Die Rotoren bremsen den Wind

Einfluss von Windkraftanlagen auf das Wetter ist gering

Windkraftanlagen vor einem wolkigen Himmel.
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Windräder haben nach den Worten von Wissenschaftlern durchaus einen Einfluss auf das Wetter. Allerdings ist dieser nicht so eindeutig, wie manche glauben.

Windkraftanlagen sind umstritten. Die Auswirkungen des von ihnen ausgehenden Infraschalls, der Schattenwurf der Rotoren, Lärm und dass sie die Landschaft verschandeln, sind die Argumente, die gegen sie ins Feld geführt werden.

Northeim – In einem Leserbrief zum Wetter im Landkreis Northeim haben die Redaktion weitere Vermutungen erreicht, welche Wirkungen Windkraftanlagen haben können: Windräder bremsten den Wind und die Regenwolken. Außerdem würden Regenwolken durch die Rotoren regelrecht geschreddert, mit der Folge, dass weniger Regen falle.

Mit diesen Thesen haben wir Wissenschaftler konfrontiert. Deren gesammelten Auskünfte hier nun in Fragen und Antworten:

Haben Windkraftanlagen Einfluss auf Wolken?

Die Umströmung von Windparks kann nach den Worten von Dr. Astrid Lampert, Atmosphärenphysikerin am Institut für Flugführung der TU Braunschweig, Einfluss auf Wolken haben.   In seltenen Fällen, bei sehr hoher Luftfeuchte nahe 100 Prozent können die Rotoren diese Luft anheben. Durch die damit verbundene Abkühlung können in Windparks dann Wolken entstehen.

Wie heben Windkraftanlagen Luftschichten an?

Nach den Worten von Dr. Detlev Heinemann, Meteorologe bei Forwind, verursachen die Rotoren Turbulenzen. Das könne zu einer Durchmischung unterschiedlicher Luftschichten führen – und damit unter Umständen zu Wolkenbildung führen.

Wie aber die Turbulenzen insgesamt die Menge der Bewölkung beeinflusst, sei bisher nicht genau untersucht. „Im Mittel bleibt es, wie es ist“, vermutet der Meteorologe. Denn je nach Witterungsverhältnissen sei durch die Turbulenzen sowohl eine stärkere als auch eine geringere Wolkenbildung denkbar.

Wie groß ist der Effekt auf das Wetter durch die Windkraftanlagen?

Einen großflächigen Effekt gibt es nach den Worten von Heinemann selbst bei Windparks mit dicht zusammenstehenden Anlagen nicht. „Dass das regionale Klima damit beeinflusst wird, ist unwahrscheinlich“, sagt er.

Haben Windkraftanlagen Einfluss auf die Windgeschwindigkeit?

„Windkraftanlagen entziehen der Atmosphäre Energie, die in Strom umgewandelt wird“, erläutert Dr. Lampert. Je nach der Rauigkeit der Oberfläche und nach der Durchmischung der Atmosphäre sei der Effekt sehr schnell wieder verschwunden, oder über einen längeren Bereich sichtbar.

Eine Extremsituation seien dabei Offshore-Windparks. Wenn die Atmosphäre stabil geschichtet ist, also wärmere Luft vom Land über die kühle Meeresoberfläche strömt, werde die Windgeschwindigkeit direkt hinter Windparks auf bis zu 70 Prozent reduziert.   Erst 50 Kilometer weiter habe sich die Windgeschwindigkeit wieder auf 95 Prozent erholt. Bei gut durchmischter Atmosphäre dagegen erreicht die Windgeschwindigkeit schon nach 5 bis 20 Kilometern wieder 95 Prozent. Über Land ist nach Lampert dieser Effekt noch schneller verschwunden. (Olaf Weiss)

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