Drei Viertel der Sammlung wartet im Depot

PS-Speicher in Einbeck: Heimat für motorisierte Raritäten

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Mekka für Freunde alter Motorräder und Autos: Der PS-Speicher.

Einbeck. Northeim. Die weltweit größte Sammlung deutscher Motorräder hat ein neues Zuhause. Künftig sind Teile der Sammlung des Einbecker Kaufmanns Karl-Heinz Rehkopf im PS-Speicher zusehen.

Die von ihm ins Leben gerufene Stiftung Kornspeicher hat nach eigenen Angaben für den Umbau des denkmalgeschützten ehemaligen Einbecker Kornspeichers in ein Museum für Motorräder und Autos 25 Millionen Euro investiert. Der PS-Speicher, der am Freitag feierlich eröffnet wird, ist ab Mittwoch, 23. Juli, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Stiftungsvorstand Matthias Schilling betonte bei der Präsentation der Ausstellung die Bedeutung des Museums für den Tourismus. 60 000 Besucher erwarte die Stiftung pro Jahr.

Mekka für Freunde alter Motorräder und Autos: Der PS-Speicher.

Denen will der PS-Speicher einiges bieten. Der Ausstellungskurator Andy Schwietzer betonte, es gebe einige weltweit einmalige Exponate in der Austellung. Dabei nannte er unter anderem „das Urmodell aller Motorräder“. Das von einem Zwei-Zylinder-Viertakt-Motor mit 1530 Kubikzentimeter Hubraum und 2,5 PS angetriebene Zweirad „Hildebrand & Wolfmüller“ (1894) sei mit seiner Rahmenkonstruktion seiner Zeit weit voraus gewesen.

Außerdem hob er unter anderem noch ein VanVeen-Motorrad aus den 1970er-Jahren hervor. Das von einen Kreiskolbenmotor angetriebene Motorrad blieb eine Rarität, weil der in Duderstadt beheimatete Hersteller plötzlich ohne Motorenlieferant dastand. Der hatte nämlich den Betrieb eingestellt. „Mit diesem Regionalbezug ist das Motorrad ein wichtiger Fixpunkt der Ausstellung“, betonte Schwietzer.

Sammler Rehkopf wollte seine über 1000 Motorräder umfassende Sammnlung eigentlich erst nach seinem Tod der Öffentlichkeit zugänglich machen. Er ließ sich aber von seinen Testamentsvollstreckern überreden, sich noch persönlich an dem Mammutprojekt zu beteiligen, betonte der 77-Jährige. (ows)

Sammelleidenschaft eines Einbeckers

Die motorisierte Fortbewegung fasziniert Karl-Heinz Rehkopf seit einer Jugend. Als 16-jähriger Schüler fuhr er ein drei PS starkes Motorrad der Marke Viktoria. Das Geld für die Anschaffung hatte er sich in der Tongrube von Fredelsloh und am Brennofen dazuverdient.

„Ich habe mich nicht davon trennen können“, sagt er. So begann die Sammelleidenschaft des Wahl-Einbeckers, der seit 20 Jahren in der Bierstadt lebt. Heute besitzt er mehr als 1000 Motorräder.

„Wir können nur ein Viertel des Depots zeigen“, betont Rehkopf. Die übrigen Modelle werden bei Sonderausstellungen präsentiert. Schließlich soll der PS-Speicher auch dann noch interessant bleiben, wenn man schon mal da war.

„Ich fürchte mich ein bisschen vor dem großen Boom“, sagt Rehkopf. „Hinterher kommt die Saure-Gurken-Zeit.“ Deshalb wolle er zunächst gar nicht so sehr viel Werbung machen. Lediglich so genannte Typenclubs sollen angeschrieben und so auf den PS-Speicher hingewiesen werden. Typenclubs sind Vereine, deren Mitglieder sich einem speziellen Auto- oder Motorradmodell verschrieben haben.

„Ich hatte keine Sammlung geplant“, betont der 77-Jährige. Er konnte sich nur einfach nicht von seinen Zweirädern trennen. „Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht die Sammlung vor der Tür“, beschreibt er die Entwicklung.

Aktualisiert um 19.25 Uhr.

Seine Sammlung wird im PS-Speicher durch die Exponate des ehemaligen Kleinwagenmuseums in Störy (Landkreis Hildesheim) ergänzt, die die Stiftung übernommen hat. Das privat aufgebaute Museum musste vor rund zehn Jahren schließen, weil es Auflagen für die Ausstellungsräume, nicht erfüllen konnte

Bisher steht nur ein Teil der Kleinwagen vornehmlich aus den 1950er- und 1960er-Jahre im PS-Speicher, darunter ein Goggomobil und ein Kleinschnittger-Cabriolet. Im Herbst sollen in einer bereits fertiggestellten Halle weitere Fahrzeuge der Wirtschaftswunder-Ära zu sehen sein.

Überhaupt ist die Eröffnung des PS-Speichers nicht das Ende der Entwicklung. Noch eine weitere Sammlung soll bald im PS-Speicher gezeigt werden: Die Lanz Bulldogs von Karl-Heinz Rehkopf. Der 77-Jährige hat mehr als zehn der legendären Zugmaschinen mit Ein-Zylinder-Motor im Besitz.

Demnächst beginnt der Bau eines Hotels mit 63 Doppelzimmern. Es soll im September 2015 den Betrieb aufnehmen. Investoren sind Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter, die bereits das Hardenberg Burghotel in Nörten-Hardenberg und das Hotel Freigeist in Northeim betreiben. Das dem PS-Speicher angegliederte Restaurant Genusswerkstatt wird auch von ihrer Freigeist Einbeck GmbH & Co. KG betrieben.

Die Dauerausstellung des PS-Speichers umfasst eine Fläche von 4000 Quadratmetern. 300 Fahrzeuge werden dort präsentiert.

Weitere 500 Quadratmeter stehen für Wechsel- und Sonderausstellungen zur Verfügung. Die Gastronomie ist auf weiteren 400 Quadratmetern untergebracht.

40 Arbeitsplätze sind im Museum entstanden. Im geplanten Hotel sollen weitere 25 hinzukommen.

Das Museum wird künftig von mittwochs bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein. Der Dienstag steht für Schulklassen und angemeldete Gruppen zur Verfügung.

Der Eintritt kostet (inklusive Audioguide) für Erwachsenen 12,50 Euro. Kinder und Jugendliche zahlen 7,50 Euro. Gruppen ab 20 Personen zahlen 10,50 Euro pro Person. Eine Familienkarte kostet 30 Euro.

Von Olaf Weiss

Fotos von der Sammlung

Eröffnung des PS-Speichers in Einbeck

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