Schlachtfeld am Harzhorn: 20 Archäologiestudenten bei Sommergrabung

Oldenrode. Mit Goldgräbern am Yukon in Kanada möchte Volker Steinberg nun nicht gerade verglichen werden. „Unsere Perspektive ist eine ganz andere“, sagt der Archäologiestudent aus Berlin und tippt seinen Leder-Hut aus der Stirn.

Seit Wochen kniet er jeden Tag im Wald am Harzhorn bei Oldenrode und trägt in zentimeterfeinen Schichten den Erdboden ab. „Die Funde zeigen aufgrund ihrer Lage, was hier wo abgelaufen ist. Da ist ein Schuhnagel genauso so wichtig wie ein Katapultbolzen.“ Steinberg ist einer von 20 Studenten, die unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer (Freie Universität Berlin) an der diesjährigen Sommergrabung am Harzhorn teilgenommen haben.

Drei 14 Meter lange und bis zu 4,5 Meter breite Felder haben die Archäologen in die Hügelflanke geschnitten, die Stein für Stein untersucht worden ist. Auch wenn es nicht die erste Grabung am Harzhorn ist, für die Studenten ist es etwas Besonderes, dabei zu sein. „Ein Privileg“, sagt Regine Günther (30), die in Berlin Archäologie studiert. „Es gibt in Deutschland nur drei Römer-Schlachtfelder, und hier ist eins davon.“

Germanische Lanzen, römische Schwerter

Prof. Dr. Michael Meyer vom Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin ist Spezialist für Germanen. Das Schlachtfeld am Harzhorn erlaubt seiner Ansicht nach einen neuen Blick auf die Sozialstruktur der Germanen: „Die Frage ist, wie schafften es die Germanen, einem ganzen römischen Kontingent in kurzer Zeit entschlossen etwas entgegenzusetzen?“. Das Harzhorn liefere Hinweise, dass direkt nach der Schlacht zwischen Römern und Germanen noch etwas passiert sein müsse auf dem Gelände. Es seien kaum Schwerter von Römern und Lanzen von Germanen gefunden worden, sagt Meyer. Anders als Römer nutzten Germanen Lanzen für den Nahkampf. Sie trugen diese Waffen bei sich wie Römer die Schwerter. Wurden Tote geborgen, waren diese Waffen vermutlich dabei. Ein römischer Speer dagegen kann weit weg vom Soldaten gefunden werden, weil die Waffe geworfen wurde. (coe)

Still ist es über dem Grabungsfeld, von unten dringt das Verkehrsrauschen der A 7 gedämpft herauf. Schaben und Klopfen ist zu hören, ab und an sirrt der stabförmige Metalldetektor, mit dem die Studenten einzelne Stellen punktförmig prüfen. Das gesamte Feld ist zu Beginn der Grabung großflächig mit Detektoren abgesucht worden. Gelbe Fähnchen markieren, wo die Geräte ausschlugen. An diesen Stellen suchen die Studenten zuerst.

Gefunden haben sie in diesem Sommer Schuhnägel, Pfeilspitzen, Katapultbolzen und eine Speerspitze. Für Grabungsleiter Michael Meyer bestätigen die Funde, was er zuvor vermutete: Bei der Schlacht zwischen Römern und Germanen, die möglicherweise um das Jahr 233 nach Christus stattfand, nahmen die Römer die Anhöhe am Harzhorn von zwei Seiten unter Beschuss.

„Sie kamen von der Senke, wo heute die A 7 verläuft, und von diesem Hohlweg“, sagt Meyer und zeigt in Richtung Sebexen. In der dem Weg zugewandten Hügelflanke steckten in rund 30 Quadratmetern noch 40 bis 50 Katapultbolzen, die die Römer bei der Erstürmung abfeuerten. Die Speerspitze steckte zwischen zwei Felsen fest - sie zeigt den Wissenschaftlern im Rückschluss, wo der römische Soldat stand, als er die Waffe schleuderte.

Am Ende dieser Woche verlassen die Archäologen das Schlachtfeld für diesen Sommer. Komplett erforscht ist das Gelände noch lange nicht. Professor Meyer ist seit 2009 jeden Sommer am Harzhorn gewesen. „Wie es weiter geht, wird sich zeigen“, sagt er. „Es gibt hier noch für einige Jahre richtig viel zu tun.“

Sommergrabung am Harzhorn

Sommergrabung am Harzhorn
 © Coerschulte
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