Blecht drohte in Kassel von Dach zu fallen, LKW-Anhänger bei Grebenstein umgeweht

Stürmischer Rosenmontag: Mehrere Karnevalsumzüge abgesagt - Einsätze in der Region

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Das betroffene Gebäude in Kassel: Von der Kurfürstenstraße 9 (nahe Hauptbahnhof) drohte wegen des Sturms ein Dachblech aus Zink auf die Straße zu fallen.

Kamelle und viel Regen: Die Karnevalsumzüge sind heute vielerorts ins Wasser fallen. Auch mit Sturm und Gewitter hatten die Narren zu kämpfen. Zwei Umzüge wurden abgesagt. Ein Überblick.

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 4. März um 18.36 Uhr - Als zum Start der Woche heute hunderte Narren auf die Straße zogen, war ein Kleidungsstück Pflicht: der Regenschirm. Tief Bennet brachte viel Regen, stürmischen Wind, kurze Gewitter - und es sorgte für zahlreiche Einsätze.

Rosenmontagszug in Fritzlar abgebrochen

Zwischen Freude und Enttäuschung schwankten die Fritzlarer Karnevalisten am Rosenmontag. Zwar fand der größte Rosenmontagsumzug in der Region statt - wurde aber vorzeitig abgebrochen.

Dachblech drohte in Kassel auf Straße zu stürzen

Aus Sicherheitsgründen musste in Kassel die Bürgermeister-Brunner-Straße gesperrt werden. Grund war der starke Sturm. Ein großes Blech auf dem Dach des Hauses Kurfürstenstraße 9 drohte auf die Straße zu stürzen.

Sturmtief Bennet weht Lkw-Anhänger bei Grebenstein um

Sturmtief Bennet wehte am Rosenmontag auch über dem Kreisteil Hofgeismar. Dabei kippte auf der B83 bei Grebenstein ein Lkw-Anhänger um.

Straßenmeisterei sperrt Landesstraße nach Relliehausen

Im Kreis Uslar wurde die Landesstraße zwischen Eschershausen und Relliehausen wegen des stürmischen Wetters vorsichtshalber gesperrt.

Karnevalsumzug in Fulda abgesagt

Wegen der stürmischen Wetterlage wurde am Mittag der Rosenmontags-Umzug in Fulda abgesagt. Die Polizei warnte sogar vor der Anreise.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hatte der Sturm zuvor schon zu einigen Einsätzen geführt.

Umzug in Höckelheim trotz Sturm

In Höckelheim (Kreis Northeim) (hier geht's zum Video und zur Fotostrecke) trotzten die Narren dem Wetter. Dort fand der Umzug statt.

Rosenmontagszug in Seligenstadt fällt aus

Wie in Fulda ist auch in Seligenstadt bei Offenbach der Rosenmontagszug wegen Sturmtief "Bennet" kurzfristig abgesagt worden. Das teilte die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite mit. Geplant war ab 14.01 Uhr ein närrischer Umzug mit rund 100 Nummern, nach Angaben des Veranstalters wurden 40.000 Zuschauer erwartet. Ein Polizeisprecher in Offenbach bestätigte die Absage. Der Seligenstädter Rosenmontagszug gehört zu den größten und traditionsreichsten im Rhein-Main-Gebiet.

Auch am Frankfurter Flughafen führte "Bennet" zu Behinderungen. Die Zahl der Landungen pro Stunde wurde am Vormittag vorübergehend von 60 auf 44 Maschinen gesenkt, wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung mitteilte. Zeitweise waren wegen des Windes gar keine Landungen möglich. Es habe mehrere sogenannte Durchstarter gegeben - Flugzeuge also, die den Landeanflug abbrechen und durchstarten mussten. Die Entscheidung zum Durchstart liege jeweils beim Piloten.

Auf einer Baustelle im südhessisschen Lorsch (Kreis Bergstraße) wurde eine gerade fertiggestellte Mauer umgeweht und ein 48-jähriger Arbeiter schwer verletzt.

Mann stirbt im münsterländischen Ochtrup

Sturmtief "Bennet" fegte nicht nur über Hessen, sondern über weite Teile Deutschlands hinweg und hatte teils verheerende Folgen. So tötete ein umstürzender Baum im münsterländischen Ochtrup einen 37 Jahre alten Autofahrer. Der Mann war auf einer Landstraße unterwegs, als der Baum umfiel und das Fahrzeug traf. "Der Verdacht liegt nahe, dass das mit dem Sturm zusammenhängt", sagte ein Polizeisprecher.

Heftige Sturmböen wehten in der Nähe von Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) Teile eines Windrads auf die Autobahn 62. Weil die Gefahr bestand, dass noch weitere Stücke eines Rotorblattes herunter kommen, wurde die Fahrbahn zwischen Birkenfeld und dem saarländischen Freisen gesperrt, wie die Polizei mitteilte.

Waldbesitzerverband warnt vor Betreten des Waldes

Der Hessische Waldbesitzerverband warnt davor, am heutigen Montag in den Wald zu gehen. Durch die orkanartigen Böen würden wieder zahlreiche Bäume entwurzelt. "In den Baumkronen brechen Äste ab, die zu Boden stürzen", schreibt der Verband.

Auch in den nächsten Tagen sei es im Wald gefährlich. Denn Bäume würden beim Sturm oft nur angeschoben, fallen aber erst später um. Dasselbe gelte für tote Äste, die abbrechen, aber in den Baumkronen hängen blieben. Sie könnten jederzeit herabstürzen und Verletzungen verursachen. 

Große Karnevalszüge in abgespeckter Form

Regen und Sturm machte den Narren am Rosenmontag das Leben schwer.

Trotz heftiger Böen und Regenschauern bahnten sich die Karnevalszüge in den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf ihren Weg durch die Stadt - in leicht abgespeckter Form. So verzichteten die Karnevalisten in allen drei Städten auf Pferde. Andernorts wurden Züge abgesagt oder verschoben.

Die beliebteste Zielscheibe der Narren war - wieder einmal - der Mann mit der sehr blonden Haartolle. In Düsseldorf hielt US-Präsident Donald Trump als "Schmutzengel" seine schützenden Hände über den saudischen Prinzen Mohammed bin Salman mit einer bluttriefenden Kettensäge - eine Anspielung auf die Ermordung des saudischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi. Die Mainzer zeigten Trump als klimavergiftendes Rindvieh, die Kölner als Golfspieler, der Klimaabkommen und Iran-Deal wegschießt.

Der politische Mottowagen mit den Figuren des amerikanischen Präsidenten Donald Trump als "Schmutzengel" und Prinz Salman von Saudi Arabien beim Rosenmontagszug in Düsseldorf.

Als besonders politisch und provokant erwiesen sich einmal mehr die Düsseldorfer Wagen von Jacques Tilly. Der rote Faden bei ihm war diesmal das Thema Rechtspopulismus - etwa in Italien, Polen und nicht zuletzt in Deutschland. So zeigte ein bis zuletzt geheim gehaltener Wagen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Höcke war als Baby in Windeln dargestellt, Goebbels hielt ihn in die Höhe wie ein Vater seinen Sohn. Das Motiv wurde bis zum Start auf die Zugstrecke unter einer Plane versteckt.

Eine Figur des Thüringer AfD-Partei- und Fraktionschef Björn Höcke zusammen mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.

In Mainz mit dabei: Ein adrett gescheitelter AfD-Politiker auf einem Wahlplakat, dem auf der Rückseite ein Neonazi mit brennender Fackel entspringt. Die britische Königin Elizabeth stellten die Mainzer auf der Flucht vor dem Brexit dar - mit Asylantrag unterm Arm. In Düsseldorf torpedierte Premierministerin Theresa May mit ihrer spitzen Nase die britische Wirtschaft: "Oooops!"

Natürlich bekam auch die Bundespolitik ihr Fett weg: Der SPD-Dampfer lief in Köln auf den Eisberg "Groko" auf, Kanzlerin Angela Merkel schredderte sich wie ein Bild des Künstlers Banksy. Im Düsseldorfer Zug war Merkel erstmals seit 2005 nicht mehr mit dabei.

Der Mainzer Carneval-Verein schätzte, dass etwa 450.000 Menschen den Umzug am Straßenrand verfolgten, etwas weniger als sonst. Die Düsseldorfer gingen von ungefähr 600.000 Besuchern aus. In Köln hieß es, der Zulauf sei höher als im vergangenen Jahr. Eine seriöse Schätzung sei aber unmöglich.

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte erst am Montagmorgen endgültig entschieden, dass alle großen Motivwagen mitfahren konnten. Die Düsseldorfer mussten bis zum Schluss zittern, denn bei ihnen gilt für den Zug eine feste Grenze von Windstärke 7 - mehr darf nicht sein. In mehreren Städten wurden Karnevalszüge abgesagt, so in Bottrop und Hattingen im Ruhrgebiet. In vielen anderen Städten begannen die Züge später. Augsburg sagte wegen starker Böen eine Open-Air-Feier auf dem Rathausplatz ab.

Sturm und Regen: Die Wettervorhersage für  Rosenmontag

In Hessen müssen sich die Narren zum Höhepunkt des Straßenkarnevals auf Wind und Regen einstellen. Am am Rosenmontag lasse sich die Sonne nicht blicken, stattdessen sei es meist stark bewölkt, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Außerdem sei mit Schauern oder länger anhaltendem Regen zu rechnen. Zudem sollten die Karnevalisten ihre Kopfbedeckungen und Perücken gut befestigen, da es vor allem am Montag zu starkem Wind mit Sturmböen kommen kann. Die Höchsttemperaturen liegen an beiden Tagen bei bis 14 Grad.

Fritzlar startet heiter bis wolkig in den Rosenmontag, bei Temperaturen um die zehn Grad dürfen die Jecken auf Kamellenjagd gehen. Es weht ein kräftiger, teils stürmischer Wind. Am Montag gab der DWD noch eine Gewitterwarnung für 10.15 bis 11.15 Uhr raus. Die HNA hat den Rosenmontagsumzug aus Fritzlar live im Video übertragen.

Auch in Höckelheim bei Northeim versammelten sich hunderte Karnevalisten zum Rosenmontagsumzug. Der Zug startete um 10 Uhr. Die Teilnehmer mussten sich auf stürmische Böen und bis zu zwölf Grad einstellen. Am Montagmorgen warnte der DWD außerdem vor starken Gewittern zwischen 10 und 11 Uhr. Das Treiben wurde auf HNA.de ebenfalls live übertragen.

Der Deutsche Wetterdienst warnte am Montag für den Schwalm-Eder-Kreis, den Kreis Northeim und das restliche HNA-Verbreitungsgebiet in der Zeit von 8 bis 20 Uhr vor Sturmböen der Stufe 2 von 4. 

"Es können zum Beispiel einzelne Äste herabstürzen. Achten Sie besonders auf herabfallende Gegenstände", heißt es in der Meldung  des DWD.

So wird das Wetter bei Ihnen Zuhause: www.hna.de/wetter.

(dpa/axl/mak)

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