Rene Lammer - Nomade im Auftrag der Kirche

Am Schreibtisch: Pastor Rene Lammer ist noch dabei, sich an seinem Arbeitsplatz im Gemeindehaus einzurichten. Foto:  Weiss

Northeim / Angerstein. Die Evangelisch-reformierten Gemeinden Northeim und Angerstein haben wieder einen Pastor. Rene Lammer hat Anfang Dezember die Nachfolge von Reinhard Sell angetreten, der im vergangenen Sommer in den Ruhestand gegangen ist.

Rene Lammer wird mit einem Gottesdienst am Samstag, 16. Januar, ab 15 Uhr in der Kirche in Angerstein in sein Amt eingeführt. Der Geistliche hat einen abwechslungsreichen Berufsweg hinter sich.

Berufliche Stationen

Lammer ist ein Nomade im Auftrag der Kirche. „Ich bin der einzige Pfarrer, der dreimal von der EKD ins Ausland geschickt wurde“, sagt der 59-Jährige. EKD sind die Evangelischen Kirchen in Deutschland.

Schon als Vikar war er in Santiago de Chile tätig. Als später dort die Pfarrstelle frei wurde, bat ihn die deutsche evangelische Gemeinde zurückzukommen. Deshalb ist er dort auch zum Pastor ordiniert worden, erzählt er.

Nach sechs Jahr dort wechselte er zurück nach Deutschland und übernahm 1993 eine Pfarrstelle in Lage bei Nordhorn (Grafschaft Bentheim).

Dann ging es im Jahr 2000 für acht Jahre nach Costa Rica. Von dort betreute er auch deutsche evangelische Gemeinden in Honduras, Nicaragua und Panama. Anschließend war er zweieinhalb Jahre im Kirchenamt der EKD in Hannover tätig, bevor er nach Athen wechselte. Nach fünfeinhalb Jahren Arbeit in der dortigen deutschen Gemeinde ist er Anfang Dezember nach Northeim gewechselt.

Wieso reformiert?

Lammer, der nach eigenen Worten als Baptist aufgewachsen ist und in Göttingen Theologie studiert hat, hat sich bewusst für die Arbeit in reformierten Gemeinden entschieden. Gerade das „anti-hierarchische“ habe ihn angesprochen. Keiner sei in der Kirche, weil es einen Bischof gibt.

„Die konfessionelle Unterschiede sind nicht mehr identitätsstiftend“, betont er die Nähe der evangelischen Kirchen zueinander. So habe er im Ausland sowohl in reformiert als auch in lutherisch und uniert geprägten Gemeinden gearbeitet. Als unierte Gemeinde werden diejenigen bezeichnet, die der Union Evangelischen Kirchen angehören.

Ideen

„Kirche muss eine neue Identität finden“, sagt Lammer. Auch neue Formen der Kommunikation seien notwendig. So könne er sich vorstellen, Gottesdienste per Skype übers Internet zu übertragen, um ihn so auch Gemeindemitgliedern zugänglich zu machen, die ihn nicht besuchen können. Generell gelte es, die Potenziale der reformierten Gemeinde weiter zu entwickeln. Das allerdings nicht losgelöst, sondern in Ergänzung zu den anderen evangelischen Kirchen.

Kernthemen

„Wir haben ein Imageproblem“, sagt Lammer über Kirche im Allgemeinen. Dabei könne sie den Menschen viel geben. So seien Schuld und Vergebung, aber auch der Umgang mit dem Tod zentrale Themen des Zusammenlebens. „Wir bieten den Ort, darüber nachzudenken.“

Northeim und Angerstein

Die Kernbereiche seines neuen Gemeindegebietes ist dem Theologen aus der Zeit seines Studiums nicht fremd. „Ich habe mal in Bovenden und Katlenburg gewohnt“, erzählt er. An den Gemeinden mit zusammen 900 Mitgliedern reize ihn die Struktur. Zum einen die dörfliche Gemeinde in Angerstein, zum anderen die verstreute Northeimer Gemeinde mit Mitgliedern zwischen Holzminden und Sankt Andreasberg.

Lammer ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Diese Station soll die letzte vor dem Ruhestand sein: „Sechs Jahre ist ein guter Zeitraum, dann kann wieder etwas neues kommen“, sagt er für sich, aber auch für die beiden Gemeinden.

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