Trotz Gewinns von 450 000 Euro setzt man auf Risikovorsorge

Null Dividende vom Brauhaus Einbeck

Vorstand, Aufsichtsräte und Notar hinter einem als Bierkästen dekorierten Podest. Im Hintergrund historische Bilder aus der Bierproduktion.
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Dieses Bild sahen die Aktionäre online: Im Schulungsraum der Brauerei saßen (v. l.) Vorstand Martin Deutsch, die Aufsichtsräte Robert A. Depner und Jürgen Brinkmann sowie Notar Wolfgang Borsum mit Abstand voneinander vor den Kameras.

Die Aktionärsversammlung der Einbecker Brauhaus AG fand erstmals virtuell statt.

193 der 1600 Aktionäre hatten sich zur Online-Versammlung angemeldet. Die beschlossen letztlich, dass es f´r 2019 trotz eines Gewinns vor Steuern von fast 450 000 Euro in diesem Jahr keine Dividende geben soll.

Ursprünglich wollte die Einbecker Brauerei nach einem Krisenjahr 2018 wieder eine Dividende zahlen. Bei dem vor einem Jahr prognostizierten Jahresüberschuss im mittleren sechsstelligen Bereich konnte der Brauerei-Vorstand mit genau 449 000 Euro auch Vollzug melden.

Die Hauptversammlung trug jedoch den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat mit, wegen aktuell nicht absehbarer Beeinträchtigungen durch die Corona-Krise den Bilanzgewinn lieber auf neue Rechnung vorzutragen. „Damit ermöglichen sie uns eine Risikovorsorge in Höhe von 249 000 Euro“, sagte Deutsch.

Bierabsatz rückläufig

Vorstand Martin Deutsch bilanzierte das Geschäftsjahr 2019, das Jahr vor der Corona-Krise. Die Brauerei habe sich besser als der rückläufige Biermarkt entwickelt und im vergangenen Jahr insgesamt 539 040 Hektoliter Bier abgesetzt (-3,4 Prozent). Der Absatz der Einbecker-Eigenmarken im Inland betrug 424 624 Hektoliter gegenüber 430 467 Hektoliter im Vorjahr (-1,4 Prozent).

Während die Marke Nörten-Hardenberger sogar ein Plus verzeichnen konnte (+1700 Hektoliter), entwickelte sich der Absatz der Marken Martini/Kasseler mit minus 15 Prozent deutlich negativ. „Die Gründe liegen vorrangig im Imageverlust aufgrund der Produktionsverlagerung nach Einbeck und der Brauereischließung in Kassel“, sagte Deutsch.

Die Einbecker haben mit der Halbliter-Dose die Absatzverluste des Vorjahres beim Mai-Urbock zurückholen können.

Alkoholfrei boomt

Extrem erfolgreich gestartet sind nach den Worten des Brauerei-Vorstandes die vier neuen Produkte im Wachstumssegment der alkoholfreien Getränke. Mit dem Radler alkoholfrei und dem Natur-Radler der Marke Einbecker, dem Zwickl der Marke Nörten-Hardenberger sowie mit den neuen Biermischgetränken „Hopfenfrucht“ (mit Beckers Bester) erfülle man auch die mehrfachen Wünsche der Aktionäre, baue das Sortiment entsprechend der Nachfragetrends um. Ein im Spätsommer 2019 installierter Kammer-Pasteur, in dem komplette Paletten zuckerhaltiger Biermischgetränke wärmebehandelt werden können, mache diese Produkte effizient möglich, berichtete Deutsch. Durch die „Entalkoholisierungskompetenz“ der Einbecker beziehen laut Brauhaus-Vorstand zahlreiche Brauereien in Deutschland wachsende Mengen von alkoholfreiem Bier als Tankbier aus Einbeck.

Ausblick ins Coronajahr

Die Einbecker streben für 2020 ein ausgeglichenes Ergebnis an – „für das Krisenjahr ist das sehr anspruchsvoll“, weiß der Brauereichef. Fehlende Konsumanlässe wie die ausgefallene Fußball-Europameisterschaft, ausfallende Veranstaltungen wie Hoffest oder Eulenfest, zwei Monate geschlossene Gastronomie und ein eingebrochener Fassbierabsatz werden sich bemerkbar machen, selbst wenn jetzt viele Gaststätten wieder eingeschränkt öffnen. Deutsch: „Es wird lange dauern, bis sich Frequenz, Umsatz und Bierabsatz auf das frühere Niveau bewegen.“

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