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Urs Liebau, das Rädchen im politischen Getriebe

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Von: Olaf Weiss

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Urs Liebau ist zwar in Northeim geboren, aber in Goslar aufgewachsen.
Urs Liebau ist zwar in Northeim geboren, aber in Goslar aufgewachsen. © Olaf Weiss

Am 9. Oktober wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Wir stellen die Kandidaten aus den Wahlkreisen Northeim und Einbeck in loser Reihenfolge vor. Heute: Urs Liebau (Grüne)

Einbeck – Auf dem Papier ist Urs Liebau ein Kandidat, der von außen kommt. Doch dem Grünen, der im Wahlkreis Einbeck als Direktkandidat antritt, ist der Landkreis Northeim zumindest in Teilen von Kindesbeinen an vertraut. Zwar ist er in Goslar aufgewachsen, aber in Northeim geboren. Die Kreisstadt kennt er von Besuchen bei seiner Großmutter.

Der ledige 27-Jährige, der in Magdeburg Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Logistik studiert hat, ist gerade aus der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt in die Region zurückgekehrt. In Clausthal-Zellerfeld arbeitet er nun beim „Center for digital Greentech“ (Zentrum für digitale grüne Technologie) des August-Wilhem-Scheer-Instituts.

„Ich habe das nie bereut“, sagt er über die Wahl von Magdeburg als Studienort. Die Stadt habe eine junge Bevölkerung und sei im Aufbruch. Dort hat er auch erste praktische Erfahrungen in der Kommunalpolitik gemacht. Für die Grünen, bei denen er seit 2017 Mitglied war, saß er von 2019 bis zu seinem Wegzug im Stadtrat.

„Ich bin in einem sehr politischen Haushalt groß geworden“, erzählt er. 1994 haben seine Eltern bosnische Flüchtlinge aufgenommen. Weitere Flüchtlinge seien im Laufe der Jahre gefolgt. Aktuell haben seine Eltern afghanische Ortskräfte aufgenommen, die nach der Machtübernahme der Taliban aus ihrer Heimat fliehen mussten. „Das hat mich extrem politisiert“, sagt er darüber, dass er so mit Menschen aus anderen Kulturen groß geworden sei, die vor Krieg und Vertreibung nach Deutschland geflohen sind.

Die Kombination von „klarer Kante gegen Rechts“ und Ökologie habe ihn schließlich zu den Grünen gebracht. Als ehemaligem Pfadfinder sei ihm die Erhaltung der Natur immer wichtig gewesen.

„Ich glaube nicht, dass Politik ein Beruf fürs Leben ist“, sagt Liebau. Er sieht in der Möglichkeit, Berufspolitiker zu sein, „aber eine zeitweise Option“.

Die wäre fast schon im vergangenen Jahr Wirklichkeit geworden. Bei der Bundestagswahl trat er in Sachsen-Anhalt für die Grünen an, verpasste aber trotz Listenplatz 2 den Einzug ins bundesdeutsche Parlament knapp.

Sich ganz aus der Politik zurückzuziehen, kann er sich indes nicht vorstellen. In der Politik müssten innerhalb und außerhalb der Parlamente so viele Rädchen ineinandergreifen. Irgendwo in diesem Getriebe werde er immer einen Platz haben.

„Wenn‘s reicht, würde ich mich freuen“, sagt er über seine Landtagskandidatur. Es gehe aber auch darum, für die eigene Partei vor Ort Gesicht zu zeigen. Er wolle außerdem gleichzeitig aber auch jungen Leuten zeigen, „dass es geht“, sich politisch zu engagieren und zu kandidieren. Dabei gehe es ihm nicht um die Nachwuchsgewinnung für die eigene Partei: „Die müssen gar nicht alle zu den Grünen kommen.“

Wenn er nicht politisch aktiv ist, spielt Liebau „leidenschaftlich Klavier – auch zum Abschalten“. Außerdem begeistert er sich für alle Ball- und Mannschaftssportarten.

Früher habe er Fußball im Verein gespielt, heute kickt er nur noch zum Spaß mit Freunden und Bekannten. „Ich war der 6-er“, sagte er und beschreibt diese Mittelfeldposition mit: „Überblick haben, den letzten Pass spielen, aber auch mal abräumen.“ (Olaf Weiss)

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