Ohne Wissen kein Jagdschein

Bei Jägerprüfung durchgefallene Frau scheitert mit Klage

Rehbock und Ricke.
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Rehbock und Ricke: Unter anderem an der Unterscheidung der Winter- und der Sommerdecke (= Fells) der Tiere war die Klägerin gescheitert.

Wer in Deutschland auf die Jagd gehen möchte, muss sich in der heimischen Tierwelt auskennen.

Northeim / Göttingen – Man sollte zum Beispiel weibliche und männliche Rehe voneinander unterscheiden können, die Unterschiede zwischen deren Sommer- und Winterhaarkleid kennen und auch einiges über die Lebensweise der Füchse wissen. Eine junge Frau aus dem Landkreis Northeim hatte auf diesem Gebiet allerdings offenbar einige Wissenslücken und war deshalb durch die Jungjägerprüfung gefallen. Weil sie dieses Ergebnis nicht akzeptierte, zog sie vor das Verwaltungsgericht Göttingen. Dort fiel sie allerdings wieder durch: Die Bewertung der Prüfung sei nicht zu beanstanden, urteilten die Richter (Aktenzeichen 2A 234/18).

Die 2001 geborene Klägerin hatte ihre Jungjägerprüfung zwischen November 2017 und April 2018 absolviert. Im Mai 2018 teilte ihr der Landkreis Northeim mit, dass sie im Fachgebiet 1 mit einer schlechteren Note als ausreichend bewertet worden sei und deshalb die Prüfung nicht bestanden habe. Das betreffende Fachgebiet „Dem Jagdrecht unterliegende und andere frei lebende Tiere“ habe einen besonders hohen Stellenwert.

Es sei zu prüfen, ob der Bewerber die erforderliche Sachkunde besitze, die bei der praktischen Auseinandersetzung mit dem heimischen Wild notwendig sei. Die Kenntnisse der Tierwelt seien vorrangige Pflichten eines jeden Jagdscheininhabers.

Die durchgefallene Bewerberin wollte den Landkreis als Jagdbehörde gerichtlich dazu verpflichten, sie die Jägerprüfung im Fachgebiet 1 im mündlich-praktischen Teil wiederholen zu lassen. Sie begründete ihre Klage damit, dass in dem Prüfungsprotokoll die ihr gestellten Fragen nicht richtig wiedergegeben seien. Hätte man ihr die dort aufgeführten Fragen gestellt, hätte sie diese auch richtig beantwortet.

In dem Protokoll ist angegeben, dass die Klägerin die ihr vorgelegten Präparate fast alle nicht erkannt habe. Sie habe oft fragend dagestanden und nur geraten – und dann falsch. Unter anderem bemängelten die Prüfer: „Rehwilddecken Sommer/Winter nicht erkannt“, „Rehwild anhand Bilder nicht erkannt“, „Jungfuchslebensweise Geburt/Tragzeit – nichts! Specht nicht erkannt.“

Zweieinhalb Jahre später befasste sich das Gericht mit dem Fall und wies die Klage als unbegründet ab. Um zu prüfen, ob es womöglich Verfahrensfehler gegeben hatte, hatte die Kammer zu der mündlichen Verhandlung die damaligen Prüfer der Jungjägerprüfung geladen.

Nach Ansicht der Richter lässt sich nicht nur aus dem Protokoll, sondern auch aus den Aussagen und den Notizen der Prüfer zweifelsfrei entnehmen, dass der Klägerin damals Rehwilddecken vorgelegt worden waren, die sie nicht habe zuordnen können.

Alle drei Zeugen gaben an, dass sie Fragen nach dem Rehwild nicht habe beantworten können. Nach Angaben eines Prüfers sei die Unterscheidung von Sommer- und Winterdecken wichtig, weil Böcke früher im Winter nicht geschossen werden durften.

Die Kammer war nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass der Klägerin auch Fragen zum Specht und zum Fuchs gestellt worden waren, die sie nicht richtig beantworten konnte. Somit hätten diese Fragen auch in die Bewertung einfließen dürfen, ein Bewertungsfehler liege daher nicht vor.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Klägerin kann einen Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg stellen.  (pid)

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