Es geht um den Einsatz für Physiotherapeuten

Roy Kühne wehrt sich gegen den Vorwurf, er soll als Bundestagsabgeordneter zu stark Eigeninteressen folgen

Roy Kühne vor dem inzwischen abgerissenen ehemaligen Schwesternwohnheim
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Bundestagsabgeordneter und Unternehmer: Roy Kühne vor dem inzwischen abgerissenen ehemaligen Schwesternwohnheim. Auf dem Gelände in der Nachbarschaft seines Gesundheitszentrums will er ein Wohn- und Geschäftshaus errichten.

Der Northeimer Bundestagsabgeordnete der CDU, Roy Kühne, wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Abgeordnetentätigkeit sei zu stark von Eigeninteressen geprägt. Er reagiert damit auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung (SZ).

Northeim / Berlin – Darin wird Kühne vor allem als Interessenvertreter für Physiotherapeuten und andere sogenannte Heilmittelerbringer dargestellt. Insbesondere heben die Verfasser des Artikels hervor, dass Kühne, der selbst Physiotherapeut und Inhaber eines Gesundheitszentrums ist, im vergangenen Jahr gegen den Widerstand von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Einrichtung eines Rettungsschirms für Physio- und Ergotherapeuten durchgesetzt habe. Davon habe auch sein Gesundheitszentrum profitiert.

„Ja, ich habe mich für einen Rettungsschirm für die Therapeuten eingesetzt“, sagt Kühne. Die Fortführung der medizinisch notwendigen Versorgung sei gefährdet gewesen, weil Praxis-Schließungen gedroht hätten. Das sei durch die Gewährung einer Einmalzahlung verhindert worden.

Im SZ-Artikel ist infolge der Einmalzahlung, die den Bund 810 Millionen Euro gekostet hätten, von einer Umsatzsteigerung von 11,6 Prozent für Physiotherapeuten im vergangenen Jahr die Rede.

Das kann Kühne nach eigenen Worten nicht bestätigen. In jedem Fall konnten die Empfänger der Einzahlung dieses Geld aber auch dann behalten, wenn sie keinen Verlust durch Corona erlitten haben. „Eine zuvor diskutierte Rückzahlungspflicht für erhaltene Beiträge ist gesetzlich nicht zustande gekommen“, erklärte der CDU-Politiker.

Kühne betont, sich aus dem operativen Geschäft des Gesundheitszentrums zurückzogen zu haben. Er habe das Unternehmen auf eine breite Führung für die jeweiligen Bereiche gestellt: „Sie behandeln die Patienten, kennen die Probleme und bestimmen gemeinsam so die Richtung.“ Immerhin: „Natürlich spreche ich mit meinem Geschäftsführer über aktuelle Entwicklungen.“ Er lasse sich grundlegende Änderungen vorstellen. Wie viel Zeit er wöchentlich dem Gesundheitszentrum widmet, lasse sich kaum beziffern.

Er widerspricht auch, dass sein Unternehmen erst jetzt, wo der Bund die Kosten für Corona-Schnelltests übernimmt, solche Tests anbietet. Dieses Angebot gebe es bereits seit Weihnachten.

Kühne, der nach eigenen Worten der einzige Physiotherapeut im Bundestag ist, wirft die grundsätzliche Frage auf: „Wollen wir, dass Menschen aus der Pflege an Pflegereformen arbeiten, Landwirte bei machbaren Wegen in Sachen Insektenschutz mitberaten und Physiotherapeuten wie ich, die Situation der Heilmittelerbringer nachhaltig diskutieren?“ Die Alternative sei, dass nur vollkommen fachfremde Menschen politische Entscheidungen träfen. Er habe nie einen Hehl daraus gemacht, sich auch um das Bundestagsmandat bemüht zu haben, um die Situation für die Gesundheitsberufe zu verbessern.

Kühne gehört dem Bundestag seit 2013 an. Damals kam er über die CDU-Landesliste ins Parlament. Vier Jahre später gewann er das Direktmandat des Wahlkreises Northeim-Osterode-Goslar. (Olaf Weiss)

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