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Luchs erobert Kreis Northeim

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Ein Luchs sitzt mitten in einem Feld.
Aus dem Auto heraus mit dem Handy fotografiert hat Heike Koch diesen Luchs auf einem Feld bei Willershausen. © Heike Koch/nh

Seit einigen Tagen streift ein ausgewachsener Luchs durch das Gebiet rund um Willershausen und löst bei denen, die ihm begegnen durften, Begeisterung aus. Eine davon ist Heike Koch aus Willershausen.

Willershausen - Sie hat die Wildkatze am Donnerstagnachmittag auf einem Feld an der Osteroder Landstraße bei einem Feldweg Richtung Oldershausen entdeckt. „Ich war völlig fasziniert. Ein absolut tief entspanntes Wesen, das völlig unbeeindruckt von mir nur wenige Meter entfernt am Straßenrand saß“, schwärmt die Hunde- und Katzenbesitzerin.

Sie nutzte die Gelegenheit und filmte den Luchs vom Auto aus. Inzwischen kursiert noch ein weiteres Video im Internet, das den Luchs auf einem Baum liegend ebenfalls bei Willershausen in Vogelsang zeigt, aufgenommen von einer Reiterin. Andere berichten in den Kommentaren bei Facebook, dass auch schon 2019 im Wald bei Dögerode ein Luchs gesichtet wurde. Die Begeisterung für das Tier ist groß.

Luchsprojekt Harz

Auch Ole Anders, Projektkoordinator vom Luchsprojekt Harz, kennt diese Aufnahmen. Man könne aber leider nicht erkennen, ob es sich dabei um ein oder zwei Luchse handelt. Bekannt ist aber, dass sich schon seit 2018 Luchse im Waldgebiet zwischen Gittelde und Northeim aufhalten. Bislang gehe man von zwei Weibchen und einem Männchen aus. Zudem streiften wohl noch Jungtiere vom vergangenen Jahr durch das Gebiet. Denn es hätte schon Nachwuchs gegeben. Leider seien aber zwei davon im vergangenen Jahr überfahren worden – ein Jungtier auf der Autobahn 7, eins im Mandelbecker Forst.

Luchse sind scheu

In der Regel seien Luchse am Tag nicht zu sehen, aber nun sei Paarungszeit, da machten sich die Männchen auf den Weg, um ein Weibchen zu finden. Da könne es vorkommen, dass sie auch am Tage zu sehen sind, erklärt Anders. Ein Luchs könne bis zu 20 Kilometer am Tag zurücklegen. Insbesondere Jährlinge, die ein neues Revier suchen, seien gerade sehr laufaktiv. Ob es sich bei dem Tier in Willershausen um ein Männchen handelt, könne man auf dem Foto aber nicht erkennen.
Luchse sind vorwiegend in der Dämmerung und der Nacht aktiv. Direkte Beobachtungen sind daher selten und zufällig, so Luchs-Experte Ole Anders. Manchmal seien Tiere verletzt oder krank, wenn sie bei Tage auftauchten, berichtet er. Allerdings würde er dies aufgrund des Bildmaterials aus Willershausen zunächst nicht vermuten. Aber das müsse natürlich weiter beobachtet werden.

Begegnung mit einem Luchs

Doch wie verhält sich ein Spaziergänger, wenn er einem Luchs begegnet? Das sei pauschal schwierig zu beantworten, so Anders, eigentlich sei da nur gesunder Menschenverstand gefragt. Bislang hätte es nach seiner Erfahrung in den vergangenen Jahren auch keine brenzlige Situation mit Menschen gegeben.

Hunde gehörten natürlich an die Leine, wenn ein Luchs in der Nähe sei, um eine mögliche Konfrontation zu vermeiden. Es könne durchaus sein, dass es sonst mal zu Auseinandersetzungen kommen könnte, wenn der Luchs seine Beute verteidigen will.

Ein Pferd mit Reiter würde der Luchs hingegen entspannt betrachten, denn ein Pferd sei für einen Luchs keine Bedrohung und auch den Menschen auf dem Pferd würde er nicht wahrnehmen. Menschen gegenüber würden Luchse auch nicht aggressiv reagieren.

Im Harz liefen die Pinselohren zum Teil durch die Vorgärten, aber es gebe soweit keine Probleme. Selten erfolgten Angriffe auf Nutztiere, allenfalls werde mal ein Schaf im Gehege gerissen.

Sollte ein Haustier von einem Luchs gerissen werden, erhält der Besitzer in Niedersachsen eine Ausgleichszahlung, heißt es auf der Homepage des Luchsprojektes. Die Höhe des Betrages orientiere sich am Marktwert des jeweils verlorenen Tieres. Private Jagdausübungsberechtigte erhalten einen Pauschalbetrag von 50 Euro für die Meldung eines in ihrem Revier vom Luchs gerissenen Stücks Wild (Niederwild und Hochwild).

Wichtig für die weitere Erforschung der Luchse sei es, die Sichtungen und Risse unter im Internet unter luchsprojekt-Harz.de zu melden, so Anders. Hier werden die Monitoringergebnisse in Übersichtskarten dokumentiert und geben Aufschluss über die Populationen. (Rosemarie Gerhardy)

Nachkommen vom Luchsprojekt Harz

Die im Raum Kalefeld ansässigen Luchse sind Nachkommen des Luchsprojektes Harz. 2000 bis 2006 wurden 24 Luchse im Harz ausgewildert. Bis 2010 verbreiteten sie sich nur im Harz. Dann fingen sie laut Projektkoordinator Ole Anders an abzuwandern. 2016 gab es bereits Nachwuchs im Solling. 2018 wurden Luchse erstmals auch im Westerhöfer Wald beobachtet. Anders bittet Luchs-Sichtungen unter luchsprojekt-harz.de zu melden. (rom)

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