Nur kranke und schwache Igel retten

Tierarzt: Wildtiere sollten möglichst in ihrem Lebensraum bleiben

Ein Igel ist ein Wildtier und sollte nur dann aufgenommen werden, wenn er wirklich Hilfe benötigt.
+
Ein Igel ist ein Wildtier und sollte nur dann aufgenommen werden, wenn er wirklich Hilfe benötigt.

Nicht jeder Igel, der jetzt im heimischen Garten herumläuft, bedarf der Hilfe. Es sind Wildtiere und die kommen in der Regel selbst klar.

Landkreis Northeim – Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt nur, verletzte oder kranke Igel aufzunehmen. Dennoch, manchmal ist das Eingreifen erforderlich. Zum Beispiel wenn das Tier deutlich unter 500 Gramm wiegt, berichtet Tierarzt Dr.

Hermann Rensing aus Gillersheim, der auch eine Praxis in Katlenburg hat. Doch auch dann gelte es noch zu überlegen, den Igel vielleicht im eigenen Garten aufzupäppeln. Es sei immer besser, ihn im eigenen Lebensraum zu belassen.

Tierarzt Hermann Rensing

Er empfiehlt, den Tieren einen Laubhaufen im Garten zu schaffen, ihnen Katzennassfutter, Ei, gebratenes Rinderhack, Avocado und Bananen anzubieten. Zudem eine Schale mit frischem Wasser. Auf gar keinen Fall dürfe den Tieren Milch angeboten werden, denn die würden Igel nicht vertragen und Durchfall bekommen.

Anders ist es, wenn ein Tier wirklich krank ist, dann braucht es Hilfe. Um das festzustellen, rät Rensing, den Igel genau zu beobachten. Ist der Igel taumelig? Hat er im Nacken eine Falte? Weist es eine Verletzung auf? Ist das Stachelkleid struppig? Das alles seien Anzeichen, dass dem Tier geholfen werden muss. Oft weisen die Igel Lungenwürmer und Zecken auf, oft müssten sie auch entfloht werden, so Rensing.

Die kranken Tiere seien meist Nachzügler, die es ohne Hilfe nicht durch den Winter schaffen würden. Doch wer ein Tier aufnimmt, müsse sich auch der Verantwortung bewusst sein, die er damit übernimmt, so Rensing. Dazu gehöre, sich das nötige Fachwissen anzueignen, den Igel aufzupäppeln und im eigenen Keller durch den Winter zu bringen. Die komplizierte Biologie der Igel macht eine fachgerechte Betreuung unbedingt erforderlich, soll der aufgenommene kleine Patient nicht allein den Winter überleben, sondern sich auch später wieder in seinem Lebensraum behaupten können, informiert auch der Landkreis Northeim auf seiner Homepage.

Leider meinen es viele Leute mit ihrer Liebe und Fürsorge für vermeintlich kranke Igel zu gut und schaden ihnen durch Mangel an Informationen mit falschem Verhalten und oft tödlich endenden „Rettungsaktionen“, heißt es dort weiter. Über eine eigene offizielle Igel-Aufnahmestation verfügt der Landkreis Northeim aber nicht.

Auch das Northeimer Tierheim nimmt nach Angaben der 2. Vorsitzenden Carina Spörndli keine Igel auf: „Aber die Tierpfleger helfen gern mit Tipps weiter.“

Weitere Tipps gibt es bei der „Aktion Tier Igelzentrum“ in Laatzen (aktiontier-igelzentrum.org) oder beim Igelschutzverein (pro-igel.de). Eine Übersicht über private Pflegestellen gibt es unter anderem auch bei Facebook unter „Igelpflegestellen“. (Von Rosemarie Gerhardy)

Igel sind besonders geschützte Art

Igel gehören nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten. Es ist demnach verboten, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Zulässig ist es jedoch, verletzte oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesundzupflegen und dann wieder auszuwildern. ( rom)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.