbrücke bei Hillerse: Die Tiere sollen hier gefahrlos für Autofahrer und sich selbst die Autobahn 7 überqueren können.

Die beiden Wildbrücken über die Autobahn 7, die im Zuge des sechsspurigen Ausbaus entstehen, kosten zusammen rund zehn Millionen Euro. Das Projekt ist umstritten.

Die Kosten hat der Leiter des Geschäftsbereichs Gandersheim der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Udo Othmar, der HNA auf Anfrage mitgeteilt. Er und der Dezernent für Bauen und Umwelt des Landkreises Northeim, Ralf Buberti, verteidigten die Investition. 

Sie reagierten damit auch auf eine Anfrage, die das CDU-Kreistagsmitglied Carl-Christian von Plate Stralenheim in der jüngsten Kreistagssitzung gestellt hatte. Er wollte von der Kreisverwaltung wissen, wie viel die beiden Brücken gekostet haben, und stellt die Notwendigkeit dieser Investition generell als unverhältnismäßig infrage.

Über ungezählte vorhandene Brücken, Unterführungen, Rahmendurchlässe und Rohre gelange jegliches Getier von der einen zur anderen Seite der Autobahn, heißt es in seiner schriftlichen Anfrage. An den Spuren im weichen Boden oder bei Schnee sei erkennbar, um welche Tiere es sich handele: Fuchs, Hase, Dachs, Waschbären, aber auch Rehe und Wildschweine. 

Kontroverse Debatte

Das beurteilt Buberti gänzlich anders: Die A 7 sei eine nahezu unüberwindbare Barriere, die Tieren einen Seitenwechsel bislang nur an wenigen Durchlässen oder Brücken erlaube, hält er dagegen. Für den genetischen Austausch ist es nach seinen Worten wichtig, dass Tiere die Autobahn überwinden können. 

Im Planfestestellungsverfahren für den Autobahnausbau seien die Wildbrücken-Standorte bei Hillerse und am Harzhorn ausgewählt worden, weil es in unmittelbarer Nähe Waldgebiete gebe, die durchziehenden Tiere Deckung bieten. 

„Der Landkreis Northeim hat als „Transitkreis“ eine sehr große Bedeutung für die Wanderung und damit den genetischen Austausch von seltenen Tierarten, unter anderem der Wildkatze“, betonte Buberti. Die Wildbrücken werden nach seinen Worten auf bedeutenden Verbindungskorridoren aufgestellt, auf denen die Tiere unterwegs seien. 

Nutzung soll überprüft werden 

Wildkatze, Luchs und Kreuzotter, aber auch Feldhase, Fuchs, Dachs, Rot- und Rehwild sowie Hirsche sollen laut des Kreis-Umweltdezernenten die Wildbrücken vor allem nutzen. Nach der Fertigstellung soll 15 Jahre lang überprüft werden, wie stark sie von den Tieren genutzt werden. Erfahrungen mit der Wildbrücke zwischen Roringen und Waake über die B 27, so Udo Othmer, zeigten, dass sie von den Tieren angenommen werden.

Die Wildbrücken, die bei Hillerse und am Harzhorn die Autobahn 7 überspannen sollen, sind mindestens 50 Meter breit geplant – und damit annähernd etwa viermal so breit wie für eine zweispurige Straße. Eine solche Breite ist notwendig, damit sie beispielsweise auch von Hirschen akzeptiert werden. Die Brücken werden außerdem mit Büschen und Sträuchern bepflanzt und an den Außenseiten mit Wänden versehen. 

Weitere Wildbrücken entlang der A 7

Sowohl die Brücke bei Hillerse als auch die am Harzhorn und damit unmittelbar an der Kreisgrenze zum Landkreis Goslar sollen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. 30 Kilometer weiter nördlich zwischen Bockenem und dem Dreieck Salzgitter gibt es bereits eine Grünbrücke für Tiere. 

Im Verlauf der A 7 sind weitere Wildbrücken geschaffen worden, und zwar in Osthessen bei Hünfeld, in der bayrischen Rhön bei Oberthulba (Landkreis Bad Kissingen) und bei Nietheim (Baden-Württemberg) auf der Schwäbischen Alb. Im Zuge des Ausbaus der A7 in Schleswig-Holstein sind ebenfalls zwei Grünbrücken entstanden, nämlich bei Bad Bramstedt und bei Brokenlande.

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