Roy Kühne, Monika Nölting und Lukas Seidel

Rollstuhl-Test der Fußgängerzone: Pflaster wird zur Tortur

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Anstrengend: Das Kopfsteinpflaster in der Mitte von Northeims Fußgängerzone ist für Rollstuhlfahrer eine Herausforderung. Für den ungeübten Dr. Roy Kühne (Bild), der sonst nicht im Rollstuhl sitzt, war die Tour äußerst kraftraubend.

Northeim. Das ohnehin holprige und durch viele Verwitterungsschäden zudem noch vermehrt löcherige Kopfsteinpflaster der Northeimer Fußgängerzone stellt für Rollstuhlfahrer eine kraftraubende Herausforderung dar.

Das ist das Fazit des Northeimer CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne nach seiner zweiten Befahrung der Northeimer Innenstadt im Rolli.

Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte der CDU-Politiker die Rollstuhlfreundlichkeit der Northeimer City und der Innenstadtgeschäfte getestet. Jetzt folgte die erneute Befahrung, erstmals in seiner neuen Funktion als Bundestagsabgeordneter. Begleitet wurde der 46-Jährige auch dieses Mal von Monika Nölting, Vorsitzende des Northeimer Beirates für Menschen mit Behinderung und Lukas Seidel, Vorsitzender des Northeimer Rollstuhlclubs.

„Es ist ziemlich kompliziert mit dem Rollstuhl durch Northeim zu fahren“, betonte Kühne noch während seiner Fahrt übers Pflaster. Besonders der Kraftaufwand, den man aufzubringen habe, sei enorm.

Bei ihrer erneuten Tour durch die Northeimer Innenstadt ging es den drei mit Rollis ausgerüsteten Testern jedoch nach eigenem Bekunden nicht nicht nur um Rollstuhl und Rampen. Kühne: „Es geht darum, wie wir mit dem Thema Beeinträchtigung umgehen.“ So hätten an den Rollstuhl gebundene Menschen vom Raumerlebnis her auch mit akustischen und visuellen Beeinträchtigungen zu kämpfen.

Verbesserungen

Positiv resümierten die drei Tester, dass viele Geschäfte seit dem letzten Versuch deutliche Verbesserungen vorgenommen hätten. Dazu gehörten beispielsweise mobile Rampen, die aus Sicht der drei Northeimer durchaus akzeptable Lösungen darstellen können.

Nölting, Seidel und Kühne kamen während ihrer Fahrt auch mit verschiedenen Geschäftsbetreibern ins Gespräch. Dabei zeigten sich die Kaufleute und Angestellten „dankenwerter Weise sehr offen“ für Hinweise auf Kleinigkeiten, die es für einen Betroffenen einfacher machen, in dem Geschäft einzukaufen. Kühnes Fazit: „Somit war die Aktion ein für beide Seiten gewinnbringendes Experiment.“

Rat bewilligt 100.000 Euro

Dass sich am Zustand der Northeimer Bummelmeile etwas ändern muss, haben auch die Stadtratsfraktionen erkannt. Auf Antrag der SPD-Grünen-Gruppe wurden einstimmig 100.000 Euro für die Sanierung der Fußgängerzone in den Haushalt 2014 eingestellt.

SPD-Fraktionschef Berthold Ernst sieht den Austausch der mittleren Oberfläche in der Fußgängerzone als vorrangig an. „Hier ist ja jeder dritte Pflasterstein kaputt. Schon für Menschen ohne Behinderung ist unangenehm, darauf zu gehen“, sagt der SPD-Politiker. Die 100.000 Euro sollen einen ersten Sanierungsabschnitt ermöglichen.

Der Fußgängerzonen-Bereich Wieterstraße, der bereits saniert wurde und jetzt auch mittig eine ebene Oberfläche aufweist, könne ein Vorbild sein, so Ernst, auch wenn es bei der Ausführung handwerkliche Mängel gegeben habe. (goe)

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