Der Jahrgang 2019 ist abgefüllt

Robert Strohmeyer brennt in Sebexen edle Tropfen

+
Am Kupfer-Brennofen in Sebexen: Schnapsbrenner Robert Strohmeyer (rechts) und sein Kollege André Rein. 

Sebexen – Die Früchte wachsen rund um Sebexen – manche auch im eigenen Garten. Regionaler geht nicht. Aus den geernteten Äpfeln, Birnen oder Zwetschgen wird in einem alten Fachwerkhaus im kupfernen Brennofen Hochprozentiges: Sie werden zu Edelbränden destilliert.

Robert Strohmeyer hat jetzt den Jahrgang 2019 der „Brennerei Sebexen“ abgefüllt. Bis dahin war es ein längerer Weg, bis alles passte. „Ich habe es schon immer geliebt zu experimentieren“, sagt der gelernte Maschinenbau-Ingenieur.

Nur durch diese Ausdauer hat der 48-Jährige es geschafft, seinen Traum zu verwirklichen und die ersten Produkte auf den Markt zu bringen. „Zwischendurch dachte ich: Das schaffen wir nie – und dann war plötzlich alles fertig“, sagt er.

Vor acht Jahren zieht Robert Strohmeyer mit Ehefrau Lucie und den Kindern von Berlin ins ländliche Sebexen. Auf den Hof, der seit 1850 im Familienbesitz ist. Seitdem wird von den einstigen Großstädtern das Fachwerkhaus mit viel Kreativität und Kraft kontinuierlich saniert, alte Bausubstanz mit viel Herzblut erhalten. Die ungespritzten Äpfel aus dem eigenen Garten werden zu Apfelsaft, einige auch zum Apfelwein.

In Hannover lernt Robert Strohmeyer durch Zufall einen Schnapsbrenner kennen. Er ist fasziniert von der Möglichkeit, aus dem heimischen Obst edle Brände destillieren zu können.

„Mich interessiert immer: Was können wir direkt hier aus der Umgebung verwenden“, sagt Robert Strohmeyer. Die Idee für eine eigene Brennerei ist geboren.

Doch die Bürokratie droht ihn zu bremsen. Bis Strohmeyer einen Weg findet. Noch nicht allzu lange gilt in Niedersachsen, was in Süddeutschland schon viel länger gültig ist: Das sogenannte Abfindungsbrennrecht. Das erleichtert den Betrieb einer Brennerei. Dem Zoll zeigt Robert Strohmeyer die Menge der Maische an, auf deren Grundlage die Steuern berechnet werden.

Den kupfernen Brennofen, der seit einigen Monaten auf dem Hof der Strohmeyers steht, hat der 48-Jährige gebraucht gekauft, bei seinem Bekannten aus Hannover ein Praktikum gemacht, wie aus Obst ein Edelbrand wird. Und viel ausprobiert. „Die Kunst des Obstbrennens besteht darin, die außerordentliche Vielfalt von Aromen der Früchte in die Flasche zu überführen“, sagt Strohmeyer. In seiner 180 Liter fassenden Brennblase mit „Verstärker-Kolonne“ destilliert er acht Liter Alkohol mit circa 85 Prozent. Der wird verdünnt, bis trinkbare 40 Volumenprozent in der Flasche sind. „Nur eine gewissenhafte Herstellung führt zu Spitzenqualität“, sagt Strohmeyer. „Edelbrand darf weder Zucker noch Aromen zugesetzt werden.“

Die Sebexer Edelbrände werden zu 100 Prozent in Handarbeit hergestellt, garantiert Strohmeyer. „Alle Produktionsschritte liegen in meiner Hand: Das gilt für das Obst sammeln und das Maischen über das Destillieren bis zur Abfüllung.“ André Rein war von Anfang an von dem Projekt begeistert. Der Maschinenbau-Techniker ist der Mann für alle Fälle bei sämtlichen Arbeiten rund um die Brennerei. „Wir sind schon sehr verschieden, aber deswegen funktioniert es so gut“, sagt Rein.

Die Edelbrände der „Brennerei Sebexen“ sind in der Region in Einbeck (Weinhaus Jörns), in Bad Gandersheim (Klosterhof Brunshausen, Landmarkt Dörries), in Sebexen (Edeka Probst, Brennerei Sebexen, Jörnstraße 9), in Kalefeld (Schreibwaren Kampen), in Echte (Rewe-Markt, Kaufhaus Klaproth), in Wiershausen (Getränke Wille) und in Northeim (Vinothek) erhältlich. Im Herbst sind Schnapsverkostungen, Führungen und Brennseminare geplant – vorbehaltlich der Entwicklung der Corona-Situation natürlich. Weitere Infos gibt es im Internet unter brennerei-sebexen.de oder unter Telefon 0 55 53/ 91 95 167.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.