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Northeimer Schüler entwickeln Ideen für die Schule von morgen

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Von: Josefin Schröder

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Junge Frauen und Männer vor Infotafeln
Haben fleißig an Ideen getüftelt: Koordinatorin Doris Waterböhr-Neumann (links), das Presseteam der BBS 1 und Sarah Spschungalla (ganz rechts) von my gatekeeper. © Josefin Schröder

Beim Projekt „Schul-Hackathon“ wurden an der BBS neue Konzepte gesucht

Northeim – Im Medienraum der Berufsbildenden Schule Northeim (BBS 1) ist fast jeder Platz belegt und dennoch ist es ungewöhnlich still. Alle Augen sind gebannt auf die Präsentation gerichtet. Sie zeigt ein Konzept einer Mensa. „Cantina“ nennt die Projektgruppe ihren Entwurf, den sie währen des dreitägigen Schul-Hackathons erarbeitet haben. Applaus ertönt, den Vorschlag finden anscheinend alle gut, denn eine Kantine gibt es an der BBS 1 bisher nicht.

Bei einem Hackathon geht es darum zu einem spezifischen Thema gemeinsam innovative Lösungen in Form von Konzepten, Apps oder (Software-)Produkte zu entwickeln. Genau das haben etwa 75 Schüler der BBS 1 und der Thomas-Mann-Schule gemacht. Unter dem Motto „Schule der Zukunft“ konnten die Jugendlichen in Teams zu Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Gesundheitsförderung überlegen, wie sie ihre Schule mitgestalten wollen. „Der Schulhackathon, gefördert von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, soll den Schülern die Möglichkeit geben, ihre Stimme und ihre Ideen einzubringen, ganz im Sinn des Demokratieprinzips“, erklärt Schulleiter Dirk Kowallick.

Die Vorbereitungen dazu begannen bereits im Frühjahr. Zusammen mit dem gemeinnützigen Verein my gatekeeper erarbeitete ein Team aus sechs Lehrkräften verschiedene Methoden und eine Umfrage, mit der sie die Wünsche der Schüler und Lehrer im Vorfeld abfragten.

Anschließend lautete der Auftrag: „Seid kreativ und nutzt eure Fantasie“, erzählt Doris Waterböhr-Neumann, Abteilungsleiterin der Berufsfachschule. „Dabei sollten sich die Schüler frei von den Kosten und der finanziellen Umsetzbarkeit ihrer Ideen machen“, führt sie weiter aus.

Automaten für Hygieneartikel in den Toiletten, überdachte Motorradstellplätze, umgestaltete Aufenthaltsräume, bepflanzte Dächer – die Ideen sind vielfältig. Bei der Ergebnispräsentation wird schnell klar, was den Schülern wirklich wichtig ist. Vermehrte Sitzgelegenheiten in und um die Schule und vor allem der Wunsch nach einem größeren Essensangebot, idealerweise eine Kantine wird mehrfach genannt.

Mit Präsentationen, digitalen Zeichnungen und kurzen Filmen veranschaulichen die Schüler ihre Projektideen. „Es war interessant, mal etwas ganz anderes machen zu dürfen“, sagt die 18-jährige Angie Antoun. Auch Jovan Maric haben die drei Tage Spaß gemacht, er konnte auf diese Weise neue Mitschüler kennenlernen. Den Schülern soll vermittelt werden, dass es keinesfalls nach den drei Tagen vorbei ist und ihre Ideen vergessen werden, so Sarah Spschungalla von my gatekeeper. Die Impulse sollen, laut Waterböhr-Neumann im Unterricht weiterverfolgt werden.

„Man fragt sich schon, was jetzt passiert und wer sich wirklich dahinter setzt“, äußert die 12-Klässlerin Chiara Luggeri vorsichtig Kritik. Sie habe sich gewünscht, dass jemand vom Landkreis bei der Ergebnispräsentation dabei ist und für Fragen zur Verfügung steht. Der Unmut über die Absage des Landkreis ist auch beim Lehrpersonal spürbar. Größere Sanierungsarbeiten wie der Bau einer Mensa seien ohne den Schulträger nicht möglich, sagt Dirk Kowallick. Projekte wie das Aufstellen von Damenhygiene-Automaten oder weitere barrierefreie PKW-Stellplätze sollen jedoch schnell umgesetzt werden, sagt er.

Doris Waterböhr-Neumann ist stolz auf ihre Schüler, dass sie für sich einstehen und auch Kritik äußern. Nun will sie sich dafür einsetzen, dass auch der Landkreis von den Wünschen und Bedürfnisse der Jugendlichen erfährt. (Josefin Schröder)

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