Probefahrten sind in Niedersachsen verboten

Autohandel leidet unter ungleichen Corona-Auflagen der Länder

Mit Laptop und Handy werden Autoverkäufe kontaktlos abgewickelt: Andreas Schellmann (rechts) und Verkäufer Dirk Wittmeier vom Autohaus Schellmann in Nörten-Hardenberg.
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Mit Laptop und Handy werden Autoverkäufe kontaktlos abgewickelt: Andreas Schellmann (rechts) und Verkäufer Dirk Wittmeier vom Autohaus Schellmann in Nörten-Hardenberg.

Der Kfz-Handel im Landkreis ächzt unter den Corona-Auflagen. Denn nicht nur die Verkaufshäuser müssen geschlossen bleiben, sondern laut Anordnung sind auch Probefahrten nicht mehr erlaubt.

Landkreis Northeim - „Eine Probefahrt ist das beste Verkaufsargument“, betont Kerstin Purwin, Geschäftsführerin vom Autohaus Dörge. Die Kaufinteressenten möchten nicht theoretisch entscheiden, sondern probieren, wie sich das Auto anfühlt. Auch die sogenannte Garagenprobe sei wichtig.

Obermeister Ernst-August Bethel kritisiert ebenfalls, dass nun Probefahrten untersagt sind. Anfang des Jahres hätten diese noch stattfinden können, vor circa 10 Tagen hätte er dann an die Mitgliedsbetriebe der Kfz-Innung das von der Kreisverwaltung veröffentlichte Verbot weiterleiten müssen. Unverständlich ist für ihn bei der Entscheidung, dass eine Autovermietung jedoch erlaubt sei. Zudem sehe er bei einer Probefahrt wenig Infektionsgefahr, da die Schlüsselübergabe kontaktlos erfolgen könne und der Fahrer das Auto allein nutze.

Noch schwieriger findet er die Situation mit Blick darauf, dass beispielsweise im benachbarten Thüringen Autohäuser nicht schließen müssen, mit Kunden Termine vereinbart werden könnten und natürlich auch Probefahrten dort erlaubt seien. „Das ist für den Kunden nicht nachvollziehbar, wenn in Northeim das Autohaus geschlossen ist und in Heiligenstadt ist alles offen“, betont auch Helmut Peter vom Autohaus Peter, der mehrere Autohäuser in drei verschiedenen Bundesländern führt.

Peter ist auch Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Thüringens. Er vertritt die Auffassung, dass sich die niedersächsischen Standesvertretungen nicht massiv genug eingesetzt hätten: „Hier hat das Ehrenamt versagt.“

Als weitere Gründe für den Zusammenbruch des Marktes in den vergangenen Wochen nennt er, dass aufgrund des Lockdowns weniger Auto gefahren würde und das Winterwetter.

Wichtig sei, um aktuell Autos verkaufen zu können, dass die Unternehmen einen guten Internetauftritt hätten.

Andreas Schellmann vom gleichnamigen Nörtener Autohaus betont, dass das Verbot von Probefahrten es schwierig machen würde, das Geschäft aufrecht zu erhalten. Die Beratung könne online oder telefonisch erfolgen, auch die Vertragsabwicklung sei online kein Problem, aber das Gefühl ein Auto bei einer Probefahrt kennenzulernen, sei online nicht zu ersetzen. Dabei habe man vor dem Verbot alles getan, um die Wagen nach der Fahrt zu lüften und zu desinfizieren.

Wichtig für Kaufentscheidung

„Natürlich ist für den Käufer und auch für den Verkäufer eines Automobils die Probefahrt ein wichtiger Bestandteil der endgültigen Kaufentscheidung“, sagt auch Wolfgang Hermann vom gleichnamigen Autohaus.

Allerdings seien besonders Neuwagen, aber auch Gebrauchtwagen durch die heutigen umfassenden Garantieleistungen in der Wertigkeit für die Käufer sehr stark abgesichert.

Er betont, dass der Verkauf von Autos über Börsen, Social Media, per E-Mail oder auch telefonisch wie auch die Auslieferung unter strengen Hygienevorschriften in Niedersachsen erlaubt sei.

Doch obwohl in Thüringen die Ausstellungshäuser geöffnet und Probefahrten erlaubt seien, sei trotzdem auch die Zurückhaltung der Kunden am Hermann-Standort in Mühlhausen deutlich zu spüren, da sich der Automarkt gerade insgesamt in einer Flaute befinde, so Hermann.

Begründung des Landkreises

Der Landkreis Northeim begründet das Probefahrverbot mit einer Mitteilung des Landes vom 22. Januar, in der erklärt wird, dass sowohl bei der Auslieferung bestellter Waren als auch bei deren Abholung mit kontaktloser Übergabe außerhalb der Geschäftsräume eine verbindliche Kaufabsicht durch den Kunden zum Erwerb eines konkreten Produktes bereits erklärt worden sein muss. Dies sei bei einer Probefahrt nicht der Fall, da es sich hier zunächst um eine Testung des Fahrzeugs handele. Eine Kaufabsicht könne hierbei noch nicht unterstellt werden. Vielmehr stehe vor der Probefahrt nicht fest, ob es zu einem Kauf kommen werde. Vom ausdrücklichen Willen zum Erwerb bei der Auslieferung könne somit nicht ausgegangen werden, daher seien die Probefahrten verboten, so der Landkreis.  (Rosemarie Gerhardy)

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